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Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Mittwoch, 5. Juni 2013, 09:04

DER FILM: Casino Royale (1954)

In diesen Thread bitte alles rund um den TV-Bond von 1954 mit Barry Nelson als Jimmy Bond.

[img]http://cf2.imgobject.com/t/p/original/8TuXmrS7pkvuHqER0xSJd6OtW4V.jpg[/img]

Hier der alte Thread im archivierten razyboard.

Und hier die neuesten Beiträge von dort:

Zitat von »DrShatterhand«

Der Thread hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, ebenso wie die Einträge zu CR 54. Ich habe mir den Film vor ein paar Jahren auch zugelegt. Hier ist eine Inhaltsangabe, damit alle auf Stand sind:

1954 wurde im Rahmen der amerikanischen TV-Serie "Climax!" die erste Verfilmung von "Casino Royale" ausgestrahlt. Barry Nelson verkörpert Jimmy Bond, Peter Lorre spielt Le Chiffre und Linda Christian spielt Valerie Mathis, quasi das Bond-Girl in diesem Film.

Der Plot folgt dem Roman recht genau, aber es gibt Abweichungen. Bonds Genitalbehandlung mit einem Teppichklopfer braucht man nicht zu erwarten. Dafür geht Le Chiffre mit einer Zange an Bonds Zehen `ran. Auch nicht schlecht!

Jimmy Bond fährt nach Monte Carlo ins Casino Royale. Dort trifft er seine Kontaktperson, Clarence Leiter vom britischen Secret Service. Bond erhält den Auftrag, Le Chiffre beim Baccarat-Spiel zu schlagen. Le Chiffre, der für die Sowjetunion arbeitet, hat Gelder veruntreut und muss 80 Millionen Francs gewinnen, sonst ist er in Schwierigkeiten. Bond wird auch von Valerie Mathis beobachtet, die für Le Chiffre arbeitet.

Auf Le Chiffres Anweisung sucht sie Bond in seinem Hotel auf und versucht, von ihm zu erfahren, was sein Plan ist. Bond weiß, daß sie von Le Chiffre kommt und sein Zimmer verwanzt ist, aber er spielt mit. Valerie teilt ihm mit, daß sie sich sicher ist, daß Le Chiffre Bond töten lässt, wenn das nötig ist.

Am folgenden Abend versucht man, Bond vom Spiel abzuhalten. Einer von Le Chiffres Leuten versucht, Bonds Spieleinsatz zu stehlen, was misslingt. Vor dem Beginn des Spiels erhält Bond einen Anruf; Valerie stirbt, wenn er spielt. Bond ignoriert dies und spielt. Le Chiffre scheint das bessere Ende für sich zu haben, denn er gewinnt. Kurz bevor Bonds Geld alle ist, erhält er einen Umschlag, der Geld und eine Nachricht enthält; Valerie hat ihm das Geld zur Verfügung gestellt. Plötzlich um 35 Millionen Francs reicher, legt Bond los und gewinnt gegen Le Chiffre, der plötzlich mit leeren Händen da steht.

Valerie verschwindet, und Leiter nimmt die Suche auf. Bond tauscht das Geld gegen einen Scheck ein, den er hinter der Nummer an seiner Zimmertür versteckt. Valerie erscheint bei ihm, wird aber von Le Chiffre und einem seiner Männer verfolgt. Le Chiffre bedroht Valeries Leben und verlangt den Scheck.

Le Chiffre beginnt, Bond im Badezimmer zu foltern (siehe oben); Valerie, die sich als Agentin des Deuxieme Bureau entpuppt, kann es nicht mehr mit ansehen und sagt Le Chiffre, daß sie Bond mit einem Schraubenzieher gesehen hat. Le Chiffre kommt darauf, wo der Scheck ist, und verlässt das Badezimmer. Valerie und Bond sind allein und suchen nach einer Möglichkeit, sich zu befreien; sie finden eine in Form einer Rasierklinge, die sich in Le Chiffres Zigarettenetui befindet, das noch im Badezimmer ist. Bond erledigt Le Chiffres Mann und geht ins Wohnzimmer, wo Le Chiffre den Scheck findet. Bond schießt auf Le Chiffre, wird aber selbst auch von Le Chiffre angeschossen. Le Chiffre stürzt sich auf seinen Hut, wo er noch eine Rasierklinge versteckt hat, und -

Da endet der Film. Die letzte Minute oder so fehlt. Man kann aber davon ausgehen, daß Bond am Ende Le Chiffre tötet und selbst am Leben bleibt. Die Verfilmung hat definitiv ihren Reiz, obwohl sie irgendwie aus der Reihe tanzt, wenn man sie mit den anderen Romanverfilmungen vergleicht. Ein Moderator macht sich sogar die Mühe, den Zuschauern das Baccarat-Spiel zu erklären, bevor die eigentliche Verfilmung losgeht.


Zitat von »Django«

Zitat von »DrShatterhand«


Der Plot folgt dem Roman recht genau

Nun ja - also wenn ich Deine Inhaltsangabe so lese... Da sind doch elementare Punkte völlig entstellt worden.


Zitat von »Spree«

Bist du sicher, dass Bond von Anfang an über Valerie Bescheid weiß??? Dachte nicht, dass das anders wäre, hab diesen Schmus aber auch schon lange nicht mehr gesehen. Da war nur Lorre groß.


Zitat von »DrShatterhand«

Zitat von »Django«


Zitat von »DrShatterhand«


Der Plot folgt dem Roman recht genau

Nun ja - also wenn ich Deine Inhaltsangabe so lese... Da sind doch elementare Punkte völlig entstellt worden.




Ich gebe Dir im nachhinein recht, ich habe den Roman erst wieder gelesen, nachdem ich diesen Film gesehen hatte, und ich habe da eher nach Gedächtnis geurteilt. Von "recht genau folgen" kann man in der Tat nicht wirklich sprechen. Was man dem Film aber durchaus zugute halten kann, ist, daß der grundsätzliche Plot nicht verändert wurde, sogar das Attentat auf Bond ist drin.


Zitat von »DrShatterhand«

Zitat von »Spree«


Bist du sicher, dass Bond von Anfang an über Valerie Bescheid weiß??? Dachte nicht, dass das anders wäre, hab diesen Schmus aber auch schon lange nicht mehr gesehen. Da war nur Lorre groß.


Ich weiß es nicht so genau, mir scheint, das ist so eines der Logiklöcher, die dem Zuschauer "reingewürgt" werden. In knapp 60 Minuten TV-Show dieser Zeit ist das allerdings nichts ungewöhnliches, finde ich.


Zitat von »Maibaum«

Hier ist ein YouTube Link für den der Lust drauf hat:

http://www.youtube.com/watch?v=cYhQqTAG … re=related

Das ist der erste Teil, aber die anderen müssten sich problemlos finden lassen.


Zitat von »Maibaum«

Die erste Bond Verfilmung hat natürlich mit den späteren Bond Filmen nur wenig zu tun. Und wäre ansonsten wohl auch trotz Peter Lorre längst vergessen.
Ein weiterer etwas prominenter Name ist immerhin mit Charles Bennett ein Drehbuchautor der an etlichen der besten Hitchcocks mitgearbeitet hat (z.B. Die 39 Stufen).
Während Lorre als Le Chiffre zu überzeugen weiß ist der Bond Darsteller Barry Nelson eher farblos.

Die Geschichte bedient sich zwar bei Fleming, ist aber nicht wirklich nah am Roman was die Atmosphäre betrifft, während die Handlung für die wenigen Schauplätze und die kurze Laufzeit stark verkürzt wurde.
Enthält aber durchaus bemerkenswert eine fürs damalige TV brutale Folterszene. Und es taucht immerhin schon ein Gadget auf: Die Schurken besitzen einen Schirm mit dem man schießen kann.

Aber dafür dass CR fürs TV gemacht wurde ist er technisch erstaunlich gut gemacht verglichen mit dem meisten TV Kram den ich aus den 60gern kenne. Teuer war der komplett im Studio gedrehte Film natürlich nicht. Er sollte ja auch nicht mehr als eine Stunde US TV füllen, die auch noch 2 Werbeunterbrechungen enthalten.
Nach Live TV sieht das eigentlich gar nicht aus, dafür wird zu viel geschnitten und die Kamerabewegungen sehen nach normaler Inszenierung aus. Außerdem waren bei Live Fernsehen eigentlich keine Kopien vorhanden da ja eben direkt gesendet und nicht aufgezeichnet wurde.

Alles in allem keine große Sache, aber mit 5/10 wäre es nicht einmal der schwächste Bond für mich.


Zitat von »Feirefiz«

Zitat von »Maibaum«


weiß ist der Bond Darsteller Barry Nelson eher farblos.


Das ist m.E. der Punkt. Ist zwar schon ein wenig her, dass ich CR '54 gesehen habe, aber nach meiner Erinnerung ist weder das mangelnde Budget noch die kurze Laufzeit oder gar die sonstige Besetzung das eigentliche Problem, sondern eben Barry Nelson. Es hätte gar nicht eines Kalibers wie Connery bedurft (und diesen Maßstab anzulegen wäre auch unfair), um den Film funktionieren zu lassen, aber Nelson wirkt eben eher wie ein stämmiger Konfirmand und nicht wie ein souveräner Agent. CR '54 ist der einzige Bond-Film, in dem Leiter cooler ist als Bond (was in der Bond-Welt schon wieder Sinn macht, denn schließlich ist Leiter hier der Engländer), und bereits deshalb kommt der Film über den Status "interessantes Zeitdokument" nicht hinaus. Immerhin: Ganz unterhaltsam ist er.


Weitere Meinungen zur ersten Bond-Verfilmung?
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Rico Royale

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2

Mittwoch, 27. November 2013, 18:31

Der Film ist momentan wieder zu haben, allerdings für einen stolzen Preis.


http://www.amazon.de/Casino-royale-Impor…f_tit_1_rdssss0

Da ich diese Version besitze, kann ich sagen dass sich die französischen Untertitel leider nicht ausstellen lassen.
Agent 007030

Maibaum

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Mittwoch, 27. November 2013, 19:56

Ach, den kann man doch auf Youtube schauen. Das ist mehr als ausreichend.

Moperman

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Mittwoch, 27. November 2013, 20:32

Ach, den kann man doch auf Youtube schauen. Das ist mehr als ausreichend.
Manche würden gar behaupten, dass selbst das schon des Guten zu viel ist. :D

DanielWroughtonCraig

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5

Mittwoch, 27. November 2013, 20:41

Ach, den kann man doch auf Youtube schauen. Das ist mehr als ausreichend.
Manche würden gar behaupten, dass selbst das schon des Guten zu viel ist. :D

So ist es! :D
Der größte Sondermüll der jemals auf Zelluloid gebannt wurde. Halt! CR 67 gehört auch noch dazu! :wut:

Maibaum

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Mittwoch, 27. November 2013, 20:46

Immerhin unterhaltsamer als MR. ;)

... und evtl. niemals mit Zelluloid in Berührung gekommen

Spree

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Donnerstag, 28. November 2013, 10:42

Immerhin unterhaltsamer als MR. ;)
:devil: :devil: :devil:
I never left!

Maibaum

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8

Donnerstag, 7. August 2014, 21:26

Hier noch mal ein aktueller Youtube Link:

https://www.youtube.com/watch?v=yhVebRzRKGY

Diesmal sogar komplett, also mit dem eigentlichen Ende, das auf den meisten Fassungen warumauchimmer fehlt. Möglicherweise weil die Bildqualität davon noch schlechter ist.

Es gibt auch eine DVD, die aber auch nur VHS Qualität hat. Wenn überhaupt ...

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Donnerstag, 7. August 2014, 21:45

Dir sei gedankt, Maibaum! Habe bisher keineswegs eine Uncut-Fassung entdeckt gehabt, lediglich "verstümmelte Videos". Drum bin ich sehr erfreut darüber...

PS: Im Ausland existiert auch eine Blu-Ray, welche wie ich glaube aus dem United Kingdom stammt, die aber womöglich ebenfalls geschnitten ist (?)
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Scarpine

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Donnerstag, 23. Juli 2020, 01:00

James Bond 007: Casino Royale

Bond Marathon # 00…27; Originaltitel: Climax! - Casino Royale, USA 1954, Regie: William H. Brown Jr., Drehbuch: Antony Ellis und Charles Bennett nach dem Roman von Ian Fleming, Darsteller: Barry Nelson, Peter Lorre, Linda Christian, Michael Pate, Eugene Borden, Jean Del Val, Gene Roth, Kurt Katch, Herman Belmonte, Joe Gilbert, Frank McLure, Hans Moebus, Cosmo Sardo u. a., Premiere: 21. Oktober 1954

Zitat von »James Bond 007: Casino Royale«

James "Jimmy" Bond, ein Agent des "Combined Intelligence" gerät beim Betreten des Casino Royale in einen Schusswechsel. Das Attentat auf ihn misslingt. Im Casino trifft der scheindige Amerikaner auf seinen britischen Verbindungsmann Clarence Leiter. Bond soll im Auftrag seiner Vorgesetzten Baccarat spielen. Leiter liefert ihm die Details. Die Zielperson ist ein Mann, der nur als Le Chiffre bekannt ist und für die Sowjetunion arbeitet. Der Agent soll den Schurken beim Kartenspiel finanziell ruinieren, damit dessen Geheimdienst-Offiziere ihn fallen lassen. Bond trifft auf Valerie Mathis, seine bezaubernde, aber auch verschlagene Ex-Freundin. Sie ist jetzt die Geliebte seines Gegenspielers. Kurz darauf lernt Jimmy den Spieler Le Chiffre auch persönlich kennen. Am Baccart-Tisch geht es hoch her und das Glück wechselt mehrmals die Seiten. Schließlich gelingt es Bond den Sowjetspion zu besiegen. Le Chiffre verliert 87 Millionen Franc und scheint am Ende. Als der Geheimagent zurück in sein Hotelzimmer kommt, konfrontiert ihn Le Chiffre mit seinen Bodyguards. Er und Valerie, die Le Chiffre aber bereits als Mitarbeiterin des Deuxième Bureau enttarnt hat, sind den Verbrechern hilflos ausgeliefert...

Mit der anderen Verfilmung des Casino Royale-Stoffes gehört dieser wenig beachtete Streifen zu den Kuriositäten den cineastischen Nullnullsieben. Selbst große Teile des eingefleischten Fandoms interessieren sich kaum für diese beiden Werke – von Gelegenheitskonsumenten ganz zu schweigen. Durchaus zurecht, sind sie doch - anders als Never Say Never Again - in jeglicher Hinsicht a-typisch geraten. Kann man Casino Royale'67 zumindest als Kino-und Star-Film klassifizieren, mutet die erste Verfilmung eines Bond-Romans fast schon prähistorisch an. Ian Fleming selbst soll von dieser Adaption nicht begeistert gewesen sein, was man angesichts der hehren Qualitätsansprüche des Schriftstellers gut nachvollziehen kann. Dennoch wird der Lebemann zumindest in finanzieller Hinsicht nicht gänzlich unfroh über den Fernsehfilm gewesen sein, scheiterten doch alle weiteren Verfilmungsvorhaben seiner Bücher in den Jahren danach, bis Anfang der Sechziger Jahre sich die beiden Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli zusammentaten. In Casino Royale'54 kann man den Geist des flemingschen Doppel-Null-Agenten schon durchaus erkennen, auch wenn einiges den amerikanischen Sehgewohnheiten und TV-Standards angepasst wurde. Freilich darf man bei einem Budget von nur 25.000 Dollar keine großen Schauwerte erwarten. Aber mit gut aufgelegten Schauspielern und einer soliden Inszenierung kann der Streifen als Miniatur-Bond für die Bildschirmröhre auch heute noch überzeugen.

Wenn es eine große Stärke gibt, die die CBS-Version des ersten Bondromans auszeichnet, dann ist es auf jeden Fall die Darstellerriege, deren einzelne Ensemblemitglieder durchweg zu ihren jeweiligen Charakteren passen. Barry Nelson, der oft als eine Art 'Milchbubi-Bogart' von den amerikanischen Kritikern verrissen wurde, hat die etwas undankbare Aufgabe, einer Figur Leben einzuhauchen, die heute - 67 Jahre nach ihrer Entstehung - ein Mythos ist. Das konnten seinerzeit aber weder Nelson, noch die Macher erahnen. Er selbst gestand Jahrzehnte später die Rolle im Script als eine Art seelenlose Hülle empfunden und sich mit ihr sehr unwohl gefühlt zu haben. Tatsächlich wirkt Nelson als Jimmy Bond immer ein wenig ungelenk und hölzern. Das fällt aber kaum ins Gewicht, da der Schauspieler in seinen Mitspielern kompetente Partner findet und in den entscheidenden Momenten wie dem Baccart-Duell überzeugen kann. Nelson hat seinen Beitrag zum filmischen 007 später immer nüchtern gesehen und sagte sinngemäß, dass Sean Connery James Bond zu einer Ikone gemacht habe, während er nur der "Agent Jimmy" in einer Fernsehfolge war. Exzellent besetzt sind vor allem Michael Pate und Linda Christian, die als Verbündeter und als Love-Interest doppelbödig agieren und einen professionellen Glanz ausstrahlen. Der Clou des Werks ist aber der legendäre Peter Lorre, der einst durch M zu einem Weltstar avancierte. Dieser große, kleine Mann ist unbestritten einer der bedeutendsten Mimen der Filmgeschichte. Sein Gesicht war wie geschaffen für Verbrecher, für Unholde, für Mörder. So ist es auch kein Wunder, dass Lorre Casino Royale'54 fast im Alleingang trägt. Auch wenn die Rolle hier bei weitem nicht so gut geschrieben ist, wie 52 Jahre später für Mads Mikkelsen, holt Lorre das Maximum aus ihr heraus; weshalb die Kamera immer wieder in reizvollen Großaufnahmen auf seinem verschlagenen Gesicht verweilt. Auch im Moment der Niederlage gibt der Spieler Le Chiffre nicht auf und zieht sein letztes Ass aus dem Ärmel bzw. aus der Hutkrempe. Eine gelungene Vorstellung des Schauspielers, der sich in einer so kleinen Produktion die Ehre gibt. Viele Bondfans hätten wohl auch nichts dagegen gehabt, hätte Eon Productions Limited die Serie schon 1961 mit Casino Royale und Peter Lorre als Gegenspieler von Sean Connery gestartet.

In der Konzeption und der Inszenierung kann der Streifen als episodisches Drei-Akt-Fernsehspiel natürlich nur einen gewissen Standard bedienen. Beim Script, für das sich unter anderem der Hitchcock-Autor Charles Bennett verantwortlich zeichnet, fallen natürlich die Amerikanismen negativ auf. Bond als US-Agent, Leiter als britischer Kontaktmann und die Figuren Vesper Lynd und René Mathis hat man schlicht zu "Valerie Mathis" verschmolzen. Ansonsten hält sich das Drehbuch aber – vor allem in einigen Details – enger an die Vorlage als die späteren Verfilmungen. Sicherlich verzichtet man fast komplett auf den SMERSH-Apparat als Strippenzieher und auf das kompromisslose Ende, aber das ist der TV-Episoden-Struktur geschuldet und beinhaltet immerhin den Bonus, dass Le Chiffre einen denkwürdigeren Abgang hinlegen darf. Interessanterweise spielt der Agent hier noch tatsächlich Baccart um Franc-Beträge, weshalb die Hintergründe dem amerikanischen Zuseher noch leichtfüßig erklärt werden. Kurioserweise ist man dann in der traditionsreichen Eon-Serie der Versuchung erlegen, Bond um Millionen-Dollar-Summen pokern zu lassen. Auch wenn das dem temporären, medialen Event-Poker-Hype geschuldet sein mag, bleibt der US-Krimi hier näher am Original. Ansonsten ist es eben sehr bedauerlich, dass das Werk heute leider nur noch in einer schlechten technischen Fassung vorliegt. Das ursprüngliche Filmmaterial existiert leider nicht mehr und man muss sich mit einer vom Bildschirm abgefilmten Version begnügen. Bild und Ton sind daher nicht gerade überragend. Es wäre sicherlich interessant gewesen, die originale Filmfassung zu begutachten, da diese mit einem Farbfilm gedreht wurde und den Streifen gewiss etwas frischer hätte wirken lassen. Zum Abschluss muss ich mit einer kleinen Legende aufräumen: In vielen Quellen und Bondbüchern ist von dem berüchtigten Filmfehler zu lesen, dass der tote Peter Lorre on-screen wieder auf(er)steht. In keiner mir bekannten Fassung des Barry Nelson-Bonds ist eine solche Einstellung enthalten. Ein amerikanischer Journalist hat herausgefunden, dass dieser Fauxpas in keiner zeitgenössischen Besprechung des Films erwähnt wird, sondern dieser mit einer anderen Episode der Reihe "Climax!" in Verbindung steht. Aber das darf den Franchise-Fan ja nicht verwundern, manifestieren sich solche Anekdoten doch immer dann, wenn - wie mit dem Charakter James Bond - 007 - ein Mythos aus der Taufe gehoben wird. Sind Legenden erst in der Welt...

Stunde Null für Nullnullsieben – Aber Casino Royale'54 ist besser als sein Ruf. Als Bondfilm innerhalb der großen Serienkonkurrenz natürlich unterdurschnittlich, bleibt das Werk aber dennoch ein spannendes, einstündiges Fernseh-Kammerspiel. Irgendwo zwischen Film Noir, Hard Boiled-Thriller, Edgar Wallace-Krimi und Alfred Hitchcock Presents verortet, bringt der "Climax!"-Streifen 007 erstmals mit dem Medium Film in Kontakt und adaptiert den ersten Bond-Roman Ian Flemings auf recht gelungene Art und Weise. Keine Sternstunde der TV-Geschichte, aber ein beachtenswerter Rohling, der das bondsche Leinwandphänomen, das mit Doctor No beginnen sollte, in Nuancen vorwegnahm.

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