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Martin

Felix Leiter

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Montag, 14. Oktober 2019, 04:56

Joker (Todd Phillips, 2019)
Eins der wenigen Highlights dieses Jahr, auf die ich mich wirklich gefreut habe. Und bei denen man irgendwie schon vorher wusste, dass man sie mögen wird. Der Film hat eigentlich alles, was es dazu braucht. Joaquin Phoenix sehe ich ausgesprochen gern, ich mag den Batman-Kosmos und den Joker (mein einziger großer Berührungspunkt mit dieser Art Comic) und nicht zuletzt die New-Hollywood-Atmosphäre des New Yorks der Siebziger und frühen Achtziger, und Underdog-Stories. Wobei diese Elemente wohl auch nicht zufällig so ausgewählt wurden. Dabei liegt mir Batman aber auch nicht so am Herzen, dass mich die Abweichungen und künstlerischen Freiheiten stören, im Gegenteil. Obwohl DC nicht gerade für ihr weitsichtiges und überragendes Management bekannt sind, so mag ich ihre Kreationen unterm Strich doch wesentlich mehr als das penetrant-omnipräsente Marvel. Marvel mag die höhere Durchschnitts-Qualität haben, aber wenn DC mal große Würfe gelingen - wie mit Nolans Dark-Knight-Trilogie und jetzt Joker - dann erreichen sie Sphären, von denen Marvel nur träumt. Ich kann mir zu keinem Marvelschurken einen Film vorstellen, der den Goldenen Löwen von Venedig abräumt. Dafür sind die Figuren dort noch viel zu sehr in ihren kindlich-schlichten Ursprüngen verhaftet - was andererseits aber sicher auch den Zuschauererfolg vor allem in den USA erklärt.

Man kann dem Film sicherlich vorwerfen, dass er sich relativ eindeutig an Klassikern wie Taxi Diver oder King of Comedy orientiert - nicht zuletzt durch De Niro selbst. Genau das machen ja jetzt auch viele Feuilletonisten, nachdem Regisseur Phillips eine überempfindliche Atmosphäre in der Comedyszene kritisiert hat. Andererseits waren die Filme dieser Ära eben wirklich herausragend, und ich glaube, viele Zuschauer wünscht sich langsam diese Art Film zurück. In diesem Sinne könnte man sich darüber streiten, ob der Hype um den Film ein Indiz dafür ist, dass der "Superheldenfilm" erwachsen geworden ist und ernstgenommen wird, aber ob sich das Publikum wieder nach anspruchsvollen Eventfilmen sehnt, die sozialkritische Themen aufgreifen. Der Film schafft den Spagat zwischen diesen beiden Erwartungen außerordentlich gut.

Joaqin Phoenix ist phantastisch. Wie immer, möchte man fast sagen. In Bezug auf die Gewalt hatte ich schlimmeres erwartet, vor allem durch Meldungen von Zuschauern, die während der Vorstellung raus mussten. Der Film hat schon explizite Szenen, aber ich würde behaupten, der aktuelle Rambo ist da wesentlich härter. Die Atmosphäre und das kontroverse Kultpotential des Films erinnert ein bisschen an Fight Club, der vor genau 20 Jahren ähnliche Diskussionen auslöste. Insgesamt funktioniert der Film auch erstaunlich gut für ein Publikum, dass mit Superheldencomics nichts anfangen kann, und überhaupt kein Vorwissen mitbringt. (Hier hab ich auch mal einen Artikel zum Thema geschrieben)

Mister Bond

Felix Leiter

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942

Montag, 14. Oktober 2019, 23:48

Das Problem liegt sicherlich daran, dass DC oder das DCEU bei den Nolan Filmen noch gar nicht das große Sagen hatte. Da war WB das große Studio und Nolan konnte, Gott sei dank, seine Vision durchführen.
"Man of Steel" ist ja der erste richtige Film unter DCs Fittiche und seitdem ist es ein hin und her. Übel kann man denen schon nehmen, dass die gar nicht wissen, was sie mit den bei den größten Superhelden überhaupt, Batman und Superman, anfangen sollen. So hat Affleck ausgedient, man dreht mit Robert Pattinson nächstes Jahr eine neue Batman Reihe.
Henry Cavill? Der arme Bursche soll seinen Cape freiwillig abgeben und die Bond-Rolle annehmen :) Unglaublich, dass man Wonder Woman 2 abdrehte, Aquaman 2 plant, Shazam, aber nicht weiß was man weiter mit Suppes machen soll. Justice League, begonnen, Post Credit Scene gespoilert (Lex Luthor und Deathstroke!!!) und wird nix draus.
"Joker" ist ja nun auch so ein Projekt, was man abseits des DCEU Kosmos schuf und ich hoffe Matt Reeves wird mit Pattinson und seinen neuen Batman Filmen auch für sich stehen.
Diese ganzen Verbindungen/Crossover etc., wie bei MCU nerven nur noch.


Ps.:
Zur Härte, Joker (FSK 16) mit Rambo: Last Blood (FSK 18 ) vergleichen? Also wirklich :D

Martin

Felix Leiter

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943

Dienstag, 15. Oktober 2019, 22:42

Diese ganzen Verbindungen/Crossover etc., wie bei MCU nerven nur noch.


Sehe ich auch so, wobei das Problem sicherlich auch schon zu den Comic-Vorlagen zurückreicht. Ich finde es grundsätzlich keine gute Idee, Batman mit echten Superhelden zusammen auftreten zu lassen. Es heißt dann immer "Hey, er hat zwar nix an Superkräften, aber er ist ein guter Ermittler und so." Für mich nimmt das aber immer einen erheblichen Teil der Faszination von Batman weg. Seine Gegner können gerne Science-Fiction-Elemente haben, wie Mr. Freeze, Man-Bat etc., aber er sollte wie Bond der einzige Held in seiner Welt sein. Wobei solche Sachen in den Comics auch noch besser funktionieren, weil da teilweise auch verschiedene Universen gleichzeitig laufen und man mehr experimentieren kann. Für die Kinofilme würde ich das lassen.

Ps.:
Zur Härte, Joker (FSK 16) mit Rambo: Last Blood (FSK 18 ) vergleichen? Also wirklich


Okay, das stimmt schon. :D

Mister Bond

Felix Leiter

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944

Samstag, 26. Oktober 2019, 16:17

Ich hatte die letzten 2 1/2 Wochen mal Bock auf einige Klassiker und paar weniger Klassiker.

Alien & Aliens 10/10

Muss man was zu diesen absolut spannenden Kultklassikern sagen? Drehbuch, Darsteller, Effekte, audiovisuell atemberaubend. Außerdem starke, passende Scores von Jerry Goldsmith (Alien) und James Horner (Aliens).
Wollte eigentlich auch Teil 4 und 4 gucken, aber irgendwie habe ich auf alle anderen Alien Filme nicht wirklich Bock...ich muss aber auch gestehen, dass der vielverschmähte Alien: Covenant mich mehr abholte als die Teile 3 und 4.


Zwei glorreiche Halunken mit englischen Ton 10/10
Ich war einfach mal gespannt diesen Film auf englisch zu genießen. Also mit den Originalstimmen der drei Hauptdarsteller. Vor allem Lee van Cleef hat eine kräftige, überzeugende Stimme.
Die meisten coolen Sprüche wurden auch von der deutschen Synchro 1:1 übernommen. Lediglich das mit dem Blitz und kacken oder "nimm einen kräftigen Zug, dann kannst du besser kacken." wird da so nicht gesagt :D


Mission: Impossible Reihe ab Teil 4, da ich Teil 1 und 3 häufiger sah und kein Fan vom zweiten Film bin:

Phantom Protokoll 8/10

Absolut gelungen, aber dennoch bin ich nicht der Meinung vieler, dass dieser Beitrag der beste der Reihe ist. Warum? Schreibe ich gleich.
Bei aller Spielereien und Lust der Darsteller, es fehlt dann doch ein wenig der großkalibrige Bösewicht, die Finesse im Storytelling und Suspense.
Großartig: der Einbruch im Kreml und die komplette Burj Khalifa Sequenz mit Übergabe der Diamanten/Daten und Verfolgung durch die Sandwüste. Das Finale finde ich aber schwächerals in De Palmas ersten Film und beiden direkten Nachfolgern von Phantom Protokoll


Rogue Nation 9/10
Dieser Teil macht schon fast alles richtig. Ich finde den ungemein spannender als Phantom Protokoll und hat mit der Wiener Oper Sequenz einfach ein stilistisches Highlight der Reihe. Das erinnert mich an die guten Bondfilme und Hitchcock zugleich. Atemberaubend Rebecca Ferguson im goldenen Kleid.
Die komplette Marokko Szenerie mit Unterwassertank und der Verfolgungsjagd ist meisterhaft in Szene gesetzt und geizt nicht mit Spannung und Humor. Auch das Finale ist kleverer umgesetzt als das Finale von Phantom Protokoll und Spectre, welchen ich nennen muss, weil dies ja auch in London spielt und es darum geht den Oberbösewicht dingfest zu machen und der Oberbösewicht noch vorher denkt er hält die Zügel fest.

Fallout 10/10
Hat für mich De Palmas ersten Film getoppt. Sah den jetzt zum dritten Mal und mir klappte wieder die Kinnlade auf. Was mich nervt, wenn manche NUR die Action Highlights nennen. Der Film dazert 147 Minuten und bietet mehr als wahnwitzige Stunts. Alle Charaktere agieren auf höchstem Niveau. Cavill ist eine super Ergänzung zu Cruise, Rebecca Fergusons Ilsa Faust ist definitiv neben Ellen Ripley, Sarah Connor und The Bride (Kill Bill) mein weiblicher Lieblingscharakter in Actionfilmen. Vanessa Kirby (White Widow) würde ich gerne als Bondgirl sehen oder Catwoman (diese wird nun aber von Zoe Kravitz verkörpert).
Das Finale...einfach geil. Es kommt echt zu Gute, dass der verrückte Tom alles macht. Die Kamera ist einfach nah dran und zeigt allen Möchtgern Action Fatzkes wie man Axction macht. Nah dran, keine hektischen Schnitte, Übersichtlich...einfach wow.
Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass Fallout für mich auf eine Stufe mit meinen beiden Bondlieblingen "The Spy" und "Goldfinger" steht.


Terminator 10/10
Muss man nix zu sagen. Auch wenn zum Schluss die Stop-Motion-Effekte erkennbar sind, sieht das alles sexier aus als das, was man uns heutzutage auftischen möchte. Gerade diese Stop-Motion-Technik zum Finale gibt dem ganzen nochmal eine unheimliche Präsenz. Und ich möchte Michael Biehn erwähnen, der absolut grandios ist. Schade, dass ihm nach The Terminator und Aliens der ganz große Durchbruch verwehrt wurde. Charismatischer Typ.


Terminator 2 - Tag der Abrechnung 10/10
Braucht man auch nix zu sagen :) Robert Patrick ist ein würdiger Nachfolger als böser Terminator. Arnie, Linda und Edward Furlong...ach ja, da bekommt man Wehmut.


Terminator 3 - Rebellion der Maschinen 7/10

Auch ein Film, den ich verteidigen möchte. Bei langen nicht so innovativ und spannend wie die Vorgänger, aber auch wenn es das Ende von T2 ad absurdum führt, finde ich das Finale von T3 konsequent und düster. Die Actionszenen sind auch noch physisch und machen Laune, vor allem die Verfolgungsjagd inklusive Sattelschlepper.
Was mich aber stört, warum hat man nach Teil 2 den Anfang der Filme nicht mehr nach folgendem Muster durchgeführt:
1) Prolog
2) Main Title mit fantastischen Terminator Theme
Alleine das macht bei Teil 1 und 2 schon gewaltig Bock auf den weiteren Verlauf des Films.
In Teil 3 hören wir dann den Prolog von John Connor, einen Blick in die Zukunft, bis dahin gut aufgebaut...und dann hätte der Main Title kommen müssen. Aber nein, verpasste Chance.

Terminator - Die Erlösung 4/10
Hier ist es wieder: sofort Main Title mit Musik, leider nicht so gut instrumentalisiert wie in den ersten beiden Filmen. Ein toller Prolog fehlt.
Ansonsten hat man sich wohl gedacht, ey, 2007 waren die Transformers ein Riesenerfolg. Lass Skynet mal schnell auch paar Riesen Roboter bauen :bamm:
Die Idee mit der Zukunft und einen Erwachsenen John Connor war gut. Mit Christian Bale holte man einen Topstar und nach Teil 3 war dies auch logisch, aber die Umsetzung...bitte nochmal die Schulbank drücken. Sam Worthingtons Charakter? Wozu? Ach ja, damit er zum Schluss John Connor sein Herz spenden darf. Zudem hat dieser Marcus zu viel Screen Time und man kann sich gar nicht auf John Connor fokussieren.
Die Terminator Einheiten machen auch keine Angst mehr. Ballern sinnlos durch die Gegend und als sie Kyle Reese, Nr. 1 auf deren Todesliste, gefangen nehmen und später auch als Reese identifizieren...ja was machen die eigentlich mit dem? Der T-800 aus Teil 1 und Robert Patricks T-1000 hätten kurzen Prozess mit ihm gemacht.
Der Film bietet keine dummen Witze, aber verpasste Chancen.


Terminator Genisys 5/10

Auch hier, Prolog dieses mal von Kyle Reese, aber wo bleibt der hämmernde Terminatorsound? Langweilig. Die lernen es nicht mehr.
Allerdings macht der Anfang noch Laune und alles im Jahr 1984 spielend. Eine nette Hommage an früher. Aber auch hier frage ich mich, die bösen Terminator killen zwar, aber wenn es darum geht die Hauptprotagonisten zu töten, spielen sie oder zögern...pfff.
Vor allem Kyle Reese, der hatte in Camerons ersten Film im direkten Duell gegen den T-800 einfach keine Chance, wie auch? Nur Dynamit half und er opferte sich selbst. Hier in Genisys besiegt Kyle Reese genau diesen selben T-800 ohne sich opfern zu müssen. Ganz toll.
Und was soll der durch die Luft fliegende gute "alte" T-800? Nach Transformers versucht man sich noch dem MCU und DCEU anzubiedern. Superman lässt grüßen.
Und geht es dann ins Jahr 2017, kann der Film nicht mehr auf eigenen Beinen stehen. Auch hier ist der böse Terminator (schön damals im Trailer gespoilert) eher das Gegenteil von bedrohlich. Der labert T-800, Sarah und Kyle Reese lieber tot.
Arnie finde ich aber super,auch wenn man drehbuchtechnisch paar Kalauer hätte rausnehmen dürfen. Und im Abspann kommt zumindest eine ordentliche Version des Terminator Themes.

Thomsen

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Montag, 11. November 2019, 23:34

Der Killer & sein Bodygard

Hallo miteinander,
sehe gerade den o.g. Film im ZDF-Montagskino. Ganz nett das ganze, mir scheint der ist eine Ultrahommage an zahlreiche 007-Streifen. Ich weiß nicht, wie viele es sind, aber mir sind eben in 20 min. alle paar Sekunden Parallelen zu vielen Striefen von James Bond eingefallen und dabei bin ich nicht so ein wirklicher Experte. Soetwas können hier sicher andere besser erörtern. Aber bei beinahe jeder Szene ist mir ein entsprechendes Pedant zu 007 eingefallen.

Beachtlich gut, oder einfach nur unteruirdisch? Mir hat es jedenfalls gefallen.
Thomsen

Martin

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Montag, 9. Dezember 2019, 00:01

Die Zeitfalle (Timestalkers, 1987)
Einer der zahlreichen Zeitreisefilme, die in den Achtzigern entstanden, nicht nur im Fahrwasser von Zurück in die Zukunft. Diesen hatte ich vor langer Zeit im TV gesehen und gut in Erinnerung behalten. Die eine Szene, an die ich mich genau erinnern konnte, ist tatsächlich auch die cleverste Idee des Films: Der Bösewicht gelangt in ein gesichertes Militärgelände, indem er einfach in die Vergangenheit reist, als dort noch nichts gebaut war, und wieder zurück. Dargestellt wird der Schurke von Klaus Kinski, was den Film ebenfalls sehenswert und unterhaltsam macht. Er darf auch so richig fies sein und auch mal komplett ausrasten. Ich kann mir vorstellen, dass die Reaktion der anderen Darsteller gar nicht so sehr gespielt war. :D Da ich marathon-technisch gerade bei TLD bin und der Film von 87 ist, kam ich auf die Idee, wie wohl Kinski als Waffenhändler in dem Film gewesen wäre.

Manches ist etwas vorhersehbar, aber insgesamt ein unterhaltsames SF-Abenteuer mit einem sympathischen William Devane in der Hauptrolle (der hier als Charakter tatsächlich Scott Macenzie heißt) und einigen sehr schönen Ideen und netten 80er-Effekten. Auch die DVD-Fassung von Pidax ist von der Bild. und Tonqualität her sehr gut gelungen.

DrShatterhand

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Donnerstag, 6. Februar 2020, 15:12

Ich glaube, ich war ein Jahr lang hier nicht mehr unterwegs. Es wird wieder Zeit.

Braveheart (1995)

In diesem Jahr wird der Film 25 Jahre alt (Special Edition vielleicht?), und er ist immer noch gut anzuschauen. Besonders bei den Schlachtszenen (bspw. Stirling oder Falkirk) ist es erstaunlich, welchen Kostümaufwand man gefahren hat, um ein authentisches Bild hinzukriegen. In den 50er und 60er Jahren gab es große Kostümschinken, aber danach? Ich konnte mich an gar keinen bis Braveheart erinnern.

Die Gewalt ist besonders in den Schlachtszenen sehr detailliert dargestellt (Bein ab, Kopf ab, Hand ab, Schädel eingeschlagen, Kehle durchgeschnitten …), aber es hat – ich kann mir nicht erklären, wieso – dabei immer etwas Monty-Python-haftes.

Patrick MacGoohan war eine sehr gute Verpflichtung; er spielt König Edward the Longshanks sehr gut. „The most ruthless king ever to sit on the throne of England“? McGoohan macht das sehr glaubhaft. Weitere bekannte Größen in dem Film sind Sophie Marceau (natürlich) und Ian Bannen, der Robert the Bruces Vater spielt. Angus McFadyen spielt besagten Robert the Bruce und macht das ebenfalls sehr gut. Man nimmt ihm den innerlich Hin- und hergerissenen (Bewunderung für William Wallace; Loyalität zu den Clans) ab. Wie er es allerdings hinbekommen hat, mit seiner eher lahmen Ansprache „You have bled with Wallace! Now bleed with me.“ Die übriggebliebenen schottischen Kämpfer zur Schlacht von Bannockburn (1314) anzuheizen, ist mir bis heute ein Rätsel. Wallaces Ansprache an die Schotten vor der Schlacht von Stirling ist da schon weitaus packender, weil er auch aufgreift, was ihm zwischendurch entgegnet wird. Dennoch hat auch diese Ansprache ein gewisses „Deus ex machina“-Element.

Der Film hat durchaus Auswirkungen auf die Nachwelt gehabt. Bei der Fußball-EM 1996 in England hatten schottische Fußballfans (da ging es auch gegen England) Pappaufsteller von William Wallace in den Stadien. Geholfen hat es ihnen aber nicht. In den Videotheken stand bald der Film „Robert the Bruce“, der nach eigener Promoaussage dort weitermachte, wo Braveheart aufhörte. Es war wohl eine Direct-to-video-Produktion, die auch wenig Ausleiher fand; in den internen Ausleihcharts meiner damaligen Stammvideothek tauchte er jedenfalls nicht auf.

James Horner schrieb einen tollen Soundtrack. Er besitzt einen hohen Wiedererkennungswert, der sich besonders im Braveheart-Thema widerspiegelt, das sich durch den gesamten Film zieht. Es gibt den Soundtrack auch auf 2 CDs: einmal als handelsübliche Filmmusik, dann als „More Music from Braveheart“ mit Filmdialogen und (als Bonus) Dudelsackmusik.

Kleines Trivium am Rande: Der „English Commander“, der am Ende des Films die englischen Truppen bei Bannockburn befehligt, wird von Paul Tucker gespielt. Bei ihm handelt es sich auch um den „Production and Financial Controller“ des Films.

Ob es nun eine Special Editon gibt oder nicht, ist eher irrelevant. Der Film ist gut gealtert und auch immer noch sehenswert.
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948

Donnerstag, 6. Februar 2020, 15:17

Ich hatte die letzten 2 1/2 Wochen mal Bock auf einige Klassiker und paar weniger Klassiker.

Alien & Aliens 10/10

Muss man was zu diesen absolut spannenden Kultklassikern sagen? Drehbuch, Darsteller, Effekte, audiovisuell atemberaubend. Außerdem starke, passende Scores von Jerry Goldsmith (Alien) und James Horner (Aliens).
Wollte eigentlich auch Teil 4 und 4 gucken, aber irgendwie habe ich auf alle anderen Alien Filme nicht wirklich Bock...ich muss aber auch gestehen, dass der vielverschmähte Alien: Covenant mich mehr abholte als die Teile 3 und 4.


Zwei glorreiche Halunken mit englischen Ton 10/10
Ich war einfach mal gespannt diesen Film auf englisch zu genießen. Also mit den Originalstimmen der drei Hauptdarsteller. Vor allem Lee van Cleef hat eine kräftige, überzeugende Stimme.
Die meisten coolen Sprüche wurden auch von der deutschen Synchro 1:1 übernommen. Lediglich das mit dem Blitz und kacken oder "nimm einen kräftigen Zug, dann kannst du besser kacken." wird da so nicht gesagt :D


Mission: Impossible Reihe ab Teil 4, da ich Teil 1 und 3 häufiger sah und kein Fan vom zweiten Film bin:

Phantom Protokoll 8/10

Absolut gelungen, aber dennoch bin ich nicht der Meinung vieler, dass dieser Beitrag der beste der Reihe ist. Warum? Schreibe ich gleich.
Bei aller Spielereien und Lust der Darsteller, es fehlt dann doch ein wenig der großkalibrige Bösewicht, die Finesse im Storytelling und Suspense.
Großartig: der Einbruch im Kreml und die komplette Burj Khalifa Sequenz mit Übergabe der Diamanten/Daten und Verfolgung durch die Sandwüste. Das Finale finde ich aber schwächerals in De Palmas ersten Film und beiden direkten Nachfolgern von Phantom Protokoll


Rogue Nation 9/10
Dieser Teil macht schon fast alles richtig. Ich finde den ungemein spannender als Phantom Protokoll und hat mit der Wiener Oper Sequenz einfach ein stilistisches Highlight der Reihe. Das erinnert mich an die guten Bondfilme und Hitchcock zugleich. Atemberaubend Rebecca Ferguson im goldenen Kleid.
Die komplette Marokko Szenerie mit Unterwassertank und der Verfolgungsjagd ist meisterhaft in Szene gesetzt und geizt nicht mit Spannung und Humor. Auch das Finale ist kleverer umgesetzt als das Finale von Phantom Protokoll und Spectre, welchen ich nennen muss, weil dies ja auch in London spielt und es darum geht den Oberbösewicht dingfest zu machen und der Oberbösewicht noch vorher denkt er hält die Zügel fest.

Fallout 10/10
Hat für mich De Palmas ersten Film getoppt. Sah den jetzt zum dritten Mal und mir klappte wieder die Kinnlade auf. Was mich nervt, wenn manche NUR die Action Highlights nennen. Der Film dazert 147 Minuten und bietet mehr als wahnwitzige Stunts. Alle Charaktere agieren auf höchstem Niveau. Cavill ist eine super Ergänzung zu Cruise, Rebecca Fergusons Ilsa Faust ist definitiv neben Ellen Ripley, Sarah Connor und The Bride (Kill Bill) mein weiblicher Lieblingscharakter in Actionfilmen. Vanessa Kirby (White Widow) würde ich gerne als Bondgirl sehen oder Catwoman (diese wird nun aber von Zoe Kravitz verkörpert).
Das Finale...einfach geil. Es kommt echt zu Gute, dass der verrückte Tom alles macht. Die Kamera ist einfach nah dran und zeigt allen Möchtgern Action Fatzkes wie man Axction macht. Nah dran, keine hektischen Schnitte, Übersichtlich...einfach wow.
Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass Fallout für mich auf eine Stufe mit meinen beiden Bondlieblingen "The Spy" und "Goldfinger" steht.


Terminator 10/10
Muss man nix zu sagen. Auch wenn zum Schluss die Stop-Motion-Effekte erkennbar sind, sieht das alles sexier aus als das, was man uns heutzutage auftischen möchte. Gerade diese Stop-Motion-Technik zum Finale gibt dem ganzen nochmal eine unheimliche Präsenz. Und ich möchte Michael Biehn erwähnen, der absolut grandios ist. Schade, dass ihm nach The Terminator und Aliens der ganz große Durchbruch verwehrt wurde. Charismatischer Typ.


Terminator 2 - Tag der Abrechnung 10/10
Braucht man auch nix zu sagen :) Robert Patrick ist ein würdiger Nachfolger als böser Terminator. Arnie, Linda und Edward Furlong...ach ja, da bekommt man Wehmut.


Terminator 3 - Rebellion der Maschinen 7/10

Auch ein Film, den ich verteidigen möchte. Bei langen nicht so innovativ und spannend wie die Vorgänger, aber auch wenn es das Ende von T2 ad absurdum führt, finde ich das Finale von T3 konsequent und düster. Die Actionszenen sind auch noch physisch und machen Laune, vor allem die Verfolgungsjagd inklusive Sattelschlepper.
Was mich aber stört, warum hat man nach Teil 2 den Anfang der Filme nicht mehr nach folgendem Muster durchgeführt:
1) Prolog
2) Main Title mit fantastischen Terminator Theme
Alleine das macht bei Teil 1 und 2 schon gewaltig Bock auf den weiteren Verlauf des Films.
In Teil 3 hören wir dann den Prolog von John Connor, einen Blick in die Zukunft, bis dahin gut aufgebaut...und dann hätte der Main Title kommen müssen. Aber nein, verpasste Chance.

Terminator - Die Erlösung 4/10
Hier ist es wieder: sofort Main Title mit Musik, leider nicht so gut instrumentalisiert wie in den ersten beiden Filmen. Ein toller Prolog fehlt.
Ansonsten hat man sich wohl gedacht, ey, 2007 waren die Transformers ein Riesenerfolg. Lass Skynet mal schnell auch paar Riesen Roboter bauen :bamm:
Die Idee mit der Zukunft und einen Erwachsenen John Connor war gut. Mit Christian Bale holte man einen Topstar und nach Teil 3 war dies auch logisch, aber die Umsetzung...bitte nochmal die Schulbank drücken. Sam Worthingtons Charakter? Wozu? Ach ja, damit er zum Schluss John Connor sein Herz spenden darf. Zudem hat dieser Marcus zu viel Screen Time und man kann sich gar nicht auf John Connor fokussieren.
Die Terminator Einheiten machen auch keine Angst mehr. Ballern sinnlos durch die Gegend und als sie Kyle Reese, Nr. 1 auf deren Todesliste, gefangen nehmen und später auch als Reese identifizieren...ja was machen die eigentlich mit dem? Der T-800 aus Teil 1 und Robert Patricks T-1000 hätten kurzen Prozess mit ihm gemacht.
Der Film bietet keine dummen Witze, aber verpasste Chancen.


Terminator Genisys 5/10

Auch hier, Prolog dieses mal von Kyle Reese, aber wo bleibt der hämmernde Terminatorsound? Langweilig. Die lernen es nicht mehr.
Allerdings macht der Anfang noch Laune und alles im Jahr 1984 spielend. Eine nette Hommage an früher. Aber auch hier frage ich mich, die bösen Terminator killen zwar, aber wenn es darum geht die Hauptprotagonisten zu töten, spielen sie oder zögern...pfff.
Vor allem Kyle Reese, der hatte in Camerons ersten Film im direkten Duell gegen den T-800 einfach keine Chance, wie auch? Nur Dynamit half und er opferte sich selbst. Hier in Genisys besiegt Kyle Reese genau diesen selben T-800 ohne sich opfern zu müssen. Ganz toll.
Und was soll der durch die Luft fliegende gute "alte" T-800? Nach Transformers versucht man sich noch dem MCU und DCEU anzubiedern. Superman lässt grüßen.
Und geht es dann ins Jahr 2017, kann der Film nicht mehr auf eigenen Beinen stehen. Auch hier ist der böse Terminator (schön damals im Trailer gespoilert) eher das Gegenteil von bedrohlich. Der labert T-800, Sarah und Kyle Reese lieber tot.
Arnie finde ich aber super,auch wenn man drehbuchtechnisch paar Kalauer hätte rausnehmen dürfen. Und im Abspann kommt zumindest eine ordentliche Version des Terminator Themes.


"Zwei glorreiche Halunken" muss ich ausschließen, da ich den Film nicht kenne, und auch "Terminator: Genisys" stufe ich etwas höher ein, aber ansonsten unterschreibe ich alles, was Du zu diesen Filmen gesagt hast.
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949

Montag, 10. Februar 2020, 16:34

Radar Men from the Moon (1951)

Zufällig stieß ich auf dieses Serial, das aus zwölf Teilen besteht und in klassischer Cliffhanger-Manier daherkommt. Allzuviel Geld hat es wohl nicht gekostet, was man an der Tricktechnik sieht und auch im wiederholten Gebrauch von Einstellungen (Eingang der Höhle des Unterbösewichts, der Held verlässt sein Labor und startet seinen Raketenanzug, der Held fliegt durch die Luft, …).

Im Mittelpunkt steht der Wissenschaftler Commando (geiler Vorname!) Cody, der für die US-Regierung arbeitet und einen Raketenanzug entwickelt hat. Die USA sehen sich seltsamen Unglücken ausgesetzt (Überschwemmungen, Explosionen), die auf lange Sicht auch der Verteidigungsfähigkeit der USA schaden. Dahinter stecken die Mondbewohner, die auf dem Mond nicht mehr lange werden überleben können. Die Atmosphäre auf dem Mond gerät zunehmend lebensfeindlich, und um zu überleben, planen die Mondbewohner unter Führung ihres Herrschers Retik die Invasion der Erde. Die bereiten sie mit Hilfe von Kanonen, die Atomstrahlen schießen, vor, denn mit diesen Kanonen verursachen sie die rätselhaften Unglücke. Cody und seine Gehilfen kommen Retik auf die Schliche, und über zwölf Episoden verteilt sehen wir, wie die Böslinge versuchen, ihre Invasionspläne durchzusetzen und Cody und Co. dagegen versuchen, diese Pläne zu vereiteln, was ihnen letztlich auch gelingt.

Wie schon gesagt kommt das Serial etwas billig daher; neben den oben angeführten Elementen fällt auf, daß eine spätere Episode ganze Sequenzen aus zwei früheren Episoden nochmal zeigt. Das macht sich natürlich besonders bemerkbar, wenn jede Episode gerade mal 13 Minuten lang ist. Besonders aber in der Abteilung Tricktechnik hat man nicht den Eindruck, daß das Serial 1951 entstand (ich habe die Jahresangabe einige Male genau angesehen, weil ich es nicht glauben konnte). Ich fühlte mich beim Schauen der Episoden eher an die Flash-Gordon- oder Buck-Rogers-Serials aus den 30er Jahren erinnert.

Man staunt auch, wie blauäugig die Produzenten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen umgingen. Schwerelosigkeit gibt es nicht; auf dem Mond ist es durchaus taghell, und man kann ohne Schutzanzug dort herumlaufen. Dort sind sogar Wegweiser aufgestellt (Allerdings hatte ich da den Eindruck, daß man vergessen hat, die vor dem Drehen der Szenen zu entfernen.)! Die Mondbewohner leben in einer altrömisch/altgriechisch anmutenden Stadt und haben Atombomben entwickelt, die sie auch auf der Erde nutzen. Unterbösling Krog, der die Mondaktionen auf der Erde leitet, holt in einer Episode eine solche Atombombe, die eine handliche Größe aufweist, aus einer Kiste und gibt sie zwei Gangstern, die für Krog arbeiten. Die Gangster klemmen die Bombe an den Flügel eines Flugzeugs und lassen sie dann zu Boden gehen und explodieren. Von Strahlung oder Fallout ist meilenweit nichts zu sehen.

Von solchen Unstimmigkeiten lasse ich mich aber in der Regel nicht beirren, und so empfand ich dieses Serial als sehr angenehm zu schauen und als sehr unterhaltsam. Plot ist nichts, Story ist alles! Als filmisches Weltkulturerbe würde ich es allerdings nicht bezeichnen.

P.S.: Warum die Mondbewohner als „Radar Men“ bezeichnet werden, habe ich immer noch nicht herausgefunden.
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Martin

Felix Leiter

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950

Sonntag, 16. Februar 2020, 06:09

Braveheart muss ich auch mal wieder ansehen. Der Soundtrack ist für mich sogar die beste Arbeit von James Horner.

1917 (Sam Mendes, 2019)
Hatte ich am Abend vor der Oscarverleihung gesehen, und ich habe ihm seine drei Awards dann sehr gegönnt. Die Kamera von Roger Deakins ist wirklich atemberaubend, das fällt mehr auf als in jedem anderen Film, der nominiert war. Teilweise wurde dem Film ja vorgeworfen, dass er zwar technisch wirklich beeindruckend ist, aber die inhaltliche Ebene da nicht heranreicht. Beziehungsweise, dass die technische Leistung, der man sich ständig bewusst ist, die Message in den Hintergrund drängt. (Ein ähnlicher Vorwurf ging auch an Peter Jacksons "They Shall Not Grow Old".) In einer Kritik wurde der Film auch mit "Dunkirk" verglichen, der ebenfalls eher technikverliebt und kühl wirkt. Allerdings muss ich sagen, dass mir "1917" wesentlich besser gefallen hat als Dunkirk. Man hat mit den Hauptfiguren schon etwas mehr mitgefiebert.

Bei Kriegsfilmen hat man oft auch das Gefühl, dass sie für Kritiker unbedingt den gesamten Schrecken des Krieges veranschaulichen müssen. Eine ziemlich unmögliche Aufgabe, und damit auch ein unfairer Kritikpunkt. Fast jeder Kriegsfilm ist, ob er will oder nicht, immer auch ein bisschen Abenteuerfilm. Das zeigt sich auch schon in der Diskussion um den Begriff Kriegsfilm/Antikriegsfilm. Daher finde ich es nicht verwerflich, wenn ein Film sich diesem Aspekt bewusst ist und ihn nicht völlig verleugnet. "1917" erinnert streckenweise ein bisschen an die Optik eines Computerspiels, durch die Kamera, die den Protagonisten ohne sichtbare Schnitte begleitet, und auch durch die physischen Herausforderungen, die im Feindesland lauern. Aber das muss eben nicht unbedingt schlecht sein, denn ich denke, die meisten Kinder und Jugendlichen werden mit dem Thema Krieg heutzutage am frühesten über entsprechende Spiele konfrontiert. Wenn man darüber Menschen für das Thema interessieren kann, die dem sonst eher aus dem Weg gehen, warum nicht. Und es ist auch nicht so, dass der Film diesen Aspekt nicht reflektiert. In diesem Punkt finde ich den Film deshalb auch ehrlicher als manche andere, denn bis zu einem gewissen Grad kann man den Vorwurf der "künstlerischen Eitelkeit" und des Reenactments zum Zweck der Unterhaltung jedem Film des Genres machen. (Das ist zum Beispiel ein Punkt, der mich an "Schindlers Liste" etwas stört, da er dieses Gefühl von magisch-manipulativer Überzeichnung der Realität, das Spielbergs Stil kennzeichnet, nie ganz loswird.)

Insgesamt ein beeindruckender Film. Wenn das Drehbuch stimmt, würde ich Mendes/Deakins gerne noch einmal bei Bond haben. Aber wird wohl nach dem enttäuschenden SP nicht mehr passieren.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Martin« (16. Februar 2020, 06:18)


Mister Bond

Felix Leiter

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Sonntag, 16. Februar 2020, 14:09

Mein bester Freund, ähnlicher Filmgeschmack wie bei mir, war letzte Woche im Kino und sehr angetan. Er sagte sogar, dass es vielleicht der Film war, der ihm in Kino am meisten geflasht hat, seit "Interstellar" und das sind ja schon einige Jahre. Und zwar wegen der absolut herausragenden Kameraarbeit und den vielen Drama/Thrillermomenten. Ich werde versuchen mir den auch im Kino anzuschauen.
Wir beide sind auch beide Nolan Fans, waren aber von "Dunkirk" auch enttäuscht.

DrShatterhand

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Donnerstag, 20. Februar 2020, 15:19

Red Dawn (1984)

„At times, I´m an extreme patriot.“ sagte Regisseur John Milius in einem Gespräch zu diesem Film. Man sieht es. Mit welcher Plattheit aufrechte Amerikaner und böse Russen/Kubaner einander gegenübergestellt werden, ist wirklich unglaublich. Man könnte sagen, das ist so schlecht, daß es wieder gut ist. Zur Orientierung: In einer amerikanischen Kleinstadt fallen unerwartet russische und kubanische Truppen ein; der dritte Weltkrieg bricht los, und die Sowjetunion versucht, die USA einzunehmen. Ein Haufen Teenager, die in der Stadt leben, nimmt unter Führung von Jed Eckert (Patrick Swayze) den Kampf gegen die Besatzer auf, der am Ende auch erfolgreich ist.

Wie gesagt geht es oft recht platt in der Darstellung der bösen Sowjets zu. So werden wir Zeuge einer Bücherverbrennung; die Stadtbewohner müssen sowjetischen Paraden beiwohnen und Fähnchen schwenken; die Stadt kommt recht bald herunter; viele Bewohner landen in einem Umerziehungslager. Es gibt aber auch durchaus subtile Momente. So sieht man in einer Szene, daß das lokale Kino gratis den Eisenstein-Klassiker „Aleksandr Nevskij“ zeigt. Das ist mir erst nach 35 Jahren zum ersten Mal aufgefallen! Im Büro des kubanischen Kommandeurs, Colonel Bella, hängt ein Porträt von Leonid Brezhnev.

Durchaus clever gehen die Produzenten auch an anderer Stelle vor. Die Handlung beginnt in der lokalen High School, wo gerade Geschichte unterrichtet wird, und der Lehrer (Frank McRae, Sharky in „Licence to kill“), behandelt gerade die mongolische Invasion Europas. Er sagt: „The killing went on until the young son of the Khan asked the last creature alive be allowed to go free.“ Das spiegelt sich am Ende des Films wider, wenn Jed und sein Bruder Matt (Charlie Sheen) an Colonel Bella vorbeiziehen und Bella die beiden verschont; das Töten ist vorbei. Ähnliches findet sich später, als Jed und Matt mit Robert jagen gehen und Robert sein erstes Wild erlegt; er trinkt vom Blut des Wildtieres und wird damit zu einem „echten Jäger“. Matt kommentiert das mit den Worten „Once you do that, there will be something different with you.“ Und das ist auch so: Robert wird zum unnachgiebigen Killer. In dem vorher erwähnten Umerziehungslager treffen Matt und Jed ihren Vater (Harry Dean Stanton, „Alien“) an. Der spricht mit ihnen über die Zeit, als sie Kinder waren und er sie oft zu den Schaukeln im Park mitgenommen hat. In dem Park lässt Jed sich mit seinem verletzten Bruder auf einer Bank nieder, und zwar in der Nähe dieser Schaukeln. Dort sterben die beiden vermutlich auch.

Plumper ist es wieder an anderer Stelle, als zwei russische Soldaten mit einem kubanischen Kameraden den Arapaho National Forest ansteuern. Dort hängt eine Informationstafel zum Waldbestand und zu Campingregeln. Einer der russischen Soldaten „übersetzt“ den Text für seine Kameraden, und plötzlich hören wir, daß es sich bei dem Ort um das Arapaho National Battlefield handelt, wo ein Indianeraufstand von imperialistischen Truppen und von Cowboys unter der Führung von Präsident Roosevelt blutig niedergeschlagen wurde. Solch üble Propaganda muss damals in den US-Kinos ziemlich gewirkt haben: Ein Sowjetsoldat begeht auf amerikanischem Boden groteske Geschichtsfälschung!

In dieser Sequenz zeigt sich, was man auch in anderen Szenen des Films gut mitbekommt: Das Russisch, das von verschiedenen Charakteren gesprochen wird, ist gut und so gut wie immer korrekt. Colonel Bella spricht sogar Russisch mit spanischem Akzent!

Die Fahrt in den Nationalpark endet für die drei Soldaten tödlich. Sie entdecken Jed, Matt und die anderen Teenager, werden von ihnen aber getötet. Darauf richten die Russen als Vergeltung mehrere Amerikaner hin. Einer der Teenager sieht das auf seiner Patrouille. Dies ist ein Wendepunkt im Film, denn da beschließt die Gruppe, aktiven Widerstand gegen die Invasoren zu leisten. Sie bekämpfen die Russen und Kubaner mit Hinterhaltaktionen und taufen sich „Wolverines“.

In der Phase des Films taucht auch der nächste Bekannte auf; Vladek Sheybal (Kronsteen in „From Russia with Love“) agiert als russischer Offizier Bratchenko. Ein weiterer relativ bekannter Schauspieler, der im Film vertreten ist, ist Powers Boothe („Sudden Death“). Er spielt den Luftwaffenoffizier und Kampfpiloten Andy Tanner, der im Kriegsgebiet abgeschossen wird. Er überlebt und schließt sich den Wolverines an.

Tanner verstirbt recht bald als erster der Wolverines, ebenso der Wolverine Aardvark. Dies führt zur Nutzung eines Felsens als sogenannter „Partisan Rock“, an dem die Wolverines die Namen derjenigen aufschreiben, die im Kampf fallen.

Die Russen ändern trotz der Probleme mit den Wolverines ihr generelles Vorgehen nicht. Nachdem die Wolverines ein Umerziehungslager befreit haben, werden zur Vergeltung erneut Gefangene erschossen. Dennoch schwant den Besatzern, daß sie irgendetwas tun müssen, um mit den Wolverines fertig zu werden. Hier betritt William Smith alias Strelnikov den Plan. William Smith trat besonders in den 80er Jahren in Film und Fernsehen oft als Bösling in Erscheinung. Strelnikov übernimmt die Jagd auf die Wolverines; zum Teil hat er Erfolg, da Daryl, einer der Wolverines, den Russen aus Angst um seinen Vater den Lagerort der Wolverines verrät. Die Russen können beim Überfall auf das Lager der Wolverines zurückgeschlagen werden, aber Daryl fliegt auf, und Robert erschießt ihn für seinen Verrat.

In einer späteren Situation lassen die Wolverines erneut Federn. Sie sammeln Nahrung auf, die scheinbar aus einem russischen Konvoi-LKW herausfällt, und suchen sich einen Platz, um sie zu essen. Dabei taucht ein MIL-MI 24 auf (russischer Kampfhubschrauber der mächtigen Sorte); zwei weitere MIL-Hubschrauber tauchen auf, und die Hubschrauberbesatzungen nehmen die Wolverines unter Feuer. Toni (Jennifer Grey) wird dabei schwer verletzt; ihr wird klar, daß sie sterben muss, und sie bittet Jed um eine Handgranate, mit der sie wenigstens noch einen Feind mitnehmen kann. Robert wird isoliert und stellt sich alleine einem MIL. Es gelingt ihm zunächst, mit einer Panzerfaust Schaden am MIL zu verursachen (und es fällt auch ein Russe aus dem Hubschrauber), aber am Ende wird er vom MG-Feuer des Hubschraubers niedergemäht.

So bleiben neben Jed und Matt lediglich Danny und Erica. Sie beschließen, sich zu trennen. Während Jed und Matt noch einen Angriff in ihrer Heimatstadt vornehmen wollen, machen sich Danny und Erica auf ins „Freie Amerika“. Jed und Matt schaffen eine Menge Verwirrung und Schaden, aber Strelnikov ist in der Lage, Matt anzuschießen. Er stirbt letztlich in einem Duell mit Jed, der dabei aber auch schwer verletzt wird. Wie zuvor beschrieben schleppt Jed seinen Bruder in den Park in die Nähe der vom Vater erwähnten Schaukeln, wo beide dann höchstwahrscheinlich sterben.

Basil Poledouris untermalt den Film mit heroischer Musik, die auch einen hohen Wiedererkennungswert hat. Teile der Schlussmusik könnte man im Fußballstadion für den Moment heranziehen, wenn das eigene Team ein Tor geschossen hat. Die Filmmusik gehört auch zu den wenigen Soundtracks, die ich mir überhaupt gekauft habe.

Red Dawn bleibt unterm Strich ein streitbarer Film. Während er aber damals zu Protesten in und vor Kinos geführt hat und deswegen sogar aus dem Programm genommen wurde, würde er heute nicht mehr dieses Protestpotential wecken. Im Gegenteil: Ich vermute, auch aufgrund des verfehlten Remakes von 2012 hat er sein Image sogar verbessert.
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Scarpine

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Donnerstag, 20. Februar 2020, 22:17

Red Dawn bleibt unterm Strich ein streitbarer Film.
Vielen Dank für dieses interessante und äußerst lesenswerte Review! Ich habe Red Dawn seinerzeit als Jugendlicher im TV gesehen und zwischendrin abgebrochen, was ich fast nie bei Filmen mache. Ich mochte die von dir benannte Plattheit und den triefenden Patriotismus nicht, obwohl der Grundplot durchaus Potenzial hat. Vielleicht gebe ich dem Streifen bei nächster Gelegenheit doch noch einmal eine Chance...
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Martin

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Samstag, 25. April 2020, 01:34

Der Leuchtturm (2019)
Den wollte ich eigentlich im Kino sehen, aber er kam leider nirgendwo in der Umgebung. Der Film ist etwas experimentell, schwarz-weiß, 4:3, mit hauptsächlich zwei Leuten auf einer kleinen Insel. Aber er ist auch herrlich schräg, super gespielt und sehr detailliert bei der Darstellung früherer Zustände. Herman Melville trifft David Lynch. Robert Pattinson und Willem Dafoe sind absolut sehenswert. Bei Dafoe ist man es ja gewohnt, während Pattinson wegen seiner Jugendsünde Twilight immer noch mit Häme überzogen wird. Aktuell ja auch wieder, weil er Batman spielt. Das kann ich nicht wirklich nachvollziehen, denn mittlerweile hat er ausreichend bewiesen, dass er was kann. Ich könnte ihn mir ehrlich gesagt sogar als Bond vorstellen.

Herausragend auch die Dialoge, vor allem Schimpftiraden von Dafoe. Das sind Filme, wo ich wirklich den Hut ziehe vor der Synchronregie und den Sprechern. Eine preisverdächtige Arbeit.

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Samstag, 25. April 2020, 23:35

Danke für den Tipp, Martin, den werde ich mir in den nächsten Tagen auf jeden Fall ansehen. Ich bin ja ohnehin ein ganz großer Fan von Willem Dafoe, zuletzt ganz starker Auftritt als "Vincent van Gogh". Ich hatte das Glück, ihn 1996 (?) mit seiner New Yorker Theatergruppe "Wooster Group" in Berlin zu sehen. Unglaublich, dass er noch nie einen Oscar gewonnen hat.
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Daniel Dalton

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Sonntag, 26. April 2020, 19:50

Er (Willem Dafoe) war zwar in dem Videospielfilm "Alles oder Nichts" als Bond-Bösewicht tätig,
aber ich fände es gut, wenn er dies auch mal innerhalb der Hauptreihe wäre. Ein großartiger Ausnahmeschauspieler, führte mir die Tage erst wieder "last temptation of Christ" zu Gemüte.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Martin

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Samstag, 9. Mai 2020, 23:52

Letztens habe ich mich mal der Pentalogie um John James Rambo gewidmet. Die Filmreihe hat insgesamt ja nicht gerade das beste Image und gilt immer so ein bisschen als Rockys schmuddeliger Bruder. Den Filmen - vor allen den vier Fortsetzungen - wurde ja einiges vorgeworfen, von Gewaltverherrlichung bis hin zu Faschismus. Während die Kritiker die Figur eher hassen, hatte sie zahlreiche Fans, vor allem im pubertären Alter. Ich kann mich noch gut an Schulzeiten erinnern, wo Rambo, und Sylvester Stallone allgemein, einen enormen Kultstatus hatte. Sätze wie "Umzingeln läuft wohl nicht" wurden ständig zitiert, man träumte von Rambo-Messern, manche bastelten sich im Werkunterricht diese Blechmarken, die Vietnamveteranen um den Hals hängen haben.

Obwohl ich damals schon eher Bondfan war und mir das brachiale nicht so viel gab, kann ich die Faszination aus heutiger Sicht schon ein bisschen nachvollziehen. Vor allem die ersten beiden Filme sind wirklich gut gemachte Actionfilme, der dritte übertreibt es etwas, aber die Idee einer unbesiegbaren Ein-Mann-Armee, die ganze Heerscharen von Gegnern bezwingt, hat schon Kultpotential und eignet sich für typische Männerfilmabende mit viel Dosenbier. Die beiden neueren Beiträge hatte ich noch nicht gesehen und war von beiden Filmen auch überrascht. Insgesamt ist es eine eher heterogene Reihe mit teils drastischen Brüchen in Tonalität und Anspruch.


Rambo (First Blood, 1982, Regie: Ted Kotcheff)
Dieser Film ist noch eine vergleichsweise ambitionierte Literaturverfilmung, in der die Hauptfigur noch nicht dieser überzeichnete Superheld ist, sondern ein gebrochener, traumatisierter Veteran, ein Opfer gesellschaftlicher und politischer Umbrüche. Ähnlich wie in Camerons 'The Terminator' profitiert der Film von der wortkargen Art und dem eher limitierten Spiel des Hauptdarstellers, und unterstützt die Rolle, die emotional blockiert ist und sich letztlich nur mit Gewaltausbrüchen zur Wehr setzen kann.

Der Film funktioniert gut als Reflektion über den Krieg, den die US-Politik gern woanders führt, und der hier zu genau den Leuten ins Haus kommt, die patriotische Kampfmaschinen wie Rambo normalerweise feiern. Stallone, der auch ein talentierter Drehbuchautor ist und für 'Rocky' eine Oscarnominierung erhielt, veränderte die Buchvorlage und machte den Charakter wesentlich menschlicher. Im Buch ist Rambo ein nicht zu stoppendes Frankenstein-Monster, das Colonel Trautman letztlich selbst töten muss.

Richard Crenna als Rambos Mentor und einziger Freund Sam Trautman ist ein Highlight der ersten drei Filme. Crennas Old-School-Art zu spielen erinnert mich ein bisschen an Roger Moore. Er bildet einen passenden Gegenpol zu Stallone. Auch der erst kürzlich von uns gegangene Brian Dennehy setzt als Sheriff Teasle schauspielerische Akzente und hebt den Film über das Niveau vieler anderer Actionfilme hinaus.


Rambo II - Der Auftrag (Rambo: First Blood Part II, 1985, Regie: George P. Cosmatos)
Als Fortsetzung und Actionfilm funktioniert der Film ganz gut. Man merkt, dass hier James Cameron am Drehbuch mitschrieb, der sich mit 'Aliens' und 'T2' als Meister der Fortsetzung erweisen sollte. Ähnlich wie in 'Aliens' führt er die Handlung zurück zum Ursprung des Dramas, hier der vietnamesische Dschungel. Auch das finale Hubschrauber-Duell trägt Camerons Handschrift.

Julia Nickson gab hier ihr Leinwanddebüt, das ich sehr stimmig finde. Nickson spielte auch in der von mir sehr geschätzten Miniserie 'In 80 Tagen um die Welt' neben Pierce Brosnan und in diversen Star-Trek- und Magnum-Folgen. Auch Octopussy's Steven Berkoff darf wieder den irren Russen geben.

War 'First Blood' noch eine Anklage gegen die Grausamkeit des Krieges, schleicht sich hier bereits eine Faszination für dessen martialische Waffengefechte ein. Auch der Umstand, dass Rambo sich nicht mehr nur selbst verteidigt, sondern sich wieder in den Dienst der Politik stellt, konterkariert die Message des ersten Films. Auch Rambos patriotische Rede am Ende, von der sich Cameron auch distanzierte, stört das Gesamtbild. Trotzdem funktioniert der Film als 'guilty pleasure' noch ganz gut.


Rambo III (Rambo III, 1988, Regie: Peter MacDonald)
Die zweite Fortsetzung schickt Rambo ins sowjetisch besetzte Afghanistan. Ironischerweise eine Umkehrung des Stellvertreterkrieges in Vietnam. Diese Ironie wird aber nur von Col. Trautman kurz angesprochen. Ansonsten wirkt der Heldengesang auf das afghanische Volk schon sehr opportunistisch. War TLD mit dieser Thematik schon etwas gewagt, übertreibt man es hier dann völlig mit pathetischer Verklärung der Afghanen und Dämonisierung der Russen. Sicherlich waren die Sowjets als Invasoren im Unrecht und verübten zahlreiche Grausamkeiten, aber das macht die Afghanen nicht automatisch zu einem tollen Volk, wenn man allein an die langen Traditionen von Kinderprostitution und -Ehen in diesem Land denkt.

Diese Moralisierung wirkt insgesamt etwas platt und aufgesetzt, auch die Action und Rambos Leidensfähigkeit driften ins comic-hafte ab. Das hat oft etwas unfreiwillig komisches und schreit förmlich danach, parodiert zu werden.


John Rambo (Rambo, 2008, Regie: Sylvester Stallone)
Auch zu diesem Film hat man im Vorfeld nicht allzu viel gutes gehört. Daher hat er mich eher positiv überrascht. Die Gewalt ist sehr drastisch, und im Gegensatz zu den beiden vorigen Filmen auch nicht durch die Popcorn-Actionfilm-Machart entschärft. Aber ich sehe das nicht als Gewaltverherrlichung, im Gegenteil. Die gezeigten Greueltaten erschüttern und lenken die Aufmerksamkeit auf die zu der Zeit realen Zustände in Birma. Ich finde es immer begrüßenswert, wenn Filme die Chance nutzen, historisches Unrecht im popkulturellen Gedächtnis zu verewigen. Die Gewalt der Milizen dient auch nicht als Vorwand, um die spätere Gewalt von Rambo zu rechtfertigen, wie in einigen Kritiken zu lesen war, denn sie ist wesentlich krasser.

Insgesamt ist der Film eine recht gut funktionierende Reflektion über Pazifismus, Gewalt und Krieg, und schafft es damit, sich wieder dem Niveau des ersten Films zu nähern. War John Rambo im dritten Teil zu einem unkaputtbaren Comic-Helden geworden, ist er hier wieder etwas dreidimensionaler und menschlich nachvollziehbarer.

Insgesamt eine gelungene Regie-Arbeit von Stallone. Vor allem die Actionszenen sind gut umgesetzt. Brian Tyler ersetzt den leider verstorbenen Jerry Goldsmith, der für die ersten drei Filme eine tolle Musik mit einem legendären Maintheme komponierte. Tyler führt das Maintheme weiter, schafft aber auch gute eigene Akzente.


Rambo: Last Blood (Rambo: Last Blood, 2019, Regie: Adrian Grünberg)
(Enthält Spoiler)

Nach dem vierten Film hatte ich hier hohe Erwartungen, die aber wieder gedämpft wurden. Die Story an sich um Befreiung, bzw. Rache für eine Schutzbefohlene ist nicht gerade neu, siehe 'Taken' oder 'Man on Fire'. Die Befreiung erinnert dabei auch stark an 'You were never really there' mit Joaquim Phoenix. Auch das Thema Home Invasion ist nicht mehr so innovativ, gabs ja mittlerweile sogar bei Bond.

Die Gewalt ist noch einmal eine Runde krasser und geht in Richtung Splatter. Das finde ich selbst für einen Rambofilm too much. Die Darstellung von Mexiko wurde stark kritisiert, aber ich denke, dass man sich hier ebenso an die Realität hielt wie im Vorgängerfilm bei der Darstellung von Birma. Menschenhandel etc. ist nun mal ein extrem präsentes und erschütterndes Thema in diesem Land, und der Umstand, dass Trump eine Mauer bauen will, macht das auch nicht automatisch harmlos.

Die Story hat mich insgesamt weniger überzeugt als im vierten Film. Vor allem, dass man dem Charakter kein Happy End gönnt. Es ist im Gegenteil eigentlich eine Tragödie. Der Krieg ist letztlich der einzige Gefährte, der Rambo bleibt. „Um den Krieg zu überleben, musst du selbst zum Krieg werden.“ Rambo ist quasi verflucht dazu, zu überleben, und keinen Frieden zu finden. Als Ansatz vielleicht nicht schlecht, aber das wird durch die extreme Gewaltdarstellung und Handlungsklischees sehr getrübt. Vielleicht wäre es daher besser gewesen, es beim Vierten zu belassen.


Meine Rangliste der Filme sieht in etwa so aus:

1) Rambo (First Blood, 1982)
2) John Rambo (Rambo, 2008)
3) Rambo II (Rambo: First Blood Part II, 1985)
4) Rambo: Last Blood (2019)
5) Rambo III (1988)

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Martin« (10. Mai 2020, 00:34)


Scarpine

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Sonntag, 10. Mai 2020, 14:32

Interessante Ausführungen, lieber Martin. Ich muss gestehen, dass dein umfangreicher Beitrag für mich auch deswegen besonders reizvoll ist, weil ich da als 'Nichtkenner' vor einer 'Bildungslücke' stehe. Wie es in der Diskussion rund um das Kino der Achtziger Jahre vor einigen Monaten schon mal anklang, bin ich kein Kind dieses Jahrzehnts und viele Kult-Filme dieser Dekade stehe mir nicht sonderlich nahe oder gar in meiner Wertschätzung hoch im Kurs.

Und da ich von Sylvester Stallones 'Leinwandpräsenz' schon immer angeödet war, habe ich es - nach zwei 80er-Action-Gurken mit ihm in der Hauptrolle - aufgegeben, mir weitere Filme von dem "Testosteron-Titan" anzusehen. Von daher kenne ich auch seine zwei Kult-Rollen Rocky und Rambo - von ein paar vagen Filmausschnitten abgesehen - nicht. Aber deine Besprechungen lesen sich so interessant, dass ich dem guten Sly in naher Zukunft vielleicht doch nochmal eine zweite Chance gebe... :box:
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Martin

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Montag, 11. Mai 2020, 01:41

Ja, der Sly hat schon ein paar Gurken im Portfolio, das stimmt. Gerade letztens auch mal wieder 'Die City-Kobra' gesehen, der ist schon ziemlich trashig. Grundsätzlich mag ich solche prolligen Actioner ja. Hin und wieder landet sogar mal was von Steven Seagal oder Van Damme im Player. Aber die ersten Filme von Rocky und Rambo zählen wirklich zu Stallones besten. Die Rocky-Reihe werde ich mir jetzt auch mal ansehen, da kenne ich eigentlich auch nur den ersten ganz, obwohl ich die Box schon seit Jahren im Regal stehen habe. Aber im Gegensatz zu Actionfilmen kann ich mit Sportfilmen eher weniger anfangen, vielleicht abgesehen von Rennsport.

Was ich an vielen Filmen aus den Achtzigern mag, ist diese optimistische Grundstimmung. Es gab in der Dekade irgendwie überdurchschnittlich viele Filme, die sich zum einen Kindheitsträumen widmeten, und zum anderen hart trainierende Menschen zeigen, die am Ende ein Ziel erreichen. Rocky, Karate Kid, die ganzen Tanzfilme wie Flashdance, Dirty Dancing, letztlich sogar Star Wars. Viele Filme und auch die Musik haben einen positiven Spirit, auch wenn sie teilweise auch naiv sind.

Django

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Montag, 11. Mai 2020, 08:49

Besten Dank für die Reviews, Martin. Ja, Rambo ist Kult - definitiv Bestandteil der Pop-Kultur :thumbsup:

Was ich an vielen Filmen aus den Achtzigern mag, ist diese optimistische Grundstimmung [...] Viele Filme und auch die Musik haben einen positiven Spirit, auch wenn sie teilweise auch naiv sind.

Schön geschrieben :prost:

Last Blood habe ich mir vor ein paar Wochen als DVD gekauft. Bisher noch nicht geschaut - warte noch auf die richtige Gelegenheit bzw. (Männer-)Begleitung, da mir meine besser Hälfte bereits klar gemacht hat, dass sie diesen Film nicht mit mir anschauen wird :D

Zitat

War 'First Blood' noch eine Anklage gegen die Grausamkeit des Krieges, schleicht sich hier bereits eine Faszination für dessen martialische Waffengefechte ein. Auch der Umstand, dass Rambo sich nicht mehr nur selbst verteidigt, sondern sich wieder in den Dienst der Politik stellt, konterkariert die Message des ersten Films.

Ja, der stilistische Bruch nach dem ersten Film könnte kaum grösser sein. Ungefähr so wie zwischen OHMSS und DAF im Bond-Universum ;)

PS: Wer die Blaupause für "Rambo II - Der Auftrag" noch nicht kennt, soll sich mal "Missing in Action" mit Chuck Norris (Joseph Zito, 1984) reinziehen. Mehr politische Unkorrektheit und billige Klischees geht nicht - dagegen wirkt Rambo II wie ein Kirchengesangsbuch - aber Spass macht das Teil. Aber bitte unbedingt die ungeschnittene Fassung schauen - das was da meistens im Free-TV läuft ist verstümmelter Mist :thumbdown: