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Maibaum

00-Agent

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21

Samstag, 16. August 2014, 12:29

Für mich ist Vertigo auch nicht der Beste, einfach weil mich andere mehr faszinieren, aber er hat bei mir zumindest im Laufe der Jahre beständig hinzu gewonnen, und es ist im Prinzip leicht zu sehen wo die Faszination liegt die der Film auf viele ausübt.

Außerdem ist Vertigo ja bei der letzten Sight and Sound Umfrage nach dem besten Film aller Zeiten auch auf Platz 1 vorgerückt. So daß man zumindest sagen kann, daß solche Aussagen nicht aus der Luft gegriffen sind. Vertigo ist einfach bei Filmkennern ein sehr geschätzter Film, was nicht heißt daß das für jeden nachvollziehbar sein muß. Vertigo schlecht zu finden ist auch mit der S&S Adelung nach wie vor möglich.

Überraschend allerdings ist daß JackStraw Vertigo trotz "nie und nimmer" auf Platz 4 hat. Dann muß er ja zumindest auch für ihn zu Hitchs Besten gehören.

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22

Samstag, 16. August 2014, 12:51

Das ist auch durchaus der Fall. Trotzdem kann sich VERTIGO mMn. weder in seinem Einfluss noch in seinem reinen Unterhaltungswert mit PSYCHO, NBNW, REAR WINDOW oder auch BIRDS messen. Die Liste sind meine Favoriten und da schneidet VERTIGO nicht schlecht ab, auch wenn ich drei andere Hitchcocks wesentlich lieber sehe.

Mister Bond

Felix Leiter

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23

Samstag, 16. August 2014, 23:11

Vertigo zählte bis 2008 für mich zu den eher langweiligeren Hitchcock-Filmen, weil ich zuvor nicht das Kunstwewrk erkennen konnte.
Seitdem gehört Vertigo für mich klar zu Hitchs besten Filmen, insgesamt mag ich aber drei Hitchcock-Filme noch etwas mehr.

Interessanterweise schaue ich mir in den letzten Wochen die ersten drei Hitchcock/Stewart-Filme auf BD an. Vertigo soll Montag folgen.

Mister Bond

Felix Leiter

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24

Dienstag, 19. August 2014, 23:27

So, nun habe ich mir die Blu-rays angeschaut:
Cocktail für eine Leiche
Verlor nun minimal, wobei das Thema für mich immer noch grandios gewählt ist. James Stewart macht seine Sache gut, ist sein Professor doch nicht ganz unschuldig an das Verhalten der beiden Täter.
Allerdings stechen für mich Farley Granger als unsicherer Philip und vor allem John Dall als sehr selbstsicherer Brandon heraus. Macht mir schon eine Freude zuzuschauen, wie herrlich Selbstbewusst und Arrogant er auftritt.
Auf BD gibt es übrigens die Wiedergefundene Erstsynchro von 1963, welche aber auch die letzten Male im TV lief. Auch wenn ich die von 1984 gut fand, eine weise Entscheidung.
Bildtechnisch ist der Film auch auf hohem Niveau, wenn auch nicht ganz spitzenklasse.
Als Extras gibt es ein Making of, sowie Trailer und Marketingfotos.


Das Fenster zum Hof
Jimmy Stewarts Lieblings-Hitchcock und lange Zeit auch meiner. Wurde aber in letzter Zeit von einigen überholt. James Stewarts Charakter ist hier natürlich noch wichtiger als in "Cocktail für eine Leiche": Den aus Neugier, Langeweile und Verletzung zum Voyeur getriebenen, aber nicht unsympathischen Charakter.
Grace Kelly ist natürlich eine Augenweide. Edith Head, die für 11 Hitchcocks Zuständig für die Garderobe war, wusste insbesondere Sie einzukleiden. Im Vorhof, in der alle bürgerlich aussehen und Stewarts Charakter eh zum Pyjama Tragen verdonnert wurde, stechen ihre Roben heraus.
Hier gibt es die wohl einzige erhältliche Synchro von 1984, in der ja trotzdem Siegmar Schneider den Stewart spricht. Er klingt stimmlich natürlich älter als in den 50ern, dennoch die beste Wahl.
Bildtechnisch top! Bonusmaterial gibt es hier, wen wunderst, auch reichlich. Außer dem Making Of, noch einiges zu Hitchcock. Fast 3 Stunden Extras.


Der Mann, der zuviel wusste
Für mich ein sehr unterschätzter Hitchcock. Denn der Meister macht hier alles richtig oder sogar besser. Endlich arbeitet auch Komponist Bernard Herrmann für Hitch. Die Musik wird allerdings erst sparsam eingesetzt, damit sie zum grandiosen "Vor"finale in der Royal Albert Hall endlich ihren Höhepunkt erreichen kann.
Damit wären wir auch bei der Ausstattung und beim Setting. Selten sah ein Hitchcock-Film besser oder opulenter aus. Für mich wird dieser nur von zwei anderen Hitchcocks, nämlich "Vertigo" und "Der unsichtbare Dritte" getoppt. Eventuell noch "Marnie".
Von Marrakesch, über die kleinen Gassen Londons und der Royal Albert Hall bis zum Finale in der Botschaft. Wunderbar. Zum Beispiel die langsam herausschauende Pistole in der Royal Albert Hall, welche erstmal seitlich hinter dem Vorhang heraustritt und dann Richtung Kamera, Zuschauer dreht, dazu Herrmanns Komposition und die Farben.
Doris Day steht Jimmy Stewart darstellerisch in keiner Weise nach, dazu darf Sie auch ihren größten musikalischen Triumph zum Besten geben, welcher sogar essentiell für das Finale ist.
Anders als bei den anderen drei Hitchcock/Stewart Filmen gab und gibt es für diesen Film immer nur die originale Erstsynchro von 1956.
Bild ist ebenfalls sehr gut, beinahe hervorragend, wenn ich in ein paar Szenen nicht ein leichtes farbliches Flackern entnommen hätte.
Bonusmaterial: Leider etwas weniger als bei "Das Fenster zum Hof", ähnlich wie bei "Cocktail für eine Leiche". Auch deshalb ein für mich unterschätzter Hitchcock.


Vertigo
So, nun das Kunstwerk, welches es für mich ist. Und das ist er leider auch erst seit einigen Jahren, vor 2007 oder 2008 hatte ich nie sonderlich Lust diesen Film zu sehen. Für mich, da es keinen "offensichtlichen" Mord gibt, halt Hitchcock-Untypisch. Auf diesen Film muss man sich einlassen, denn Plottechnisch und wie sich die Charaktere entwickeln, wohl tatsächlich Hitchcocks wichtigster Film. Dazu spielt James Stewart hier hervorragend. Eines seiner besten Leistungen, denn sein Charakter John "Scotty" Ferguson gibt einiges her.
So ist er nicht nur Beobachter und Beschützer im Auftrag eines alten Schulfreundes, sondern die Faszination zu Kim Novaks Charakter Madeleine, macht aus ihm einen Stalker.
Nachdem er, sie sich verlieben, macht das tragische Schicksal aus ihm einen Wrack, welcher wieder Hoffnung schöpft als er Madeleines Ebenbild Judy trifft.
Und wieder ist sein Charakter nicht der ganz Liebe, denn aus schon "krankhafter" Liebe versucht er aus Judy seine verflossene Liebe zu schaffen.
Die Zuschauer wissen natürlich dabei, was es mit Judy wirklich auf sich hat, doch es war Hitchcocks ausdrücklicher Wunsch, diese Wendung nicht ganz für das Finale aufzuheben, damit sich nun jeder fragt, kommt Ferguson dahinter? Wie wird er dann reagieren.
Edith Head weiß wieder die Stars einzukleiden, gerade Madeleines graues Outfit ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Films. Bernard Herrmann schuf hier vielleicht sogar seinen besten Score.
Und Saul Bass, der hier erstmals bei einem Hitchcock für die Main Title zuständig war, schuf, für meine Augen, sogar den besten Main Title in der Filmgeschichte. Zusammen mit Herrmanns hypnotischer Musik und gerade dem Entstehungsjahr, ein Meisterstück.
Unvergessen und eine optische Brillianz ist auch Fergusons Alptraumszene.
Zusammen mit "Der unsichtbare Dritte" ragt hier sowie so jedes einzelne Bild heraus. Die Farbwahl, die Kameraaufnahmen, beispielsweise als nach Madeleines Sturz die Kirche von oben gezeigt wird, auf der einen Seite der Priester und die Nonnen die heraneilen, auf der anderen, der "flüchtende" Ferguson.
Da es von diesem Film nicht mehr die Erstsynchro von 1958 gibt, wurde erstmals seit 1997 wieder die zweite von 1984 eingesetzt, eben mit Siegmar Schneider statt Solbach auf Jimmy Stewart.
Für meine Ohren klingt Schneider hier auch etwas agiler als in "Das Fenster zum Hof".
Bildtechnisch, bis auf zwei kleine Unschärfen: Top. Die Friedhofsszene ist übrigens absichtlich etwas milchig, neblig dargestellt. Es wurde so aufgenommen, habe ich auf der DVD nur nie so vermerkt.
Bonusmaterial: Reichlich! Wieder über zwei Stunden. Zum Making Of gibt es Extras über Hitchcocks wichtigste Mitarbeiter: Komponist Herrmann, Titeldesinger Saul Bass, Kostümdesignerin Edith Head und seine Frau, Alma Hitchcock.
Ebenfalls nicht uninteressant, dass Vera Miles schon für die Rolle der Madeleine/Judy gecastet wurde und es sogar Fotos von ihr im Madeleine Outfit gibt. Sie musste aber wegen ihrer plötzlichen Schwangerschaft absagen. So gibt Kim Novak eine der schönsten und geheimnisvollsten Hitchcock Ladys ab.


Folglich gibt es eine aktuelle Top 10 aus meiner Sicht:

1. Der unsichtbare Dritte (1959)
2. Psycho (1960)
3. Vertigo (1958 )
4. Der Mann, der zuviel wusste (1956)
5. Das Fenster zum Hof (1954)
6. Cocktail für eine Leiche (1948 )
7. Im Schatten des Zweifels (1943)
8. Frenzy (1972)
9. Die Vögel (1963)
10. Ein Fremder im Zug (1952)

Unverkennbar, dass die 50er dominieren.

Martin

Felix Leiter

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25

Montag, 25. Juli 2016, 03:17

Da ich mir letztens diese sehr schöne Box geleistet habe, werde ich immer mal ein paar Eindrücke dazu schildern.

Marnie (1964)
Der Film hat leider mit die schlechteste Qualität aller Filme der Box. Das Bild ist ziemlich rauschig. Ich hatte ihn auch als eines von Hitchs nicht ganz so guten Werken in Erinnerung, aber ich muss sagen, dass er mir diesmal sehr gut gefiel. Connery spielt hier erstaunlich gefühlvoll, ein Kontrast zu seiner Bonddarstellung aus der Zeit. Tippi Hedren ist zwar rein optisch nicht meine Lieblingsblondine, aber sie beeindruckt durch ihre Darstellung der psychisch komplexen Protagonistin.

Der Film ist aus dem gleichen jahr wie Goldfinger und weist einige interessante Parallelen auf. Große Teile der Handlung spielen auf einem Gestüt in den Staaten. Und Sean Connery versucht, eine kriminelle Blondine, die es auf einen Tresor abgesehen und mit Männern nicht viel am Hut hat, auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Was er nach einigen gewaltsam wirkenden Annäherungsversuchen natürlich auch schafft.

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26

Montag, 25. Juli 2016, 05:39

@Martin: Diese Goldfinger-Parallelen sind mir früher nie aufgefallen. Wirklich interessant!
Ich müsste dem Film vielleicht mal wieder eine Chance geben - mich hat die Synchronisation Connerys durch Heinz Drache immer sehr gestört.
Nun gut, man kann ja immer noch auf den OT ausweichen...
Dennoch empfinde ich das Verhalten des Protagonisten als fragwürdig (seltsamerweise stört es mich bei Bond aber nicht...): Er benutzt die Tatsache, seine Angestellte juristisch in der Hand zu haben um sie zu einer Liaison zu zwingen. Es sieht einfach schlechter aus: Er erwischt seine Angestellte beim Klauen und, um einer Anzeige zu entgehen, muss sie ihn heiraten.
In Goldfinger ist Miss Galore diejenige, die Bond angreift - alles weitere, könnte man sagen, hat sie sich selbst zuzuschreiben. Aber möglicherweise verzeihe ich Bond mehr, weil ich weiß, dass er keine ernsthaften Absichten hat...?!
God save the Queen!

Martin

Felix Leiter

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27

Montag, 8. August 2016, 00:02

@Mr. Fogg: Stimmt schon, dadurch büßt sein Charakter schon etwas an Sympathie ein. Wahrscheinlich steht dahinter noch der altmodische Gedanke, eine Frau durch eine Heirat unter die Fittiche zu nehmen und ihre gesellschaftliche Stellung zu verbessern, etc. Aber ich finde, Connery schafft es, dass man es ihm nicht übelnimmt. Es wirkt ein bisschen jungenhaft, er hat sich in sie verliebt und es sich eben in den Kopf gesetzt, sie zu heiraten.

Letztens hab ich mir mal das Making-of angesehen, und das Krasse ist, dass Rutland im Roman Marnie in der Hochzeitsnacht sogar vergewaltigt. Hitchcock wollte diese Szene allen Ernstes in den Film übernehmen und feuerte sogar den Drehbuchautoren, weil er sich dagegen aussprach. Ich denke, das hätte die Bekehrung von Pussy in GF noch weit in den Schatten gestellt. Hitchcock war der Meinung, dass man es einem Filmstar wie Connery im Lauf des Films verzeihen würde, eben weil er ein Star ist. Ursprünglich sollte auch Grace Kelly die Hauptrolle spielen.

Was ich an dem Film aber wirklich beeindruckend finde, ist die Schlusszene, als Marnie und ihre Mutter brutal mit der Vergangenheit konfrontiert werden. Hier zeigt sich Hitchs absolute Meisterschaft in Inszenierung und Schauspielführung. Interessanterweise tut Connery ihr auch hier Gewalt an, wenn auch in seelischer Form, und zwingt sie zu etwas, was ihr zutiefst widerstrebt, aber es wirkt positiv, weil er sie damit von ihren Zwangsneurosen befreit.

Probier es doch mal mit der OT. Connerys breiter schottischer Dialekt in einer amerikanischen Rolle ist sicher leichter zu tolerieren. :)

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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28

Montag, 8. August 2016, 08:47

Ich empfand "Marnie" als einen der schwächeren Filme Hitchs. Dsa Psychoduell hätte noch mehr auf die Spitze getrieben werden können. Zudem wirkt die Optik teils recht altbacken (z.B. das gemalte Bild vom Hafen im Hintergrund beim Haus von Marnies Mutter).

Ich habe noch längst nicht alle Filme von Hitchcock gesehen, aber hier mal meine Reihenfolge der Filme, die ich gesehen habe:

1. Der unsichtbare Dritte
2. Psycho
3. Die Vögel
4. Der Mann, der zu viel wusste
5. Cocktail für eine Leiche
6.Das Fenster zum Hof
7. Vertigo
8. Frenzy
9. Marnie
10. Topas
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Scarpine

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Dienstag, 11. August 2020, 18:09

Saboteur

"When you think about it, Mr. Kane, the competence of totalitarian nations is much higher than ours. They get things done."

Bei Saboteur handelt es sich um einen der frühen Filme von Sir Alfred Hitchcock aus seiner amerikanischen Periode. Man kann das Werk sicherlich als einen jener Propaganda-Streifen begreifen, die die amerikanische Bevölkerung vor der faschistischen Gefahr im Inland und Ausland sensibilisieren und mobilisieren sollten. Aber Saboteur ist diesbezüglich doch eigentlich wenig ideologisch eingestellt, sondern mehr eine allgemeine Parabel über faschistoiden Größenwahn und in all seinen Ingredienzien ein typischer Hitchcock-Film. Von Deutschen oder Nazis ist innerhalb der Handlung nie die Rede. Vielmehr geht es um Landesverräter und die Gefährdung der inneren Sicherheit. Machthungrige Sympathisanten und Profiteure, die durch Sabotage-Akte auf wichtige amerikanische Militär- und Industrieziele den ursurpatorischen Entwicklungen in Europa weiter Vorschub leisten und in der Folge einen eigenen totalitären, rechten Terrorstaat auf dem amerikanischen Kontinent errichten wollen. Auch wenn Saboteur unterschwellig dieses große moralische Anliegen hat, ist das Werk doch zugleich ein lupenreiner Thriller, indem ein Paar verzweifelt versucht, ihre eigene kleine Welt und das junge gemeinsame Glück gegen böse Mächte zu verteidigen.

Saboteur erweist sich in seiner filmischen Struktur fast durchweg als Vorläufer von North By Northwest. Ein Briefumschlag, der eine fatale Kettenreaktion in Gang setzt, die zwei Liebenden, die sich erst zusammenraufen müssen, das Unterwandern einer kriminellen Vereinigung, der Bösewicht ein Gentleman der feinen Gesellschaft, das Motiv des unschuldig Verfolgten, eine Reise quer durch die USA von der Westküste an die Ostküste, ein packendes Finale auf einer bildlichen wie baulichen Ikone der uramerikanischen Identität. Von den ständigen Steigerungen von North By Northwest ist Saboteur natürlich aufgrund seiner Entstehungszeit noch eine ganze Ecke entfernt. Dennoch bietet der Streifen jede Menge Atmosphäre und Spannung und gibt mit seinen 109 Minuten Laufzeit reichlich Raum, die Protagonisten kennenzulernen. Hitchcock selbst bekannte später kritisch, dass es dem Film ein wenig an Zielgerichtetheit und Tempo mangele. Dem kann man durchaus zustimmen. Auch wenn es sehr reizvoll ist, Barry Kanes Flucht und die Gefahr ständiger Entdeckung auf den Beifahrersitz eines gesprächigen Lastwagenfahrers, in die Hütte eines Blinden, in den Schaustellerwagen einer Zirkustruppe oder in eine Geisterstadt in der Wüste zu folgen, ziehen sich diese Sequenzen doch partiell zu sehr, wodurch die Geschichte immer mal wieder an Stringenz einbüßt. Dennoch überwiegt insgesamt das Positive und dem Master of Suspense gelingen mit so einfachen Dingen wie einem Brief, einem Feuerlöscher, blinkenden Handschellen oder einem Ballsaal bedrückende Szenen voller inszenatorischer Dichte und packendem Nervenkitzel.

Tatsächlich liegen die Längen auch ein wenig an den beiden Hauptdarstellern. Hitchcock wollte ursprünglich Gary Cooper und Barbara Stanwyck, aber Robert Cummings und Priscilla Lane wurden ihm von Universal vorgeschrieben. Auf der einen Seite wirken Cummings und Lane schon ein wenig farblos, andererseits stellen sie solche Alltagstypen dar, dass der Zuschauer glaubhaft mit ihnen mitfiebern kann. Man nimmt den beiden Darstellern ab, brave Zivilisten zu sein, die per Zufall in diese Situation geraten und an ihr wachsen. Bei den Nebendarstellern können erwartungsgemäß die Gegenspieler Eindruck hinterlassen, auch wenn eigentlich keiner der Antagonisten so richtig heraussticht, sondern sie eher als ein verschworenes und beinahe unüberwindbares Kollektiv erscheinen. Mit treu ergebener Diabolik winden sich Alan Baxter und Ian Wolfe durch ihre Szenen. Als schmierigen Strippenzieher hat man Otto Kruger wirklich treffsicher besetzt, auch wenn Hitchcock hier auch ursprünglich vorschwebte – wegen der Schockwirkung – keinen auf Schurken abonierten Akteur zu nehmen, sondern einen seinerzeit populären amerikanischen Schauspieler mit Saubermann-Image wie Harry Carey. Der vierte Mann im Bunde ist Norman Lloyd, der als linkisch-verschlagener Dunkelmann, den der Held wiedertreffen muss, trotz überschaubarer Präsenz die maßgebliche Triebfeder innerhalb der Story ist. Summa summarum ist Saboteur ein gelungener Thriller und einer der besseren Filme des Altmeisters.
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Scarpine« (13. August 2020, 11:05)


Martin

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30

Freitag, 14. August 2020, 01:00

Saboteur werde ich mir wahrscheinlich noch ansehen, immerhin war ja heute der Geburtstag des Altmeisters. Zu dem Anlass hatte ich auch mal einen Beitrag über den geplanten letzten Film von Hitch geschrieben, für den er nochmal mit Connery zusammenarbeiten wollte. Die nicht realisierten Projekte sind teilweise ein spannendes Kapitel für sich.

Ansonsten hatte ich mich in letzter Zeit mal mit den späteren Filmen beschäftigt:

Der zerrissene Vorhang (Torn Certain, 1966)
Ähnlich wie Marnie wurde der von Publikum und Kritik eher verhalten aufgenommen. Das Problem mit den vorgeschriebenen Darstellern, dass er schon bei Saboteur hatte, gab es hier auch wieder in Form von Paul Newman und Julie Andrews. Attraktive Hollywoodstars sind häufig nicht sonderlich glaubwürdig als Top-Wissenschaftler, und das nicht erst seit Denise Richards. Die Atomphysik-Koriphäe nimmt man Newman nicht so richtig ab, obwohl sein Schauspiel schon gut ist. Auch Andrews ist an sich eine faszinierende Schauspielerin. Richtig toll sind die deutschen Akteure, wie Günther Strack oder Hansjörg Felmy. Überdurchschnittlich überzeugend ist Wolfgang Kieling als Stasi-Agent, der Newman in die Bredouille bringt und dann einfach nicht sterben will.

Der ganz große Wurf ist der Film sicherlich nicht, aber beiweitem auch kein Totalausfall. Die Mordszene ist typisch Hitchcock, und auch die Busszene gegen Ende ist sehr spannend. Der ostdeutsche Hintergrund ist zurätzlich interessant.

Topaz (1969)
Hitchs zweiter Ausflug in die Welten der Spionage im Kalten Krieg, der wie schon Torn Certain nicht wirklich gut ankam. Es fehlen hier vor allem die Hitchcock-typischen Stars. Alle Rollen sind eher mit Akteuren aus der B-Riege besetzt, dazu kommt noch, dass es keinen echten Hauptdarsteller gibt, sondern der Film eher episodenhaft wirkt. Von der Handlung her ist es vielleicht Hitchcocks komplexester Film. Neben einer Vielzahl von Akteuren wechselt die Handlung auch fast um den kompletten Globus, von Kopenhagen über Wiesbaden nach Washington und dann nach Kuba. Aber auch hier gibt es typische Szenen, allen voran natürlich die Todesszene von Karin Dor. Aber auch die mutwillig zerschellende Porzellanfigur eines Liebespaares am Anfang ist eine schöne Metapher für den weiteren Film, in dem es zahlreiche unglückliche Paarungen gibt, die die Akteure für das große Spionagespiel opfern müssen.

Im Gegensatz zu Torn Certain, bei dem Kopenhagen und Berlin hauptsächlich aus Establishing Shots und Kulissenbauten bestanden, agieren die Darsteller hier mehr vor Ort. Die Darsteller sind durchweg überzeugend. Karin Dor liefert eine beeindruckende Leistung ab, ebenso John Vernon.

Familiengrab (Family Plot, 1976)
Ähnlich wie der Vorgänger Frenzy ist der Film von schwarzem, sarkastischem Humor geprägt. Insgesamt einer von Hitchs Filmen, die mich etwas weniger überzeugen. Auch hier konnte er nicht mit den Stars zusammenarbeiten, die er haben wollte, wie Burt Reynolds oder Al Pacino. Aber die zweite Riege, inklusive Bruce Dern, Karen Black oder William Devane, macht ihre Sache doch recht gut. Nach seiner TV-Serie Alfred Hitchcock presents arbeitete Hitch viel mit dessen Team zusammen, das aufgrund seiner desolaten Gesundheit viel selbstständig arbeiten musste. Das sieht man dem Film meiner Ansicht nach leider auch ein bisschen an, der insgesamt ein bisschen Fernsehfilm-artig wirkt. Teilweise sind die Zufälle haarsträubend, etwa wenn ausgerechnet der Pfarrer gekidnappt wird, den das kriminelle Paar gerade befragen will, aber da der ganze Film sehr überspitzt ist, fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Am Ende hätte man spannungstechnisch noch mehr herausholen können.

Aber auch hier würde ich sagen, dass es ein sehenswerter, in sich stimmiger Film ist.


Anbei eine Top 20:

1) Vertigo
2) Das Fenster zum Hof
3) Cocktail für eine Leiche
4) Psycho
5) Der Mann, der zuviel wusste (1956)
6) Ich kämpfe um dich
7) Der falsche Mann
8 ) Im Schatten des Zweifels
9) Rebecca
10) Die 39 Stufen

11) Bei Anruf Mord
12) Das Rettungsboot
13) Die Vögel
14) Berüchtigt
15) Saboteur
16) Eine Dame verschindet
17) Der Fremde im Zug
18 ) Frenzy
19 ) Verdacht
20) Der zerrissene Vorhang

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Martin« (14. August 2020, 01:30)


Scarpine

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Samstag, 15. August 2020, 11:55

Sehr spannende Ausführungen, lieber Martin! :)

Besonders dein Blog-Eintrag zu Hitchcocks geplantem letzten Film hat mir sehr viel Freude bereitet. Mit Plakat-Motiven und Location-Fotos entsteht sofort ein visuelles Bild vor dem geistigen Auge, wie dieses finale Werk des Altmeisters wohl ausgesehen haben könnte. Ich bin durch Saboteur auch wieder auf den Geschmack gekommen und richtig "gehitcht", weshalb ich auch weitere Sichtungen für die nächsten Wochen plane. Mit neuem Filmfutter wie unter anderem ja auch No Time To Die ist es nun mal immer noch ein bisschen hin. Und die pandemischen Entwicklungen bleiben auch dynamisch und unvorhersehbar...

Zunächst stehen jedoch noch die Reviews zu ein paar anderen Filmen an, die ich in den vergangenen Wochen erneut gesehen habe. Auch hier hatten wir wohl den gleichen Gedanken... ;)
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Scarpine« (15. August 2020, 20:42)