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Scarpine

Verschlagener Korse

  • »Scarpine« ist männlich

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61

Dienstag, 18. Februar 2014, 18:03

@ Daniel Schweikert 1996

Willkommen hier im Forum! Ein paar Hinweise der Übersicht halber:

Wir haben einen Vorstellungsthread für Neulinge.

Eine abgestufte Rangliste ist am besten im Thread Bestenliste aufgehoben.

Im Unterforum Diskussionsrunde werden die Filme, Darsteller, Regisseure usw. dann einzeln diskutiert.
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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62

Dienstag, 18. Februar 2014, 19:33

Danke dass Sie mir einen kleinen Überblick verschafft haben.
Im Nachhinein sehe ich auch, dass das hier doch recht übersichtlich geordnet zu sein scheint. Von daher werden meine künftigen Posts schon im richtigen Umfeld landen ;-)
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Spree

Bondforumswissenschaftlicher Forscher & Mitglied der QOS-Splittergruppe

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63

Mittwoch, 28. Mai 2014, 17:22

Ich bin überrascht: NSNA wird wohl die rote Laterne meiner Bestenliste an DN abgeben. Er lief diesmal recht flüssig, Brandauers Übertreibung fiel nicht so stark ins Gewicht und Connerys selbstironische Art gefiel mir noch besser als sonst.

Beste Szene: "Bombe mit Bewegungsmelder", Schlägerei mit Lippe
Schlechteste Szenen: Domination, "Dann schneid ich dir die Kehle durch", Small-Fawcetts Auftritt, Actionszenen
I never left!

Mister Bond

Felix Leiter

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64

Mittwoch, 28. Mai 2014, 23:47

NSNA hat bei mir vor einiger Zeit Connery-intern auch DN und DAF abgelöst. Die anderen beiden finde ich irgendwie langweiliger.

rog

Agent

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65

Sonntag, 1. Juni 2014, 10:58

Das kuriose ist ja, dass SC nicht wirklich alt war, sondern nur recht alt aussah !

1930 geboren, also war er damals 52.

RM ist 1927 geboren und war bei MR 52 Jahre alt.

Nachher hat er noch 3 Filme gedreht. Ich weiß einige meinen 2 zu viele. Ich fand er sah sogar in AVTAK jünger als SC in NSNA aus.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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66

Sonntag, 1. Juni 2014, 14:16

Das mit dem Alter ist tatsächlich verblüffend:
Connery äußerlich immer recht betagt, jedoch dennoch cool und rollengerecht auftretend.
Sir Roger war in den 80ern durchaus einsatzfähig, aber wenn man nun AVTAK und TLD nebeneinander stellen würde, bzw. besser gesagt die Hauptdarsteller, so würde man spätestens dann der Überzeugung angehören, dass der Bond der "passt", doch eher 40 sein sollte als 50 aufwärts.

Doch das jüngste Alter wäre auch unerwünscht, weswegen es vielleicht gut ist dass Mister Dalton 1969 zu verneinen vermochte.

Um aber dem Thread gerecht zu werden, verliere ich nun noch ein paar Worte zu Sag niemals nie, einem -wie ich finde- bestbesetzten Film.

-Barbara Carrera und Kim Basinger sind wundervolle Bondgirls und Brandauer benimmt sich in seiner Rolle schauspielerisch ebenfalls ganz gut.
-Die Schauplätze (insbesondere unterhalb der Wasseroberfläche) sind sehr gut gewählt, sehr sauber in Szene gesetzt worden, sehr sehenswert! :)
-Das Grundkonzept des Films weiß deswegen zu gefallen, weil es auf einem der besseren 007-Abenteuer basiert: Thunderball.

Dennoch stören mich bei NSNA einige Faktoren, die nicht unwesentlich ins Gewicht fallen, sei es auch nur für echte Bondfans.
Damit meine ich den aus rechtlichen Gründen nicht vorhandenen anfänglichen Pistolenlauf, sowie die von Engelbart nachsynchronisierten Szenen.
Auch wirkt Connery keineswegs extrem gewillt die Rolle zu spielen. Absolute Spielfreude sah man ihm eigentlich nur bei den ersten Werken der Serie an.
Des Weiteren empfinde ich den Film aufgrund des trägen Einstiegs nicht gerade als kurzweilig, gleichwohl es zweifelsohne ein Streifen ist, welcher schätzungsweise 7 von 10 Punkten verdient hätte. Nun gut: insgesamt angenehm, aber eben nie so gänzlich der Star unter den Filmen, allenfalls noch unter den Inoffiziellen...
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Django

Der Andere

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67

Dienstag, 3. Juni 2014, 08:01

Hab da neulich gerade so einen Gedanken entwickelt: Wenn man NSNA (zu Recht) vorwirft, dass ihm diverse bondtypische Elemente fehlen, dann muss man auch gestehen, dass DN da nicht besser da steht...: Keine PTS, kein "richtiger" Bondscore (okay, immerhin ist das Theme schon da), kein "richtiger" Q... All das entwickelte sich erst in FRWL. Von daher ist NSNA eigentlich mindestens ein so "klassischer" Bond-Film wie DN.

PS: Ich hätte diesen Beitrag identisch auch im DN-Thread posten können.

Mister Bond

Felix Leiter

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68

Dienstag, 3. Juni 2014, 12:05

Das kuriose ist ja, dass SC nicht wirklich alt war, sondern nur recht alt aussah !

1930 geboren, also war er damals 52.

RM ist 1927 geboren und war bei MR 52 Jahre alt.

Nachher hat er noch 3 Filme gedreht. Ich weiß einige meinen 2 zu viele. Ich fand er sah sogar in AVTAK jünger als SC in NSNA aus.


Nicht ganz. RM war bei den Drehs zu FYEO im Alter Connerys, als dieser NSNA abdrehte.
Bei den Arbeiten zu MR war Sir Roger 50/51.



@Django:
Jetzt kann man DN zu Gute heißen, dass es den Erstlingsbonus hat, den Anfang der Ära markiert. Aber im Prinzip hast du Recht.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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69

Dienstag, 3. Juni 2014, 13:27

Dr. No habe ich seltsamerweise immer als klassischen Bond empfunden. Es fügen sich zwar noch nicht alle Zutaten zusammen (wie in Goldfinger und daraufhin nahezu nie nicht vorhanden), aber was er im Gegensatz zu Sag niemals nie hat, ist eben der Pistolenlauf, der mir trotz seiner inhaltlich geringen Bedeutung sehr wichtig ist.
Auch zeigt der Film einen Kult im "kultigsten" Sinne, wo doch auch Honey das klassische Bondgirl mit Kultcharakter und wundervoller Weiblichkeit repräsentiert(e) :)

Man sieht allerdings, dass DN zwar unter guter Regie entstand, jedoch keineswegs von utopischem Budget unterstützt war. Beim Film ist eine Million Dollar eben doch recht wenig Geld gewesen, insbesondere inflationsbereinigt. Als Privatbesitz wäre es natürlich nach wie vor viel bis wahnsinnig viel Geld.
Schade ist in der deutschen Fassung auch, dass die Stimme des Klaus Kindlers einfach nicht zu einem Bond passen möchte, Hoffmann war aber ideal...
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Feirefiz

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Dienstag, 24. Juni 2014, 23:10

NSNA ist in erster Linie ein Spaß-Bond, dabei aber auch (gerne übersehen) einer der produktivsten Beiträge desselben Franchise, zu dem er nach Meinung vieler noch nicht einmal gehört. An sich sollte der Film eine Retro-Veranstaltung sein als einziges offenes Remake im Bond-Kosmos und als letztmaliges Comeback des Original-Darstellers für all diejenigen, die keinen Nachfolger wirklich akzeptieren wollten. Dennoch war NSNA wohl der innovativste Bond seit GF, der die Bond-Formel sozusagen erstmals komplettiert hatte.

In so manchen Beiträgen ist hier schon darauf hingewiesen worden, wie EON sich in Details, Motiven und Figurenkonstellationen von der einzigen direkten Konkurrenz überhaupt „inspirieren“ ließ, besonders prominent in der Nachfolgeproduktion AVTAK, doch vor allem ist NSNA – angefangen bei seinem Titel – der erste durchgehend selbstreflexive Bond, er ist darin der SF der 80er, nicht unbedingt subtiler als Craigs zu Recht vielgepriesener Drittling, dafür aber spielerischer und einfach leichter – und damit gewissermaßen „bondiger“: Wie hier erstmals eine Endlichkeit Bonds angedeutet, seine Zeitgemäßheit thematisiert (etwa im Verhältnis zu M) und wesentliche Charakteristika der Figur wieder und wieder geradezu beiläufig in den Dialogen auf den Punkt gebracht werden, ohne dass es direkt auffällt oder bedeutungsschwanger daherkäme (nur ein sinngemäßes Beispiel, das Bonds Amalgam aus Professionalität, Spielernatur und Genussmensch perfekt umschreibt: „Ich werde Sie jetzt küssen: zum einen, um damit eine Reaktion zu provozieren – und außerdem, weil ich es schon immer wollte“): Das ist oft schon meisterhaft zu nennen.

Kurios auch, dass NSNA der vielleicht einzige Bond-Film ist, der das berühmte, aber innerhalb der Reihe nur sehr bedingt zutreffende Klischee des in aller Welt namentlich bekannten Geheimagenten ironisch auf die Spitze treibt (obwohl Bond und Largo sich das übliche Katz-und-Maus-Spiel der scheinbaren Höflichkeiten gönnen, wissen beide schon vor ihrer ersten Begegnung, dass ihr Gegenüber über den anderen im Bilde ist, Bond etwa durch Fatimas Hai-Attacke und spätestens nach Largos erster Begrüßung: „Sie müssen Mr. James Bond sein!“ – Die beiden sind sich nie begegnet, woher sollte Largo - aus Bonds Sicht - das also wissen, wenn er nicht - wie vorher schon Fatima - alles über ihn wüsste?). Der Film hat seine Mängel, er hat seine zwangsnotwendigen, juristisch bedingten Defizite (die er teilweise wieder zu Stärken zu machen versteht). Gleichzeitig hat er selbst in seinen Schwächen manchen Irrweg vorweggenommen: Das MG-Geballer im zugegeben schwachen Finale weist geradezu auf die Brosnan-Ära und insbesondere das TND-Ende voraus.

In diesem Sinne: Die Broccolis sollten angesichts dessen, welche Früchte NSNA im Franchise noch getragen hat, trotz aller gerichtlichen Scharmützel McClorys Erben wenigstens einmal im Jahr einen entsprechenden Präsentkorb schicken (zumal Bond in NSNA ausnahmsweise Obst isst). Und wer in diesem Film nur eine uninspirierte, geldschneiderische TB-Neuauflage sieht, sieht entschieden zu kurz!
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Feirefiz« (25. Juni 2014, 18:56)


Mister Bond

Felix Leiter

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Mittwoch, 25. Juni 2014, 03:21

@FEIREFIZ:
Nach den ganzen WM-Spielen, fände ich es, trotz meiner vollen Kräfte, schon super, wenn du deine Beiträge in Absätzen niederschreiben würdest.
Super interessant, aber schwer zu lesen....vielleicht habe ich ein paar zu viel intus....höre auch simultan ein paar John Barry Songs.

  • »Mr. Fogg« ist männlich

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72

Mittwoch, 25. Juni 2014, 05:19

Feirefiz erhebt die Bond-Begeisterung in den Adelsstand - regelmäßig!
Mir geht das Herz auf, wenn ich eine solche Kritik lese. Gerade in Bezug auf NSNA benötige ich hin und wieder diese Art von Medikament, die Feirefiz gelegentlich verschreibt. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber Connerys Nachschlag hat es bei mir schwer. Liegt es an der Musik? Oder am Farbmaterial. Ich weiß, dass SC nicht die Schuld trifft. Eher dann schon Brandauer.
Jedenfalls habe ich gerade Lust bekommen, den Film wiederzusehen- im Rahmen des Marathon ist er dann ja auch bald dran. Es wird meine Bewertung konsolidieren, Feirefiz´ Perspektive auf NSNA im Hinterkopf zu behalten.
God save the Queen!

Kronsteen

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Mittwoch, 25. Juni 2014, 09:21

Schöner Beitrag, Feirefiz. Ich stimme da einigen Punkten durchaus auch zu. Als selbstironische Rückkehr des Ur-Bonds in einem toll besetzten Film betrachtet, kann man NSNA einiges abgewinnen.
Und dennoch zündet er bei mir eben nicht richtig. Es ist weniger die fehlende Bondmelodie und schon gar nicht fehlende Bestandteile wie die Gun Barrel.
Für mich ist neben dem bereits erwähnten schwachen Finale und der etwas dünn erzählten Handlung v.a. die Optik ein Problem. NSNA sieht einfach nur ganz selten gut aus. Dabei hätte er so viel Potential gehabt. Ich habe irgendwo hier im Forum mal gelesen, Shrublands würde aussehen wie ein Kriegslazarett. Das bringts für mich auf den Punkt. Vor einigen Wochen habe ich ja den Drehort Luton Hoo besucht (hier die Bilder) und war erstaunt, wie man diesen tollen Drehort nur so mäßig in Szene setzen kann. Ganz ähnlich finde ich, dass die Bahamas im Gegensatz zu TB nur mangelhaft eingefangen wurden. Auch die Palmyra-Szenen in NSNA wirken billig und künstlich (so wie auch die unterirdische antike Stätte) und die Pre-Title (wenn man die so bezeichnen mag) erinnert vom Stil her an Chuck Norris' "Missing in Action".
Es ist bei NSNA die Kombination aus schwacher Musik mit schwacher Optik, die ihn bei mir weit unten ansiedeln lässt.
Brandauer ist ein Lichtblick. Sein Spiel ("...in einem Sanatorium in der Nähe von...[Pause]...London.", das Pfeifen von Schuberts Forellenquintett) und die Dialoge ("Mr. Bond, genießen Sie das Schiff!", "Bond, das Spiel ist aus!") mit Bond sind phantastisch und die Höhepunkte des Films. Ich mag sogar die schrillen Domination-Momente.
Kurzum toll besetzter Film mit grandiosen Höhepunkten, die aber das graue Mittelmaß des restlichen Films nicht überspielen können. Zudem nervt mich der MI6-Apprat mit M und Q!
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Martin

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74

Mittwoch, 25. Juni 2014, 14:22

Das mit der Optik ist mir letztens auch aufgefallen, als ich den Film erstmals auf Bluray gesehen habe. Am meisten stört mich da der achtziger-Jahre-typische Weichzeichner in manchen Szenen. Teilweise ist auch die Wahl der Locations unbefriedigend. Beispielsweise der Schönheitssalon, in dem Bond Domino massiert, da ist einfach nur eine weiß getünchte Mauer mit ein bisschen Grünzeug im Hintergrund. Oder die mit Grafittis bemalten Spielautomaten im Casino. In einem Eon-Bond hätte man auch aus solchen kleineren Locations viel mehr herausgeholt. Und einer der größten Trümpfe, die NSNA nicht ausspielt, ist das Monopol auf Blofeld und Spectre. Die Spectre-Versammlung wirkt wie irgendeine Gedichtlesung. Da ist nicht der Hauch einer Bedrohung zu spüren.

[img]http://nullnullsju.net/sirkus/wp-content/uploads/2012/02/alle_nsna.jpg[/img]

In dem Punkt ist TB wirklich haushoch überlegen. Auf der Haben-Seite sehe ich dagegen auch die schauspielerischen Interaktionen zwischen Brandauer, Connery und Carrera und die Dialoge. Celis Largo ist einfach ein simpler Mafiatyp, der auf den ersten Blick schon so böse guckt und aussieht wie er den gesamten Film über dann auch ist. Brandauers Largo ist da wesentlich vielschichtiger und macht beim Anschauen auch wesentlich mehr Spaß für mich. NSNA hätte das Produktionsdesign und die Kamera eines Eon-Bondfilms gut getan, vielen Eon-Bonds dagegen aber auch die Ironie und die Dialoge von NSNA. Vor allem in der Brosnan-Ära.

Feirefiz

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Mittwoch, 25. Juni 2014, 19:08

Zugegeben etwas verspätet, habe ich die von Mister Bond angemahnten Absätze eingefügt, auf dass im nächsten (Sieges-)Rausch die Buchstaben nicht allzusehr tanzen mögen ... ;) :prost:

Ansonsten sei noch rasch die Selbstverständlichkeit ergänzt, dass die erwähnte Selbstreflexivität - neben den streckenweise großartigen Dialogen und der generellen Anlage der Bond-Figur - vor allem durch Connerys herrliches Mienenspiel durchgehend präsent bleibt, mit dem er - wie schon spätestens seit YOLT, mit dem die allmähliche, wenngleich durch OHMSS unterbrochene Entwicklung hin zur Moore-Ära begann - während des ganzen Films mit dem Zuschauer kommuniziert, bis er am Ende die berühmte vierte Wand tatsächlich durchbricht - eine wandelnde Metaebene und dennoch bei aller Ironie ein 100-%ig "glaubwürdiger" Bond!
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Scarpine

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Samstag, 16. August 2014, 15:07

Nach einer fast einjährigen Bond-Pause habe ich nun wieder mal ein Werk meiner Lieblingsfilmserie zu Gemüte geführt. Ironischerweise fiel meine Wahl auf genau denselben Film, den ich zuvor als letzten konsumiert hatte: "Never Say Never Again".
Insgesamt war ich von Sean Connerys Abschiedsbond wieder angetan, aber doch nicht in dem Maße wie bei meinem Review aus dem letzten September. Der Streifen besitzt viele Stärken, weist aber auch sehr viele Schwachpunkte und verpasste Chancen auf.

Zunächst einmal zum Positiven: Sir Sean Connery liefert einfach eine Spitzenleistung ab! Man sieht dem Schotten wirklich an, dass ihm die Rolle wieder Spaß macht und in einigen Szenen sieht er zudem überraschend jung und frisch aus. Da glaubt man kaum, dass zwölf Jahre seit "Diamonds Are Forever" vergangen sind und Connery mittlerweile 53 Jahre alt ist. Eine sympathische und beeindruckende Vorstellung, bei der vor allem die ironischen Dialoge mit selbst für Connery-Verhältnisse ungewöhnlicher Süffisanz und diebischer Freude vorgetragen werden. Auch die anderen Hauptdarsteller machen ihre Sache sehr gut. Mit Kim Basinger konnte ich lange Zeit nicht sehr viel anfangen und ihre schauspielerische Leistung in diesem Film wird ja auch häufig kritisiert. Mittlerweile finde ich ihre Darstellung durchaus ansprechend. Man achte nur einmal auf ihre mimische Reaktionen wenn sie erkennt, dass sie sich unter den Händen eines falschen Masseurs entspannte oder dass ihre Bruder auf Largos Befehl ermordet wurde. Ihr Talent zeigte sie bereits in jungen Jahren und nicht erst – wie häufig kolportiert – ab den Neunzigern. Optisch kann sie auf den Zuschauer vielleicht auch deswegen nicht so wirken, da sie den halben Film über dieses fürchterliche Achtziger Jahre-Aerobic-Outfit auftragen muss. Unterm Strich ist ihre Domino Petachi zwar kein Top-Bondgirl, lässt aber doch die eine oder andere Konkurrentin hinter sich.

Eine wahre Augenweide ist Barbara Carrera in der Rolle der durchgeknallten Killerin Fatima Blush. Jeder ihrer Auftritte wird mit ausgefallener Musik und Mode zelebriert. Zusammen mit Largo bildet sie eines der besten und unterhaltsamsten Gangsterduos der Bondgeschichte. Carreras Figur bleibt ähnlich ikonisch und schrill im Gedächtnis wie ihre 1995-Nachfolgerin Xenia Onatopp. Überhaupt fiel mir dieses Mal wieder auf, wie zotig und direkt die Bondfilme bis in die späten Achtziger Jahre hinein teilweise den Erotik-Faktor bedienten. Regisseur Irvin Kershner macht bei diesem Nicht-Eon-Bondstreifen keine Ausnahme. So lässt nicht nur Fatimas Garderobe tief blicken, wir sehen nackte bzw. halbnackte Tatsachen im Masseursalon, die knapp bekleidete Fischerin, den orgastischen Wellenritt zwischen Bond und Fatima bei Seegang und schlussendlich den sehr durchsichtigen Aufzug Dominos an Bord von Largos Jacht. Dagegen wirken die Brosnan- und Craig-Filme heutzutage fast schon bieder. ;)

Das Highlight dieses Bondwerks stellt in schauspielerischer Hinsicht aber Klaus Maria Brandauers charmant-soziopathischer Villain Maximilian Largo dar. Die Figur wird im Grunde genommen allein von der darstellerischen Klasse des Österreichers getragen. Auf dem Papier gibt die Rolle im Hinblick auf Screentime und Dialoge eigentlich nicht so viel her (der 1965er Largo ist zwar nicht so vielseitig angelegt, aber wesentlich besser in die Handlung integriert). Aber Brandauer gelingt es vollzüglich die Figur mit all ihren Facetten glaubhaft und authentisch zum Leben zu erwecken. Der Largo von Adolfo Celi war eigentlich nur ein weltmännisch auftretender Mafioso, der von Brandauer ist viel mehr: Unternehmer, Geschäftsmann, Archäologe, Wohltäter, fanatischer Spieler, ebenso fanatischer Liebhaber mit Sinn für Luxus, Technik und Kunst. Er besitzt diese private Seite, die dem 65er Largo und vielen anderen Bondvillains fast völlig abgeht, und wirkt deswegen erschreckend realistisch und authentisch. Brandauer spielt mit einem Charme und Witz, die diesen Charakter sympathisch machen und bewusst in einem krassen Widerspruch zu dessen krankhafter, aber berechnender Cholerik und dessen Sadismus stehen.

Auf diese Weise kreiert Brandauer die Aura einer charmant-düsteren Persönlichkeit, die für viele spätere Bondschurken prägend sein sollte. Besonders fallen einem die Szenen im Casino ins Auge, wo Largo insgesamt seine besten Momente hat. Hier treffen Bond und Largo erstmals zusammen, duellieren sich im Domination-Spiel und Largo und Fatima konspirieren hinter den Kulissen. Largo verliert mit der gleichen Nonchalance (nach außen) wie er gewinnt und meint zu Fatima in Bezug auf Domino "Vielleicht wirst du sie eines Tages umbringen müssen.", um gleich darauf verschmitzt zu lachen. Und doch besitzt Largo eine fatale Schwäche: die Liebe zu Domino, die nach ihrem Verrat zunächst in blinde Wut umschlägt. Mein Lieblingsszene mit Largo ist eindeutig die Passage, als Largo sich von Bond im Verlies verabschiedet, Domino den Kassettenrekorder vor die Füße stellt und dann vergnügt von dannen schreitet, um sich dann noch mal mit einem Siegerlächeln zu Bonds Verliesfenster umzudrehen. Was für eine wunderbare Schurkenszene, die mich immer ein wenig mit dem nicht ganz so großartigen Abgang Largos versöhnt. Auch hier blitzt die Tragik Largos so stark auf, wie bei fast keinem anderen Villain: Die Frau, die er liebte, verrät ihn nicht nur, sondern gibt ihm mit einem Harpunenschuss ins Herz, den finalen Gnadenstoß, nachdem ihn der Unterwasserschlitten bereits an dem Felsen eingeklemmt hatte. Für mich auf jeden Fall einer der fünf besten Villains innerhalb der Reihe.

Bei den Nebendarstellern gibt es hingegen deutlich mehr Schatten als Licht. Edward Fox als missmutigen M mochte ich früher nicht so, mittlerweile finde ich die Szenen mit ihm deutlich amüsanter. Fox` Darstellung passt einfach zur Stimmung des ganzen Films: "Seihen Sie doch einmal ernst, Bond!" Auch Bernie Casey liefert eine sehr gute Leistung ab. Sein Felix Leiter ist dynamisch, sympathisch und kumpelhaft. Er und Bond haben fast etwas von einem Buddy-Duo. Wenn der Film Casey mehr Raum geschenkt hätte, könnte er beinahe mein Lieblingsdarsteller des CIA-Agenten werden. Der Blofeld von Max von Sydow kann mich hingegen nicht begeistern. Er wirkt irgendwie zu introvertiert, wie ein ergrauter Professor. Überhaupt muss ich der Mehrheit hier zustimmen, dass die Spectre-Szenen doch recht dürftig sind. Abgesehen von der netten Idee mit dem Totenkopf hat man wirklich den Eindruck, dass das eine nette Samstag Abend-Gesellschaft ist, die sich zum Tee trifft, aber keine die Welt in Angst versetzende Terrororganisation. Richtig dürftig finde ich zum Teil auch die restlichen Nebenakteure. Alex McCohen, Pamela Salem und Saskia Cohen Tanugi haben zwar keine großen Parts, aber darstellerisch geben sie ihren Rollen ja praktisch gar nichts. Rowan Atkinson geht in Ordnung, auch wenn seine Auftritte schon sehr gewollt komisch sind.

Die Inszenierung von Irvin Kershner ist ganz ordentlich. Die Action-Szenen sind temporeich und die Unterwassersequenzen haben eine schöne Stimmung. Insgesamt wirkt der Film aber doch ein wenig langatmig. Die Schuld würde ich hier den Drehbuchautoren geben. Irgendwie ist die Filmstory weder sehr geradlinig, noch sonderlich gut durchdacht. Die erste Bahamas-Szene zwischen Bond und Fatima ist eigentlich völlig überflüssig, da sich die beiden schon von Shrublands kennen. Würde man die ganze Sequenz herausschneiden würde das den Film überhaupt nicht beeinträchtigen. Man hätte diese ganze Attentatsserie etwas zusammenstreichen sollen. Irgendwie hat man teilweise den Eindruck, Bond reist von Handlungsort zu Handlungsort und zwischendrin passiert nicht viel. Überhaupt machen die Locations (Bahamas, Südfrankreich, Nordafrika) alle einen sehr einheitlichen mediterranen Eindruck. Da wäre eine Abwechslung (Nordische Location mit Ski-Action?) ganz reizvoll gewesen. Die Auftaktszene ist analog zu den Eon-Pretitles ganz nett, aber wenig spektakulär. Da hätte man mehr draus machen können. Auch die ganze Sache rund um den heroinsüchtigen Petachi, dem man das rechte Auge des amerikanischen Präsidenten verpasst hat, wirkt gegenüber dem Originalstoff sichtlich abstrus und trashig. Hier verschlechtert man sich gegenüber dem Original, anstatt die Chance wahrzunehmen, dem Szenario einen würdigen, zeitgemäßen Anstrich zu geben. Hinzu kommt, dass weder Spectre als Organisation wirklich bedrohlich erscheint (es agieren eigentlich nur Largo und Fatima), noch das Bedrohungsszenario als solches auf den Zuschauer wirken kann. Die Bedrohung von Ölfeldern im Nahen Osten ist insgesamt eine zuwenig greifbare Bedrohungssituation (zumal man den ganzen Film über kein Öl-Feld zu Gesicht bekommt). Am stärksten ist der Film im Nordfrankreich-Part, danach geht ihm etwas die Luft aus. Das Finale baut wenig Spannung auf, die Höhlenaktion ist wenig aufregend, aber immerhin reißt es der ganz gut choreografierte Zweikampf zwischen Bond und Largo unter Wasser noch etwas raus. Schade um die verpassten Chancen, denn der Streifen hätte ein echter Kracher werden können.

Das Production Design von Stephen B. Grimes und Philip Harrison ist eigentlich völlig nichtig. Viele Settings machen einen langweiligen, weil beliebigen Eindruck. Eine Riesenenttäuschung ist hier der finale Höhlenschauplatz, der wie aus dem Baukasten aussieht. Douglas Slocombes Cinematographie finde ich wenig einprägsam. Es gibt eine paar nette Szenen und Farbspiele, aber insgesamt sind die vielen verwaschenen Farbtöne und Weichzeichnereinsätze nicht gerade begeisternd. Die Musik macht einen ordentlichen Eindruck, ohne weltbewegend zu sein. Lani Halls Titelsong ist ein gefälliger Ohrwurm, gehört aber für mich nicht zu den Topliedern der Serie. Der Score von Michel Legrand ist ganz nett, spornt mich aber jetzt nicht zu Begeisterungsstürmen an. Ein paar guten Stücken stehen etwas kalte, bonduntypische Tracks gegenüber. Da fühle ich mich etwas an Eric Serras Arbeit erinnert. Beispielsweise passt die lautmalerische Musik bei dem Atombombendiebstahl eher zu einem Star Wars-Film. Das kann aber auch Zufall sein, da Kershner nur drei Jahre früher mit "The Empire Strikes Back" den beliebsten und wohl auch besten Star Wars-Film drehte. Vielleicht gefiel ihm der John Williams-Stil so gut, dass Legrand ihn teilweise adaptieren sollte? Was mir abschließend, anhand der wunderbaren Unterwasseraufnahmen noch in den Sinn kam, ist, dass Daniel Craig neben Ski-Action und Auftritt in Royal Navy-Uniform eigentlich auch eine Mission mit größeren Unterwasserszenen fehlt, um alle Punkte von der Checkliste für einen großen Bonddarsteller streichen zu können.

Unterm Strich: Ein angenehmes Wiedersehen mit einem der Stiefkinder des Bond-Fandoms. Leider können Regie, Drehbuch und die handwerklichen Sektionen insgesamt nicht mit den erstklassigen schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller mithalten. Wäre das der Fall, würde "Never Say Never Again" wohl zu den besten Bondfilmen zählen oder wäre in der Folge gar zu einem Bond-Meisterwerk geraten.
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The Duke

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77

Freitag, 2. Januar 2015, 18:34

Gestern NSN zufällig im ZDF gesehen,

ich kann nur sagen: Der Film wird und wurde von mir ziemlich unterschätzt, ziemlich einzigartiger und humorvoller Bond. Hier ein paar Gedanken(striche)...

-Connery ist mir ein wenig zu alt und hat... ähmmmm... eine ziemlich komische Bräune im Gesicht, spielen tut er allerdings (m.E.n. wie immer) wie eine Eins. Ersteres stört mich minimal
-Brandauer ist die Eins des Films. Punkt
-Motorradjagt hat sehr viel Spaß gemacht
-Stilistische Richtung des Secret Service (M,Q) erfrischend, mal was anderes
-Ende hab ich nicht "verstanden" vom Spannungsbogen, oder wie auch immer man es nennen mag. "Verschenkt"
-Grenzt an Parodie, gerade deswegen besitzt der Film Charme
-Kim Basinger ein bisschen flach gestaltet
-Wenn er jetzt nochmal zufällig im Fernsehen kommen würde, wär ich nochmal dabei
-Ist ein "offizieller" Bond, Eon hin oder her, andere Interpretation, aber Bond. James Bond
-Macht Spaß
-Meine Freundin fand ihn MEGA, hat vielleicht ein bisschen abgefärbt. Dazu sei gesagt, dass Sie die meisten anderen nicht kennt, was für eine Schande :trost:

Wertung, puhhhh, schwierig, ich sag ehrlich 7/10, aus dem Bauch. Hat mir echt (wieder) gefallen. Jetzt TMWTGG.

Frohes Neues :party:

Duke
"I don't see myself as the Hunk of the Month" -Pierce Brosnan

Mi6london

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78

Freitag, 2. Januar 2015, 19:03

Gestern auch mal wieder gesehen nach langer Zeit und bin maßlos enttäuscht bis auf Connerys ironische Spielweise ist der Film für mich ein Riesen Flop
"Double 0 Seven reporting for Duty" "This Never Happend to the other Fella"

Kronsteen

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79

Samstag, 3. Januar 2015, 12:29

Mir gehts da leider ähnlich wie MI6london.

Ich habe den Film vor einigen Tagen auch mal wieder gesehen und muss zugeben, dass ich bei kaum einem Bondfilm dermaßen zwiegespalten bin wie bei NSNA.

Einem unglaublich guten Cast steht ein äußerst mäßiger Film gegenüber.
Alles, was Brandauer, Carrera und v.a. Connery positiv bewirken, wird durch die mangelnde Optik, den mageren Plot und die schlechte Musik zunichte gemacht.
V.a. die Bahamas-Szenen wirken schwach - v.a. wenn man weiß, was dort möglich gewesen wäre.

Und am Schluss in Nordafrika wirkt alles nur noch künstlich - der Sprung Bonds und Dominos mit dem Pferd und v.a. die antiken Skulpturen aus Pappe.
Zudem hat Largo von allen Bondschurken den schwächsten Abgang.

Für mich einer der schwächsten Bondfilme - trotz der tollen Besetzung.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Feirefiz

The Other Fellow

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80

Montag, 28. Dezember 2015, 13:25

Ich weiß nicht, ob ich es schon einmal erwähnt habe, aber ich gehöre zu der offenbar überschaubaren Schar der Bond-Fans, die NSNA für einen großartigen Beitrag zur Franchise-Geschichte halten. In erster Linie hat das sicher mit dem Nostalgie-Faktor zu tun. Ich lernte Bond in den 80ern am Fernsehschirm kennen, und zu den Filmen, die 007 für den kleinen Feirefiz gewissermaßen definierten, gehörte neben DN, GF und YOLT eben auch NSNA – ich sah den Film übrigens lange vor TB, weswegen für mich das Verhältnis „Original-Remake“ hier gefühlsmäßig immer umgekehrt sein wird – wohl auch ein Grund für den verhältnismäßig schweren Stand, den TB bei mir hat: Liebe ist nicht fair.

Gleichwohl ist es nicht nur der sentimentale Blick durch Kinderaugen, der mich NSNA nach wie vor hochschätzen lässt, auch nicht allein die gute bis brillante Besetzung, die großen Szenen und die meist herrlichen Dialoge – sondern ebenso die Innovationskraft, die diesem oft als lieblosen Abklatsch und reine Retro-Show gescholtenen Film innewohnt, die mich zu verzücken versteht. Dieser Einfallsreichtum ist auch EON nicht entgangen. Mag die EON-Truppe NSNA nach wie vor öffentlich ignorieren, ist sich nicht zu übersehen, wie sehr sie den Film von Anfang an als ernsthafte Konkurrenz verstanden hat (von den unzähligen Versuchen, ihn juristisch zu verhindern, bis zur Verpflichtung Roger Moores für OP, um nicht mit einem neuen Darsteller gegen das Comeback des „Originals“ antreten zu müssen) – und vor allem, wie genau EON ihn sich ansah und sich – nun ja – inspirieren ließ: vom unmittelbaren Nachfolger AVTAK bis in jüngste Zeit. In seiner unangestrengten Selbstreflexivität nimmt NSNA nicht nur die Craig-Ära und insbesondere SF vorweg, sondern bildet ein gelungenes Fazit der ersten großen Bond-Epoche (auch wenn diese natürlich erst mit AVTAK ihren endgültigen Abschluss fand).

Die Anleihen EONs bei NSNA habe ich selbstredend nicht als Erster entdeckt, auch bei uns im Forum gab es immer wieder mal entsprechende Verweise, von anderen wie auch bereits von mir (Rückgriffe auf frühere Postings bitte ich mir nachzusehen). Ziel dieses Beitrags ist, diese Inspirationen einmal zu sammeln. Diese Zusammenstellung bezieht sich mal auf Details, mal auf Grundsätzliches, mal sind die Bezüge überdeutlich, mal eher vage, und ganz gewiss sind die folgenden Ausführungen nicht vollständig (Ergänzungen: sehr gerne!):

- Der unmittelbare Nachfolger: Ist NSNA ein offenes Remake von TB bis zu den Figurennamen, präsentiert sich AVTAK als ein Quasi-Remake des anderen Connery-Überhits, nämlich GF (das muss ich wohl nicht näher ausführen). Bei der Gestaltung des Villains hat EON nicht einmal ansatzweise versucht, das Vorbild NSNA zu kaschieren: In AVTAK trifft ein gealterter Bond (auch wenn sein Alter nicht thematisiert wird wie in NSNA, der aus der scheinbaren Not eine Tugend macht) auf einen jungen (erstmals bei EON jünger als Bond), blonden Schurken namens Max, der ein Faible für getönte Brillen und insbesondere Computerspielereien hat und sich zunehmend in exaltierten Wahnsinnsausbrüchen gefällt. Auch der Max in AVTAK fordert Bond zu einem spielerischen Wettkampf heraus, den er selbstverständlich verliert (so ein spielerisches Kräftemessen zwischen Bond und dem Schurken ist zwar ein Standard seit GF, aber die offensive Herausforderung durch den Schurken trotz des Wissens, wer sein Gegenüber ist, war, glaube ich, vor NSNA so noch nicht aufgetaucht)
- Fatima basiert zwar auf der Femme Fatale Fiona, wird aber in ihrer aggressiven, Sexualität eindeutig als Waffe gebrauchenden Überzeichnung zur Blaupause diverser Henchwomen: angefangen bei Grace Jones‘ Over-the-Top-Auftritt in AVTAK und gipfelnd in Xenia in GE, die ihrem Charakter gemäß einen ähnlich cartoonartigen Abgang erhält wie die explodierende Fatima
- M: In NSNA muss sich Bond mit Veränderungen beim MI6 herumschlagen, namentlich mit einem neuen Chef, der mit den unzeitgemäßen Doppelnullagenten, ihren vermeintlich antiquierten Methoden und vor allem ihren skurrilen Gadgets aus der Abteilung Q brechen will. Bond zählt auf einmal zum alten Eisen. Dass Edward Fox' M generell keine Verwendung für Doppelnullagenten hat, nimmt sogar ihre ausgerechnet von den Schurken betriebene Einmottung in SP vorweg. Als Bond dann erfolgreich ist, gibt sich M auf einmal als Bonds bester Freund, wirkt aber mit seiner Einladung zum Mittagessen in seinen Club plötzlich selbst wie ein Vertreter jener alten Zeit, die er doch eigentlich zu überwinden trachtete. Nun ist nicht mehr Bond aus der Zeit gefallen, sondern der neue M, der nicht an ihn geglaubt hat. Dies im Hinterkopf, betrachten wir die beiden Ms, die EON nach NSNA eingeführt hat (Robert Brown lassen wir als Stellvertreter und spätere Quasi-Inkarnation Bernard Lees mal außen vor):
=> Judi Dench: Dame Judis M gibt sich ebenfalls als Erneuerin, die mit dem sexistischen Relikt des Kalten Krieges nichts anfangen kann. Doch auch sie wechselt, wenngleich zunächst noch reserviert, auf Bonds Seite, als dessen Methoden und Instinkt sich als zielführend erweisen; dies steigert sich im Laufe der Brosnan-Filme bis zum Partnerlook im letzten Drittel von TWINE, flankiert von wiederholten Ergebenheitsadressen bzgl. 007 („Er ist der Beste, den es gibt“). Mit dem Darstellerwechsel zu Daniel Craig wird dann ausdrücklich M selbst nach eigenem Bekenntnis zum alten Eisen („Wie mir der Kalte Krieg fehlt!“) und trauert mehr als einmal fast sentimental den vergangenen Zeiten nach, während Bond auf der Höhe der Gegenwart ist. Sicher verkörpert Judi Dench zwar zwei verschiedene Ms (je nach Bond-Darsteller), aber über ihre Person wird eine Quasi-Kontinuität hergestellt, mit der bewusst gespielt wird – siehe die beiden „Kalter Krieg“-Einlassungen,die ihr Verhältnis zum jeweils neu eingeführten Bond in dessen Debüt charakterisieren)
=> Ralph Fiennes: Ähnlich wie Edward Fox ist Mallory keine Vaterfigur, sondern etwa aus derselben Generation wie Bond, er tritt 007 zunächst offen ablehnend entgegen, bevor er dessen Qualitäten anerkennen muss. Bond behandelt Mallory zu Beginn fast ähnlich respektlos wie Connery Fox (Connery bleibt dabei bis zum Schluss, aber sein Bond geht am Ende ja auch in den Ruhestand)
- Q und seine Gadgets: Diese sind beim MI6 in NSNA nicht wohlgelitten, helfen Bond aber bei seinem Auftrag – namentlich ein Explosionen auslösender Stift, wie er auch später noch ähnlich zum Einsatz kommen (GE), in SF aber offen abgelehnt werden sollte, bevor sich Q in SP doch wieder klassisch anmutenden Spielereien widmet. In NSNA erkundigt sich Bond nach der Funktion eines vermeintlichen Gadgets, das sich als profaner Alltagsgegenstand herausstellt (Nasenspray). Das sollte später noch häufiger geschehen (oder gab es das auch schon vorher?), etwa wenn John Cleese spöttisch die Funktionsweise eines Reißverschlusses erklärt.
- Bonds Alter/Selbstreflexivität: Beschränken sich die Anspielungen auf frühere 007-Filme meist auf das rein spielerische Zitat, setzte sich NSNA tatsächlich mit der Figur Bond auseinander – und das, obwohl gerade diesem Film eindeutige Zitate und Verweise ja verboten waren: In NSNA wird erstmals Bonds Alter zum expliziten Thema, während es zu dieser Zeit von EON eher übergangen wurde und bei den späten Moore-Filmen eher Anlass zu Feuilleton-Spöttereien bot (Stichwort: 0070). Dieser Spott zielte natürlich nicht nur auf das fortgeschrittene Alter der Hauptdarsteller, sondern auch auf die Bond-Filme an sich, die als nicht mehr zeitgemäß und in Routine erstarrt betrachtet wurden; schon Lazenby soll bei seiner Ablehnung, einen Vertrag über mehrere Filme zu unterzeichnen, ja von dem Eindruck, Bonds Zenit sei überschritten und seine Tage gezählt, motiviert gewesen sein. Nachdem Bond (wenngleich nicht aus dem luftleeren Raum stammend) in den 60ern Trends gesetzt und zahllose Nachahmer, Parodien etc. nach sich gezogen hatte, hatte er sich in den 70ern selbst zunehmend an aktuellen Trends orientiert (Blaxploitation, Kung Fu, Star Wars; hier macht NSNA mit seinen Anleihen am 80er-Action- und am Buddy-Film (Eingangsszene, Felix) keine Ausnahme, sondern greift das erwähnte Erfolgsrezept auf) und gleichzeitig das Selbstzitat gepflegt, ohne dass dies von EON problematisiert worden wäre. Ausgerechnet das erste offene Remake stellte sich nun diesen Fragen und beantwortete sie klar zugunsten Bonds. (Auch wenn Bond hier am Ende in Rente geht, hält er sich eine Rückkehr im Wortsinn augenzwinkernd offen, und gerade M, der Bond am Anfang am liebsten lebenslang suspendiert hätte, umwirbt ihn nun hartnäckig, da Bond noch gebraucht wird). Diese "Hinterfragung" Bonds und seiner Relevanz für die Gegenwart wird insbesondere in GE - nach dem kommerziellen Abwärtstrend der 80er, dem Fall des Eisernen Vorhangs und der längsten Pause der Franchise-Geschichte konnte auch EON nicht mehr einfach zur Tagesordnung übergehen - und in SF aufgegriffen, namentlich im Verhältnis Bonds zu seinen Ms. Thema und Themenbehandlung haben mit NSNA also ein klares Vorbild, wie auch die Details zeigen: Am Ende des Vorspanns bzw. der PTS wird Bond vermeintlich tödlich verwundet, und zwar jeweils von einer Person, die man eher auf seiner Seite sehen würde (das Entführungsopfer hier, Moneypenny dort). Bond muss sich zu Beginn beider Filme diversen Tests unterziehen und scheitert für seine Verhältnisse kläglich, was bei der jeweils neuen M-Figur zu entsprechender Kritik und zum Wunsch nach der Ausmusterung Bonds führt. In beiden Filmen sieht man Bond zudem am Schießstand. Im eigentlichen Einsatz zeigt der „alte Hase mit neuen Tricks“ aber, was er zu leisten imstande ist, denn wie Bond schon in NSNA feststellt: "Training und Einsatz sind nicht dasselbe." Ein gealterter bzw. alternder Bond findet sich in einer neuen Zeit wieder, die er sich im Laufe der Handlung völlig zu eigen macht, bis seine Kritiker (M) auf seine Seite wechseln und/oder selbst alt aussehen: siehe entsprechend GE, Übergang Brosnan-Craig, SF
- Der MI6 präsentiert sich in NSNA in einer Umbruchsphase und generell in schlechtem Zustand: siehe GE. SF, SP
- Erfreut sich in den Medien der Ruf nach einem schwarzen Bond-Darsteller wachsender Beliebtheit, war NSNA der erste 007-Film, der eine etablierte Figur mit einem schwarzen Schauspieler besetzte, nämlich Felix Leiter. EON zog bei Felix in CR und QOS nach – und ab SF bei Moneypenny
- QOS: Bond wird am Flughafen der Stadt, in der sich der Bösewicht aufhält, von einer unerfahrenen Geheimdienstmitarbeiterin in Empfang genommen, mit der er auch in der Kiste landet. Bond besucht ein Wohltätigkeitsfest des sich als Menschenfreund gebenden Bösewichts, dem er in diesem Rahmen zum ersten Mal begegnet. Der Bösewicht wird auf seinem eigenen Fest von Bond in seine Schranken verwiesen, zugleich gibt es Konfliktstoff zwischen dem Schurken und seiner (ehemaligen) Geliebten. Als Bond nach einer langen Nacht nach Hause kommt, findet er die Geheimdienstmitarbeiterin tot im Bett vor. Haben wir alles auch in NSNA.
- Allgemein wirft man NSNA gerne vor, glanzlos inszeniert zu sein. Ausnehmen muss man davon sicher den Tanz von Bond und Domino: Wie theatralisch-stilisiert, zu denkbar dramatischer Musik hier die Handlung vor eindrucksvoller Kulisse vorangetrieben wird (inklusive Kameraführung, Connerys steinerner Miene in der Szene und nicht zuletzt dem ebenfalls tänzerischen Abgang Fatimas) – das alles ist ganz große Oper und für mich die Bregenz-Szene der 80er-Jahre: Letztere übrigens auch eine Sequenz, die selbst von denen überwiegend geschätzt wird, die mit der Inszenierung des umstrittenen Restfilms nicht viel anzufangen wissen
- In NSNA prügeln sich Bond und Lippe geradezu episch durch einen Haushalt, auch durch eine Küche und unter Einsatz diverser Haushaltsgegenstände: siehe den Kampf Henchman-Agent (wenngleich nicht Bond) in TLD vor der vermeintlichen Entführung Koskovs
- Eifersüchtige Schurken: Sind Bond-Schurken meist eher asexuelle Machtmenschen, zeigt Max Largo durchaus auch sexuelle Eifersucht in Bezug auf seine Gespielin und – bevor Bond ins Spiel kommt – ihren Tanzlehrer: In der PTS von LTK empfindet und handelt Sanchez entsprechend (auch Greenes Verhalten gegenüber Camile ist ähnlich motiviert), wenngleich hier eher gekränkte Eitelkeit und des Franzens großes Thema „Loyalität“ durchscheinen, bei dem er ja keinen Spaß versteht. Ansonsten gilt hier wie da wohl auch Frank Underwoods Devise: „Es geht bei allem nur um Sex. Außer beim Sex: Da geht es um Macht.“
- Bond fällt während des Vorspanns von NSNA beim Test durch, weil er ein mögliches Stockholm-Syndrom bei der Geisel nicht in Erwägung zieht: Dieses ist auch ein Thema in TWINE, und auch hier liegt Bond mit seiner Einschätzung falsch, wie er bald erkennen muss
- Wenn ich jetzt nicht etwas vergesse, bietet NSNA die erste große Action-Szene mit Bond auf einem Motorrad (TND, SF)
- SP: Auch Denbigh trägt den Vornamen Max: Der erste EON-Blofeld-Handlanger nach NSNA ist also gewissermaßen nach dessen Spectre-Edelmitarbeiter benannt


Für den Moment: That’s it …
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Feirefiz« (2. Januar 2016, 20:45)