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Mister Bond

Felix Leiter

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1 001

Donnerstag, 9. Juli 2020, 18:33

Das stimmt so auch nicht ganz, mein Lieber ;)
ONWARD startete nämlich schon in Nordamerika, bevor die Krise losging.
The Gentlemen lief oder läuft tatsächlich auch in einigen Kinos. Die meisten sind doch seit Ende Mai mit Auflagen geöffnet.

ollistone

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1 002

Freitag, 10. Juli 2020, 10:24

Wie auch immer - mir ging es um die Frage, was mit den Filmen passiert ist, die ab März in die Kinos kommen sollten. Vielleicht habe ich mich da missverständlich ausgedrückt. Einige, wie NTTD, wurden sehr langfristig verschoben - okay. Aber wenn normalerweise pro Woche sagen wir zehn Filme starten, dann sollten (bei Kinoschließung von Mitte März bis Ende Juni) doch eigentlich mindestens 100 Filme in den Startlöchern stehen, die jetzt endlich gezeigt werden könnten. Werden sie aber nicht, die Kinos zeigen fast nur Wiederholungen.

Daher meine Frage: Wo sind denn diese Filme geblieben? Kommen die einfach gar nicht mehr in die Kinos, weil sie gleich in die Zweitvermarktung (DVD, Streaming) gegangen sind? Oder werden sie absichtlich zurückgehalten, weil: Sommerferien, immer noch Corona-bedingte geringe Zuschauerzahlen usw.?
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Mister Bond

Felix Leiter

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1 003

Montag, 13. Juli 2020, 11:57

Nein, die meisten Filme wurden und werden noch zurückgehalten. The Gentlemen läuft derzeit, Onward wieder im Kino.
Filme, bei denen man vielleicht nicht davon ausgeht, dass er von der Kinokasse profitiert, könnten tatsächlich direkt auf Stream landen, mir fällt nur keiner ein.
Einige, wie Bloodshot, The Emancipaton of Harley Quinn oder Der Unsichtbare kamen zwar schnell bei Amazon als Stream, liefen aber vorher im Kino.
Halloween Kills wurde erst kürzlich von Oktober 2020 auf Oktober 2021 verschoben, obwohl der Film abgedreht wurde! Wahrscheinlich weil sich zu viele andere große Namen Ende des Jahres den Kampf geben werden.

Scarpine

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1 004

Samstag, 25. Juli 2020, 19:37

TatortStrandgut
Siehe hier.

Shaft
Allseits bekannte Neuverfilmung der beliebten Spielfilmreihe aus den Siebziger Jahren. Statt Richard Roundtree sieht man erwartungsgemäß Allzweckwaffe Samuel L. Jackson in der Hauptrolle. Der Streifen ist einer dieser typischen Remake-Aufgüsse aus der Hollywood-Schmiede, die allerspätestens seit dem Ende der Neunziger Jahre zum dauerhaften Repertoire der Traumfabrik gehören. Dementsprechend kann das Werk dem Genre oder der Titelfigur kaum neue Impulse geben. Jackson ist als obercooler (Ex-)Cop natürlich immer eine sichere und sehenswerte Besetzung, aber die Story ist leider nur von vorne bis hinten nach Schema F konzipiert. Da nützt es auch nichts, dass die beiden Antagonisten von so versierten Mimen wie Jeffrey Wright und Christian Bale dargestellt werden. Obwohl der Film nun mittlerweile schon zwanzig Jahre auf dem Buckel hat, ist das "Black Lives Matter"-Thema immer noch von höchster Brisanz und gesellschaftlicher Relevanz. Aber auch bei diesem Aspekt kratzt Shaft nur an der Oberfläche und ruht sich nur auf alltbekannten Strickmustern und Klischees aus. Was bleibt ist leicht konsumierbare Unterhaltung ohne großen Erinnerungswert. Eine "einmal gesehen und schon wieder vergessen"-Angelegenheit.

S.W.A.T.
Ein weiteres Remake einer bekannten US-Serie aus den Siebziger Jahren, die um die Arbeit einer Spezialeinheit kreist. Erneut mit Vielfilmer Samuel L. Jackson als Lead-Actor, der auch schon lange vor den Marvel-Filmen solche Rollen als Polizist oder erfahrener alter Hase bzw. Lehrmeister schon in den 2000er Jahren dutzendfach wegspielte. Damals wurde mir der Film von allen Seiten als supergeniales Must-See ans Herz gelegt, aber der Streifen sprach mich so wenig an, dass ich anno 2003 den Weg ins Lichtspielhaus dann doch nicht antrat. 17 Jahre erfolgte nun die Erstsichtung und ich muss sagen, ich bereue meine damalige Entscheidung nicht im geringsten. S.W.A.T. ist ein ziemlich durschnittlicher bis fader Action-Kracher ohne große Wendungen oder Spannungsmomente. Darf man von der Story, die um einen Drogenbaron kreist, der zu einem Bundesgefängnis überführt werden soll und der demjenigen, der ihn unterwegs befreit, 100 Millionen $ Cash verspricht, schon nicht allzu viel erwarten, wurde das Ganze auch noch erstaunlich uninspiriert und öde in Szene gesetzt. Neben Jackson sieht man Colin Farrell und Michelle Rodriguez als Mitglieder des S.W.A.T.-Teams, die ihre Parts auch nur standardisiert herunterspielen. Als Bösewichter agieren Olivier Martinez und Jeremy Renner stereotyp, ohne ihre schauspielerischen Fähigkeiten groß ausschöpfen zu müssen. Wie sich die Zeiten ändern. Seinerzeit ein knalliger Blockbuster-Actionfilm, würde ein solcher Streifen in der überschaubar ambitionierten Machart heute wohl Direct-To-DVD veröffentlicht werden.

Scarface
Es ist bisweilen durchaus wohltuend festzustellen, dass als 'narrensicher' abgespeicherte Klassiker nichts von ihrer magischen Wirkung und qualitativen Strahlkraft verloren haben. Gerade bei einem Regisseur wie Brian De Palma ist das nicht gerade selbstverständlich; hat mich doch der gesamte jüngere Output dieses einst so überdurschnittlichen Filmemachers durchweg enttäuscht. Von der stilistischen Klasse von Streifen wie Blow Out, Dressed To Kill oder Carlito's Way sind sämtliche De Plama-Werke dieses Jahrtausends leider meilenweit entfernt. Umso schöner, dass das Remake des Howard Hawks-Originals von 1932 – neben The Untouchables der Mafia-Film des Regisseurs – wieder vollauf zu überzeugen wusste. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gangster-Filmen spielt Scarface tatsächlich in seiner entstehungsgeschichtlichen Gegenwart und wurde nicht in die große Periode der amerikanischen Mob-Kriminalität, die sich von den 20er bis zu den 50er Jahren erstreckte, zurückverlegt. Neben der durchweg souveränen Besetzung und dem passgenauen Drehbuch von Oliver Stone ist die Tagesaktualität ein großer Pluspunkt des Streifens.
Al Pacino, die blutjungen Damen Michelle Pfeiffer und Mary Elizabeth Mastrantonio, Steven Bauer, Robert Loggia, F. Murray Abraham und Paul Shenar spielen exzellent auf. De Palma inszeniert die Geschichte des Mafiosos, der sich von der Straße bis an die Spitze des Syndikats hochmordet und am Ende doch wieder alles verliert, durchgehend intensiv und situativ spannend und Giorgio Moroder liefert die passenden Klänge dazu. Im Gesamtbild empfinde ich die Mafia-Epen von Francis Ford Coppola, Sergio Leone und Martin Scorsese dann aber doch als noch stimmiger und perfekter. Scarface ist bei allen Meriten zudem ein wenig zu lang geraten. Man kann es schon als ein wenig nachteilig bezeichnen, dass die Storyline des fantastischen Ursprungsfilms aus den Dreißiger Jahren auf die doppelte Laufzeit gestreckt wurde. Aber das ist zweifellos Jammern auf sehr hohem Niveau. Pacinos große One-Man-Show ist noch immer eines der gelungensten Werke aus der nun schon über ein halbes Jahrhundert andauernden Karriere von Brian De Palma.
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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Scarpine« (25. Juli 2020, 22:02)


Mister Bond

Felix Leiter

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1 005

Sonntag, 26. Juli 2020, 12:28

Dann hoffe ich mal, dass es von Scarface nicht die 3 Sat Ausstrahlung am Freitag war 8o
Carlito's Way bleibt aber mein De Palma Favorit. Der ist dramaturgisch, schauspielerisch erste Sahne und wird immer wieder leicht unterschätzt.
Mission: Impossible (1996) war wohl der letzte De Palma Kracher, leider. Was er davor alles gemacht hat:
Carrie, Teufelskreis Alpha (The Fury), Dressed To Kill, Blow Up, Scarface, Der Tod kommt zweimal (Bodydouble), The Untouchables, Die Verdammten des Krieges, Carlito's Way und eben Mission: Impossible.

Scarpine

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1 006

Sonntag, 26. Juli 2020, 15:01

Dann hoffe ich mal, dass es von Scarface nicht die 3 Sat Ausstrahlung am Freitag war 8o
Carlito's Way bleibt aber mein De Palma Favorit.
Ich habe gerade mal nachgesehen, der lief ja tatsächlich im TV... Komischer Zufall. Die beiden angesprochenen Samuel L. Jackson-Filme hatte ich in der Tat im Fernsehen geschaut (kommt selten genug vor). Läuft ja wirklich kaum etwas Interessantes auf dem Flimmerbildschirm. Scarface aber auf DVD. War das die TV-Fassung, wo man unter anderem die erste Drogendealer-Schießerei so zerschnitten hat, dass man gar nicht versteht, wieso die Passanten am Ende so schockiert sind (Pacino tötet den Kolumbianer auf offener Straße)? Bei der war ich vor ein paar Jahren auch mal beim Zappen hängengeblieben; die ist echt nicht zu empfehlen. Carlito's Way finde ich aber auch etwas unterbewertet. Zusammen mit The Untouchables mein Favorit von De Palma.
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Mister Bond

Felix Leiter

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1 007

Montag, 27. Juli 2020, 10:50

Die TV-Fassung von 3sat basierte auf den FSK 16 cut. Die hat es aber in sich, ist nämlich um ganze 15 Minuten gekürzt!!! :bamm: Sicherlich ist Scarface von den großen Gangsterfilmen schon der am wenigsten zimperliche, aber alles andere als ein Splatterfest. Selbst die Kettensägenszene hat einen härteren Ruf, als die Szene im Endeffekt zeigt.
Dabei ist der Film seit der neuen DVD/BD Ausgabe von 2012 ja nicht mehr indiziert. Sprich ab 23 Uhr darf man den uncut zeigen. Schade, eigentlich habe ich 3sat ja als einen der besseren Sender auf dem Zettel. Genau wie ZDFneo, doch die brachten vor ca. einem halben Jahr das Kunststück fertig Scarface nach 23 Uhr in der völlig massakrierten FSK 16 Fassung auszustrahlen.

schnittberichte.com - FSK 16 Cut

Scarface kann man wohl NUR auf BD/DVD gucken. Netflix leistet sich ja wiederum die Frechheit und zeigt den Film mit dieser Verarsch-Synchro 8|
Ps.: Carlito's Way ist meiner De Palma Nr. 1, The Untouchables meine De Palma Nr. 2 :)

Django

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1 008

Montag, 27. Juli 2020, 11:01

Selbst die Kettensägenszene hat einen härteren Ruf, als die Szene im Endeffekt zeigt.

Stimmt. Sehen tut man nach allzu viel (Explizites). Es ist eher das was man hört bzw. das, was man nicht sieht...

Mister Bond

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1 009

Donnerstag, 30. Juli 2020, 11:46

Da die großen Produktionen ja weiter auf sich warten lassen, gestern im Kino:
Der weiße Hai

Habe mich auch vorher informiert, dass es die originale Kinosynchro war :thumbup: Ich finde es eigentlich nicht schlecht, so manch wirklich alten Klassiker auf der Leinwand bewundern zu dürfen.

Scarpine

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1 010

Dienstag, 11. August 2020, 18:37

Saboteur
Ausführlicher siehe hier.

Soleil rouge
Diesen Streifen von Bond-Regisseur Terence Young hatte ich insgesamt besser in Erinnerung. Leider doch im Gesamtbild ein sehr durschnittliches Werk. Dabei bietet der Clash of Cultures im Wilden Westen eigentlich doch eine breite und reizvolle Projektionsfläche für einen erlesenen Frontier-Reigen. Leider haben die Autoren und die Inszenierung hier wenig Ambitionen über bloße Schauwerte, Klischees und Gags hinauszugehen. Man fragt sich unweigerlich, was wohl andere große Western-Regisseure wie John Ford, Fred Zinnemann oder Sergio Leone aus diesem Stoff gemacht hätten. Ein Samurai in den unzivilisierten USA des Jahres 1870 auf einem selbstmörderischen Rachefeldzug. Der 'Gott' des japanischen Kinos Toshiro Mifune (Shichinin no samurai, Yôjinbô) als Protagonist; Charles Bronson (C'era una volta il West, Death Wish) als sein Rivale mit Heimvorteil. Gemeinsam jagen sie den aalglatten Edelschurken Alain Delon (Il gattopardo, Le samouraï) und seine verschlagene Gangsterbraut Ursula Andress (What's New Pussycat, The Blue Max). Dazu gesellen sich so versierte Darsteller wie Capucine (Song Without End, North To Alaska) und Anthony Dawson (Dial M For Murder, Doctor No) in den Nebenrollen. Die ersten 15 Minuten und das knappe Finale sind durchaus gelungen, aber alles dazwischen gestaltet sich leider weitgehend dröge, langatmig und vorhersehbar; und das ist nun einmal leider der Großteil des Films. Eigentlich schade. Ein Streifen mit diesem Personal vor und hinter der Kamera und dieser eigenwilligen Story-Mischung hätte eigentlich ein Highlight des Genres werden können. Heraus kamen immerhin knapp zwei Stunden solide Unterhaltung.

Double Team
Ein sinnentleerter und völlig ausgeflippter Action-Burner wie ihn eigentlich nur die schrill-bunten Neunziger Jahre hervorbringen konnten. Mit B-Movie-Ikone Jean-Claude Van Damme, dem man eine quälende Viertelstunde bei stumpfen, aberwitzigen Muskelaufbau-Training im schweißtriefenden Video-Clip-Flair zusehen darf. Die Handlung ist natürlich ebenso ein ausgelutschtes Abziehbild wie der gebräunte Action-Adonis nur ein jegliches Charisma vermissender Epigone großer Hollywood-Helden sein kann. Zum Glück nimmt sich die ganze Geschichte nicht überernst. Im optischen Design teils abgefahren und abgedreht, haben die Kolonie-Überwachungstechnologie und Yaz' völlig schrilles Geschäftsumfeld mehr als einen hypermodernen Hauch von Luc Bessons The Fifth Element, der ja im gleichen Jahr herauskam. Es ist diese ganz spezielle Art von obercoolem Science-Fiction-Popcorn-Look im bunten Comic-Bonbon, den man in den Jahren 1996-1998 häufiger antraf und der dann in The Matrix perfektioniert werden sollte. Trotzdem hat das Werk des Hongkong-Filmemachers Hark Tsui auch noch ein paar Schmankerl auf Lager. Zum einen ist die Idee eines ultrageheimen Renter-Refugiums für todgeglaubte, ausrangierte Top-Agenten auf einer entlegenen Insel mit ebenso erfrischendem wie kuriosem Potenzial ausgestattet und zum anderen beinhaltet Van Dammes spektakuläre Flucht von dem Gefängnisheiligtum eine derart huldvoll-unverschämte Hommage an The Living Daylights, die einem Bondfan das breite Grinsen ins Gesicht zaubern muss.
Da sieht man doch immer wieder, was für ein prägende Rolle das Franchise für den Action-Sektor über einen sehr langen Zeitraum hatte. Dennis Rodman ist als Buddy-Sidekick dann auch ein extrovertierter, in alle Farbtöpfe greifender, dauerquatschender Eddie Murphy- oder Chris Tucker-Verschnitt und somit auch eine merkwürdige Parallele zum Luc Besson-Hollywood-A-Trasher mit Bruce Willis. Der Bösewicht, der natürlich nicht weniger als der "gefährlichste Typ aller Zeiten" ist, wurde mit Mickey Rourke passgenau besetzt. Leider ist der Betonschädel - fast ebenso eindrucksvoll muskelbepackt wie Van Damme - aber im Film kaum zu sehen und beglückt den Zuschauer daneben nur mit billigen Sätzen und eingefrorener Mimik. Amüsant ist dagegen das Wiedersehen mit Paul Freeman, des nonchalantesten und besten Indiana Jones-Widersachers. Ansonsten geizt Double Team nicht mit Explosionen, knalligen Stunts und übertriebenen Härten. Dabei wird der Film leider auch mal richtig geschmacklos, wenn Quinn und Stavros eine schreiende Säuglingsstation fast in Schutt und Asche legen. Wie überhaupt auch dieses bedeutungsschwangere Mein Kind-dein Kind-"Mein Baby!"-Schema reichlich naiv, pseudotiefgründig und lächerlich als 'Spannungsmacher' vorgeschoben wird. Als Zeitdokument ist der No-Brainer sicherlich ein Prachtstreifen, aber ansonsten – trotz rund 100 Minuten temporeichem Entertainment – nicht mehr wie eine Sichtung wert. - "Denn Angriff ist die beste Verteidigung, meine Brüder."
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Martin

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1 011

Montag, 17. August 2020, 23:10

In den letzten Tagen mal ein paar Filme aus dem letzten Jahr nachgeholt. Das bietet sich ja an, da das Angebot an neuen Film eher überschaubar ist.

7500
Thriller vom deutschen Regisseur Patrick Vollrath, der damit sein Spielfilmdebüt gab. Der Film spielt komplett im Cockpit eines Verkehrsflugzeugs, das von Berlin nach Paris fliegt. Nach dem Start versuchen Terroristen, das Cockpit zu stürmen und das Flugzeug zu entführen. Mehr will ich gar nicht verraten. Ich fand den Film äußerst spannend und beklemmend, zumal ich eh ziemlich ungern fliege. Vielfach wurde kritisiert, dass die Spannung im dritten Akt zu sehr abfällt, was ich allerdings nicht so bestätigen kann. Allein dadurch, dass sich das gesamte Geschehen sehr realistisch und authentisch anfühlt, ist es enorm spannend. Das ist ähnlich wie bei Gravity. Wenn man merkt, dass die Handlung besonders sorgfältig recherchiert ist, ist das Zuschauen fast von allein interessant, und ich brauche dann nicht alle zehn Minuten eine überkonstruierte Wendung. Unter'm Strich ein fesselndes und teils aufwühlendes Kammerspiel. Einer der wenigen Filme von 2019, die einen wirklichen Eindruck hinterlassen haben.

Joker
Zweite Sichtung nach dem Kinobesuch. Natürlich ist der Film nicht perfekt, und vieles von dem, was ihm vorgeworfen wurde, kann ich schon nachvollziehen. Zum Beispiel die kurzen Rückblenden am Ende, die noch einmal erklären, was der Zuschauer eh schon geahnt hat. Auch als Origin-Geschichte des Jokers innerhalb des Batman-Universums ist das Ganze nicht wirklich stimmig, nicht zulett weil Joaquin Phoenix viel zu alt ist im Vergleich zu Bruce Wayne. (Ein Manko, das auch schon Gotham hatte, in Bezug auf Riddler und Co.) Aber das stört mich insofern nicht, dass der Film auch gar kein minutiöses Puzzleteil dieses Comic-Canons sein will. Und das ist auch gut so, wenn man sich diese Marvel-Wannabe-Filmchen von DC der letzten Zeit so ansieht. Dadurch konnten Todd Philips und Joaquim Phoenix ihren Interpretationen freien Lauf lassen, und der Film ist letztlich auch viel mehr als 'noch ein weiterer Comicfilm'. Ich sehe ihn als eine Version der Ursprünge des Jokers, die wahr sein kann aber auch ebenso gelogen wie die Geschichten, die Heath Leadgers Joker über sich erzählt. Insofern passt die Erzählung an sich zum unzuverlässigen Wahnsinn des Hauptcharakters, was ich als innovativen Ansatz empfinde. Wenn sich Kunst frei machen kann von kommerziellen und erzählerischen Zwängen, kann sie wie eine Antenne die Stimmungen der Zeit einfangen, und teilweise sogar Entwicklungen vorausahnen. Was dem Film aus heutiger Sicht teilweise gelingt, wenn man beispielsweise an die in Gewaltorgien eskalierenden Unruhen denkt.

Jojo Rabbit
Einer der Filme, die in Tradition von Sein oder Nichtsein oder Der große Diktator einen clownesken und eher metaphorischen Blick auf das Dritte Reich werfen. Der Ansatz ist gewagt und mutig, hat aber für mich nicht vollständig funktioniert. Viele Kritiker verglichen den Film mit Das Leben ist schön und nannten ihn konsequenter und besser. Allerdings muss ich sagen, dass mich der Benigni-Film seinerzeit wesentlich mehr beeindruckt und nachdenklich gestimmt hat. Dessen Ansatz, ein clowneskes Element in einer ansonsten eher realistischen Umwelt zu zeigen, funktioniert für mich viel besser, als die gesamte Welt des Protagonisten cartoonhaft zu überzeichnen. Hier fand ich auch den Regisseur in der Rolle des imaginären 'Freundes' nicht so überzeugend. Teilweise wirkte das eher wie die Vision eines Schizophrenen, nicht wie die Einbildung eines Kindes. Ich glaube, bei diesem Thema ist es besser, gängige Klischees durch Recherche zu hinterfragen, als sie einfach neu zusammenzusetzen. Nichtsdestotrotz ist der Wechsel ins Dramatische gegen Ende berührend, und die schauspielerischen Einsätze überzeugen, allen voran natürlich die des jungen Hauptdarsellers.

Martin

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1 012

Mittwoch, 26. August 2020, 02:09

Edison - Ein Leben voller Licht (The Current War, 2017)
Der deutsche Verleihtitel ist hier leider mal wieder ziemlich plump und etwas irreführend. Er erinnert eher an das Edison-Biopic von 1940 mit Spencer Tracy in der Titelrolle. Dabei ist Edison hier weder eine Lichtgestalt noch die Hauptfigur. Sicherlich konnte man den Originaltitel in seiner Doppeldeutigkeit nicht übersetzen, aber gefühlt sagt man so eher das Gegenteil aus.

Der Film setzt ein äußerst spannendes (im buchstäblichen Sinne) und faszinierendes Kapitel der Geschichte verständlich und glaubwürdig um. Benedict Cumberbatch ist wie immer toll, allerdings hat er vom Typ her sehr wenig Ähnlichkeit mit dem realen Edison, und er ist auch ein bisschen 'typecasted' als schrulliges Genie à la Sherlock oder 'Imitation Game'. Michael Shannon als Westinghouse, Nicholas Hoult als Tesla sowie Katherine Waterston und Tuppence Middleton sind auch sehr gut und Schauspieler, die ich eh sehr schätze.

Die Bildsprache ist zum Teil sehr schön, andererseits fand ich die Entscheidung, einen Großteil der Aufnahmen als deutlich erkennbare Weitwinkelaufnahmen aus Froschperspektive zu filmen, ein bisschen zu forciert. Das hat einen leider immer wieder ein bisschen aus der Handlung herausgeholt.

Der Film ist aus dem Jahr 2017, ist bei uns aber erst jetzt im Kino zu sehen. Ich bin sehr gespannt auf Tesla, der ein ähnliches Thema hat und mit Ethan Hawke als Tesla und Kyle MacLachlan als Edison sehr interessant besetzt ist.

Mister Bond

Felix Leiter

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1 013

Freitag, 28. August 2020, 01:36

An Sir Sean Connerys 90. Geburtstag:

Die Strohpuppe
Diesen Film sah ich zuletzt in den 90ern oder vielleicht Anfang 2000er. Aus Neugier habe ich mal gegooglet und tatsächlich lief dieser schöne Streifen zum letzten Mal 2008 im Free TV!!!
So etwas kotzt mich auch an, wenn ich sehe, wie häufig manche Filme wiederholt werden und andere in Vergessenheit geraten, dank der Fantasielosigkeit der TV Anstalten. Wann liefen zum Beispiel das letzte Mal Hitchcocks "Ich beichte" oder "Der falsche Mann"?
Auf jeden Fall konnte ich mich immer noch gut an die Rollen der Lollobrigida und Connerys intensiv manipulationsstarkes Spiel erinnern. Deshalb habe ich letzte Woche doch nicht gezögert und über den tollen Pidax-Verleih (danke an die Aufbereitung einiger "vergessener" Filme und Serien) die Blu-ray Disc gekauft.
Ich wurde auch nicht enttäuscht. Das Bild sieht sehr toll aus, das Anwesen, die Innenausstattung (Ken Adam!), Mallorca. Sean Connery sieht exakt so aus wie in "Liebesgrüße aus Moskau", inklusive Haarschnitt, wurde der Film doch sofort im Anschluss, also 1963, gedreht und kam dann 1964 noch vor "Marnie" und "Goldfinger" in die Kinos.
Vielleicht zieht sich der Film für moderne Augen, aber dank der drei Hauptdarsteller, der Lollo, Sean und Ralph Richardson, war ich immer dabei. Da brauche ich keine Action, die Charaktere faszinieren mich einfach, besonders Sean Connery. Für mich einer seiner besten Rollen. Dieser mondäne Look dazu, da gerate ich ins Schwärmen, daran kann ich mich nie satt sehen.
Die Opening Credits wurden übrigens von Maurice Binder gestaltet. Und auch in den Nebenrollen sieht man einige Gesichter, die in den beiden damailgen großen britischen Serien, "Simon Templar" und "Mit Schirm, Charme und Melone" auftauchten. Der Yacht Kapitän spielte übrigens kurz zuvor den kanadischen Schachspieler MacAdams in FRWL.
Für die deutschen Ohren ist es auch schön G.G. Hoffmann auf Connery zu hören, war es dann in "Marnie" ja einmalig Heinz Drache.

Desweiteren schaute ich:
Presidio
Ja, doch nur Mittelmaß. Connery ist ok, von Jack Warden hätte ich, im Zusammenspiel mit Connery, gerne mehr gesehen. Mark Harmon musste aber erst graue Haare bekommen um interessanter zu wirken. Hier ist er doch eher blass. Dafür ist Meg Ryan süß. Ansonsten ist das Ganze doch relativ altbacken, trotz der nicht allzu langen Spielzeit von 96 Minuten.

Family Business
Fing gut an, aber gegen Ende nervte mich doch Matthew Brodericks (den ich sonst mag) Charakter sehr. Dem hätte ich doch die Ohren langgezogen und mit seinem Gesicht den Fußboden gewischt. Undankbarer Bengel, hat die ganze Idee und zickt noch rum. Frechheit. Armer Dustin Hoffmann, der im Dreierverbund, mit Sean Connery, doch die beste Rolle hat und diese ausfüllt. Die von Connery ist eher klischeebeladen, aber irgendwie schafft es dieser schottsche Haudegen dennoch seine starke Aura auszuspielen.

Django

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1 014

Montag, 31. August 2020, 08:43

So etwas kotzt mich auch an, wenn ich sehe, wie häufig manche Filme wiederholt werden und andere in Vergessenheit geraten, dank der Fantasielosigkeit der TV Anstalten.

Ja, da frage ich mich schon. Teilweise hat man das Gefühl, dass - zumindest bei den Privaten - ein Repertoire von ca. 50 Filmen aus den letzten 20 Jahren in einer Endlos-Wiederholungsschlaufe läuft :S

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1 015

Montag, 31. August 2020, 12:03

Ja, da frage ich mich schon. Teilweise hat man das Gefühl, dass - zumindest bei den Privaten - ein Repertoire von ca. 50 Filmen aus den letzten 20 Jahren in einer Endlos-Wiederholungsschlaufe läuft :S
Die TV-Redaktion eines Senders hat wohl mal auf eine vegleichbare Anfrage eines Zuschauers geantwortet, dass viele alte Filme, Fernsehspiele und Serien (circa vor 1980 entstanden) nicht mehr gesendet würden, weil sie den heutigen Sehgewohnheiten nicht mehr entsprechen würden und dementsprechend bei den Zuschauern auch keine Resonanz mehr fänden. :ka:
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Django

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Montag, 31. August 2020, 21:33

Das mag schon irgendwie sein. Aber es gibt ja nicht bloss auf die Millenials ausgerichtete Privatsender, jedoch sind mittlerweile selbst die öffentlich rechtlichen Sender auf dieser Schiene. Und ich habe echt das Gefühl, dass die "Grenze" bei den meisten Filmen - ausgenommen einige "Klassiker" wie z.B. James Bond, Indiana Jones (vor allem im Falle von "Temple of Doom" natürlich immer bis zur Unkenntlichkeit verschnittstümmelt) oder Spencer/Hill - mittweile eher beim Jahr 2000 als beim Jahr 1980 liegt. Ich will damit nicht sagen, dass die letzten 20 Jahre keine guten Filme hervorgebracht hätten, aber ich finde es irgendwie schon langweilig, wenn gefühlt zu 90% nur noch Filme vom Typ "Romantische Komödie" mit den stets gleichen Schauspielern (Owen Wilson, Ben Stiller, ...) mit dem im Prinzip immer gleichen, vorhersehbaren Grundplot in der Glotze laufen. Es wäre mir aber sogar noch egal, wenn dazwischen zur Abwechslung mal wieder ein 1970er oder 1980er-Jahre "Kultfim" laufen würde. Aber das ist leider extrem selten geworden ;(

Django

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Montag, 31. August 2020, 21:34

Edit: Aufgrund eines Systemfehlers(?) generierter Doppelpost gelöscht

Mister Bond

Felix Leiter

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Donnerstag, 10. September 2020, 21:38

Diese modernen Sehgewohnheiten :thumbdown:
Deshalb gibt es auch teils unnötige Neuauflagen. Egal ob Biene Maja, Wickie oder die neuen Hercule Poirot Filme (Tod auf dem Nil folgt) mit Kenneth Branagh, die ja eigentlich nur der modernen Optik dienen und sonst nichts.


Aber ganz so einfach ist das nicht., Auch ganz alte Filme werden häufig wiederholt. Die Hitchcock Filme mit James Stewart, Marnie, Die Vögel, Psy<cho oder Frenzy liefen in den letzten zehn Jahren rauf und runter.
"Der unsichtbare Dritte" hingegen nach Weihnachten 2018 zur Primetime auf Arte das erste Mal seit Dezember 2011 (ARD). Der TV Spielfilm sei dieser Info dank.
Immerhin lief "Der unsichtbare Dritte" dann tatsächlich zu Ostern 2019 und am 31.04.2020 auf Sat.1 Gold. Einmal auch zur Primetime, das andere Mal weit nach Mitternacht nach "Das Fenster zum Hof" und "Psycho", die eben viel mehr Wiederholungen im Free-TV aufzuweisen haben.
Wie ich schon erwähnte, "Die Strohpuppe" lief ewig nicht, oder De Palmas "Teufelskreis Alpha" mit Kirk Douglas und John Cassavetes. Oder was ist mit den Hitchcock Werken "Der falsche Mann" (Henry Fonda), "Ich beichte" (Montgomery Clift) oder "Die rote Lola" (Marlene Dietrich).
Wie gesagt, man schöpft häufig nur aus einem Topf. Und "Der unsichtbare Dritte", so wie "Die Strohpuppe" haben ja eine HD-Auswertung erhalten, Hitch's Film ja schon 2009, immer ein Grund für dei TV-Anstalten dies dann auch häufiger zu präsentieren.

Ps.:
Bei Serien ist es auch so.
Sat.1 Gold wiederholt Dr. Quinn, Unsere kleine Farm und Ein Engel auf Erden in Dauerschleife. Mittlerweile wieder die dritte Wiederholung in Folge, also ohne Pause!
One macht dies mit Hart aber Herzlich und Drei Engel für Charlie. Erst lief ersteres zweimal hintereinander, dann die Engel, dann wieder Hart aber herzlich, dann lief mal kurz was anderes, dann wieder die Engel und demnächst wieder Hart aber herzlich.
Das A-Team mittlerweile auf Nitro, auch die dritte Wiederholung hintereinander.
Als wenn damals nichts anderes produziert wurde :pinch:

Martin

Felix Leiter

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Donnerstag, 24. September 2020, 05:44

Passend zum Tod von Michael Gwisdek:

Traumfabrik (Martin Schreier, 2019)
Im Kino leider verpasst letztes Jahr. Grundsätzlich haben bei mir deutsche Filme einen großen Bonus, die große und klassische Unterhaltung ohne den üblichen erhobenen Zeigefinger bieten wollen. Im großen und ganzen ist das Jungregisseur Martin Schreier hier wirklich gut gelungen. Die Idee einer Hommage an das Studio Babelsberg im Rahmen einer Lovestory hat durchaus einen Reiz. Gwisdek ist in einer Rahmenhandlung als ältere Version des Hauptdarstellers zu sehen. Kritikpunkte gibt es aber auch ein paar. Wie bei vielen romantischen Filmen wirken einige Szenenideen wie Versatzstücke aus Genreklassikern. Vor allem "Titanic" ist in der einen oder anderen Form präsent. Und wie üblich bei Filmen über Filmproduktion wird ein romantisch verzerrtes Bild derselben geliefert, das den Filmbetrieb als eine Art magischen Zirkus darstellt. Da werden Szenen beispielsweise ohne Schnitte komplett mit Filmmusik am Stück gedreht. Aber da der ganze Film sich mit einem großen Augenzwinkern präsentiert, kann man darüber hinwegsehen.

Clever ist, dass sich der Film auf das Studio in der Nachkriegszeit konzentriert, und die wirklich große Zeit in den 20ern nicht zeigt. Tatsächlich waren damals einige französische Filmstars in dem Defa-Studio tätig, etwa für die Co-Produktion "Die Hexen von Salem". So kritisch gegenüber der Politik dort, wie im Film dargestellt, waren sie allerdings nicht, eher im Gegenteil. Das Ensemble ist solide, heraus sticht vor allem Emilia Schüle, für die der Film auch geschrieben wurde. Zu sehen ist auch Nikolai Kinsky, der Sohn vom großen Klaus. Vor allem gegen Ende gelingen dem Film wirklich einige magische Momente.


Ansonsten noch zwei Thriller-Klassiker:

Das Haus der Lady Alquist (Gaslight, 1944)
Zweite und berühmteste Verfilmung des erfolgreichen Theaterstücks, dessen clevere Geschichte unter dem Begriff Gaslighting in die Psychologie eingegangen ist. 1960 gab es sogar eine deutsche Verfilmung fürs Fernsehen mit Dieter Borsche und Margot Trooger. Ingrid Bergman bekam für diese Rolle verdient einen Oscar. Insgesamt eine zeitlos gelungene Thrillerverfilmung.

Mitternachtsspitzen (Midnight Lace, 1960)
Im Prinzip eine zeitgenössische Version von Gaslight. Den Film hatte ich in jungen Jahren mal im Fernsehen gesehen und als sehr spannend und gruselig in Erinnerung. Wie das oft so ist, hatte ich erwartet, dass er dieser Erinnerung aus heutiger Sicht nicht mehr gerecht wird. Aber er hat in der Hinsicht doch sehr positiv überrascht. Die Story ist clever aufgebaut und überzeugt auch bei heutigen Sehgewohnheiten durch geschickt gelegte falsche Fährten. Doris Day bietet hier eine phantastische Leistung. Wahrscheinlich die beste ihrer Karriere, die mindestens einer Oscarnominierung würdig gewesen wäre. Sie steigerte sich so in ihre Darstellung hinein, dass sie einen Nervenzusammenbruch erlitt und danach nur noch Komödien spielte. Sie ist hier ebenso attraktiv wie glaubwürdig. Schade, dass sie als Darstellerin seinerzeit immer wegen ihres biederen Image gehänselt wurde. Rex Harrison ist ebenfalls großartig. In einer Nebenrolle ist der verhinderte Bond John Gavin zu sehen, der eine gute Figur macht.

Ein immer noch sehenswerter Thriller, auch wenn man recht deutlich den angestrebten Hitchcockstil merkt. Der Trailer übernahm sogar die Idee von Psycho, den Zuschauer zum rechtzeitigen Erscheinen im Kino zu ermahnen. Aus heutiger Sicht hätte man vielleicht bei dem an sich sehr schönen Finale spannungstechnisch noch mehr rausholen können.

Seltsamerweise hatte ich es so in Erinnerung, dass man die Stimme aus dem Telefon im Film hört, was aber nicht der Fall ist. Das ist ein interessantes Phänomen, dass man oft Szenen falsch erinnert. Bei Bond gibt es da ja das berühmt-berüchtigte Beispiel mit der nicht vorhandenen Spange bei Dolly in MR.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Martin« (24. September 2020, 06:09)


Mister Bond

Felix Leiter

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Heute, 11:38

"Das Haus der Lady Alquist" muss ich echt mal gucken. Ich glaube einmal vor knapp 20 Jahren, da lief der im WDR, habe ich hatte da nicht die volle Konzentration.
"Mitternachtsspitzen" sah ich bereits in den 80ern (ARD) und der hat mich echt gepackt. Auch so eine Art Hitchcock Film und gut besetzt. Zuletzt sah ich "Mitternachtsspitzen" vor knapp 2 Jahren.