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  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Freitag, 14. April 2017, 18:08

"Das süße Jenseits" - unser geschätzter Dr. Move ist ja ein bekennender Egoyan-Fan, weitere Werke seines Filmuniversums, welche ich bedenkenlos empfehle, sind u.a. "The Adjuster", "Chloe" uvm.
Text enthält Spoiler

„We are all citizens of a different
town now, … strange and new“, kalt wie ein Wintermond, die Angst
sie uns innewohnt


Vor 20 Jahren, so die sich bewahrheitet
habende Legende, sollte es geschehen: es entstand „Das süße
Jenseits“, hierbei handelt es sich nun um meine persönliche
jubiläumsbedingte Ehrerbietung, den Beitrag zu einem
formvollendeten, zwischen 12/95 und dem 29.11.97 spielenden
Meisterwerk, dessen Qualität nicht in Worte zu fassen ist, ein
makelloserer Film ist mir noch nie zuvor begegnet.

Ich verwende als Schreibplattform die
Veröffentlichung des Buches, da alle einzelnen Filmbereiche
ebendiesen Werkes bereits von und mit Beiträgen meinerseits belegt
sind, ich bitte um Verständnis...


Beginnend in magisch-mysteriöser
Dunkelheit, ähnlich geheimnisvoll wie im Jahre 1994 in Exotica, hier
nun jedoch leichte Winde im Hintergrunde zu vernehmen, die Flöte sie
singt ihr fabelhaftes, in den hübsch gestalteten Rahmen einer
Märchenerzählung passendes Volkslied innerer Idylle. In trauter
Dreisamkeit nun die junge Familie des Mitchell Stephens zu erblicken,
die Ehegattin und das im Gesichtsausdrucke ein wenig an Altmeister
Roman Polanski erinnernde Töchterlein, dessen konzentrierter Blick
in nicht allzu ferner, bereits spürbarer Bälde noch eine tragende
Rolle wird spielen dürfen. Die Tochter nun, wir schreiben wieder ein
gegenwärtiges Jahr, bei den dem Rauschgifte nicht abgeneigt seienden
Leuten stehend, in aktueller zivilisatorisch besetzter Welt, oh welch
Kontrastbilde zum betagten Vater im Wagen, zwar ebenfalls von engem
Raume umgeben, sich jedoch in bedeutend einsameren Regionen
aufhaltend, die disfunktionalen Kommunikationskomplikationen in der
von komplexen Zusammenhängen und erschreckenden Rissen geprägten
Beziehung zwischen ungesunder Tochter und besorgtem anwaltlichen
Vater, erschüttern uns zutiefst. Sarah Polley in dieser ihrer
innigsten Rolle der Nicole nun eine Ballade erklingen lassend, der
Vater, wie er zu Beginn eher als eine Art „Weggefährte“/“Freund“
portraitiert wird, wohnt dieser eines öffentlichen Anlasses wegen
erfolgenden Probe für eine Aufführung, ein Konzert, scheinbar
verständnisvoll, im Kerne jedoch von keinerlei Sympathiefaktoren
geprägt, bei, bewundert in ihr die vielleicht falschen Aspekte,
anstatt sie wirklich ihrer Darbietungen wegen zu lieben, begrüßt er
lediglich die Unschuld in ihr. Im Hintergrunde wir die Bilder ihres
Antlitz' sehend, sie in pittoresk-malerischem Lichte engelsgleicher
Wunder erstrahlen lassend, zudem untermalt von einem sich in dieser
Form wiederholenden, geradezu hypnotischen Score von Mychael Danna.
So oft nun unterstützt der Klang den alsbald zu erfolgen drohenden
Zeitwechsel, wie er uns jederzeit packen, betören kann, im Positiven
wie im Negativen zu überwältigen vermag.

Das Minutenbild der Momentaufnahmen
beizeiten so kristallklar im seelischen Zerfalle und Ertragenmüssen
von Qualen, dabei niemals geradlinig, sondern stets eine
bemerkenswerte Mixtur dessen, was einstmals geschah, sich gegenwärtig
zuträgt und künftighin Gestalt annehmen wird.

Das Riesenrad des Rummelplatzes, das
gemeinsame Zu-sich-Nehmen einer Erfrischung aus leck'rem Eis, die aus
den aus dem Bus steigenden Kindern bestehende, auf Neudeutsch,
Community, jawohl, noch scheint alles scheinbar unbeschwerter
Schwerelosigkeit innerer Wunder zu unterliegen, zusammen begrüßen
Nicole und Sam die noch existierende, in Bälde in Welten gespaltene
Gruppe. Das Hotel der Walkers ist es, welches von Stephens zuerst
aufgesucht wird, ehe die Besuche eine kaum mehr zu überblickende
Zahl ihr Eigen nennen werden. Der Anwalt dringt mit überzeugenden
Vorträgen in die Psyche der schwer traumatisierten Eltern ein, stets
einen Notizblock bei sich habend, um pflichtgetreu alles
festzuhalten. Fast einem Prediger gleichend, widmet er sich geradezu
fanatisch seiner ihm von ihm selbst zugedachten Aufgabe, um letzten
Endes doch nur von dem gewaltigen Umfange der Unannehmlichkeiten
seines eigenen Schicksals zu fliehen. Mr. Walker versucht über jeden
seiner Mitmenschen ein negatives Urteil ins Leben zu rufen, einzig'
bei den künstlerisch veranlagten Otto's, dem sympathischen Paar
wunderschönen Hauses, wie wir es später werden erblicken dürfen,
scheint ihm die Herbeiführung von Kritik nicht so recht zu gelingen.
Lediglich ihr „They are smart, ...went to college“ scheint ihn zu
stören, als seien nur Akademiker des Wissens Träger, so ist dem
nämlich mitnichten. Stephens' Telefonat mit der den Drogen nicht
Adieu sagenden Tochter, wird, es kommt noch zu mehreren weiteren
Gesprächen, während der Walker-Besprechung seine Entstehung finden
lassen, zur selben Zeit diskutiert das Paar und wir erleben, zwei
Zweier-Debatten folgend, unheimlich viel Gesprächsdynamik auf
einmal, geschickt eingefangen von Egoyan, ...auch noch tatsächlich
beiden Unterhaltungen folgen zu können. Alison erweist sich, hier
schreiben wir nun wieder das eigentliche Filmjahr, nämlich 1997, als
eine begnadete Zuhörerin, geradezu der Rolle einer Art Therapeutin
gerecht werdend, alles strömt nun regelrecht aus seiner Seele
heraus, tritt sich angestaut habend nachträglich hervor, nur und
ausschließlich hier, erleben wir ihn ganz und gar als jenen
Menschen, dessen Wesen auch jenseits des anwaltlichen Daseins lebt,
atmet, spürt und fühlt, gar empfindet. Die anwaltliche Rolle und
Aufgabe nun also szenenweise abgelegt und beiseite geschafft, jene
Berufung, welcher er sich seiner geschickten Rhetorik wegen einstmals
verschrieben hat. Nun besuchen wir die Ottos, jene im positiven Sinne
die Andersartigkeit zelebrierenden Vertreter fremder Kulturen, zwei
Künstlerseelen im Einklange, passenderweise nun in einer Welt Platz
genommen habend, in welcher die Zeit stillzustehen scheint,
Schneestürme in unserem Herzen ein Wintermärchen erschaffend.
Stephens innerlich so mitfühlend, beruflich dagegen gezwungenermaßen
kühl, im Übrigen ließe sein Herz wohl noch keine Selbstöffnung
innerer Offenbarungen zu. Gabrielle Rose (Dolores) zuvor in weniger
„biederen“ Rollen innerhalb der Egoyan-Filme zu sehen gewesen,
meistert sie nun auch diese neue Aufgabe mit Bravour, u.a. aber auch
David Hamblen, wie er ebenfalls zum Egoyan-erprobten Stammpersonal
gehört, hier nun seine anspruchsvollste Rolle bekleidet, wie sie
auch im Buche so bewegend von Dolores beschrieben worden ist.
Überhaupt hat der Autor besagten Buches die Chance ergriffen und die
Gelegenheit wahrgenommen, im Filme einen kleinen Gastauftritt („her
mind is kind“) zu genießen. In Dolores'/Gabrielle's Haus, erleben
wir nun Bilder von Kindern, auch in diesem Zusammenhang erweist sich
das Werk als ein ähnlich tragisches Trauerspiel wie „Exotica“,
die Formel perfektionierend, prägend den Kunstfilm der 90er Jahre.
Aus einem Helicopter erblicken wir nun den unvergleichlichen Zauber
der Rocky Mountains, Straßen so schneebedeckt in ihrer von
Naturphänomenen überzogenen Pracht zu sehen. Stephens, nun befinden
wir uns wieder im von Trauer durchtränkten Gespräch im Flugzeuge,
kann die Kliniken seiner Tochter kaum mehr zählen, der dunkle Himmel
er entfaltet sich über unseren Herzen, die Kamera gleitet durch ihn
hindurch...

Die Nebelwelten sich aufbauend, die
Kamera fährt durch deren Dunst des Mysteriums, jedes einzelne Haus
scheint meilenweit vom nächsten „Nachbarn“ entfernt zu sein. Die
Otto's alsbald ebenfalls leicht manipulierbar erscheinend trotz
künstlerisch anmutender Individualitätsoffenbarung

, lediglich Nicole und Billy (Bruce
Greenwood, fast so brillant wie in Exotica) lassen sich nicht in die
ihnen widerstrebenden Prozesse und Richtungen lenken. Das hölzern
prachtvolle Haus der Ottos gar mit Instrumenten und wundersamen
Gegenständen, wie sie dezent im Hintergrunde liegen, äußerst
hübsch ausgestattet. „You are angry“, sagt Stephens mehreren
seiner Zuhörer, doch schenket er sich in diesem Moment kaum selbst
Gehör, denn der Zorn muss auch in seiner Wenigkeit leben...

„Angry“ ist hier kein Ausdruck,
Trauer träfe vielmehr das eigentliche Phänomen der gebrochenen
Zauber und Lebensentwürfe. „There is no such thing as the simple
truth … there is no such thing as an accident“ -
Überzeugungskunst so klar im Worte, die Gemeinde zwar spaltend, doch
zu den Ottos kriecht er geradezu vor, fleht selbige regelrecht an,
sie mögen und möchten ihm doch bitte das ihm entgegenzubringende
Vertrauen schenken. Er konfrontiert sein Gegenüber zumeist mit
traumatischen, durch Worte erzeugten Bildern, oft sieht er die Leute
dabei nicht direkt an, spräche gar weiter, wenn keiner mehr als
Zuhörer fungiert, verliert sich gänzlich in der Ich-Perspektive
eines gebrochenen Mannes, dessen Nachwuchs im Extremfalle vor ihm
wird sterben müssen, man bedenke schließlich, dass die in Bälde
bei ihr diagnostiziert worden seiende Krankheit Mitte der 90er Jahre
als Todesgarant wahrgenommen worden ist. Bizarre Komik offenbart sich
dann, wenn er in kindlicher Freud' und Aufregung zu seinem Wagen
rennt und den für den Fall vonnöten seienden Vertrag holt, Ian Holm
rast mit fast 70 Jahren durch die Eiswüste, beeindruckt uns auch
sonst mit überragender Schauspielkunst brillanter Darstellung, doch
für mich persönlich ist eher die erst später häufiger zu sehen
seiende Nicole die wichtigste und zentralere Figur des Films, der
eine so tragende Rolle spielende Engel von einer Hauptprotagonistin,
an sie denke ich im Grunde genommen den gesamten Film über. Die
Affäre zwischen Mrs. Walker und Billy beginnt erst einmal in recht
leichter, da sichtlich unbeschwerter Zweisamkeit eines das Schicksal
teilenden Kurzzeitpaares, später hingegen wird auch diese Bindung
kompliziertere, neue Konturen annehmen.

Nicole öffnet im wahrsten Sinne des
Wortes das „fabelhafte“ Buch, passt auf Billy's Kinder auf, gibt
Acht und erkennt, wie der Sohn eine interessante Frage stellt, all
dieses in einem bildschönen Winterzimmer mit Schrägen, wir blicken
auf direktem Wege in die Bergwelt schneeweißen Zaubers.
Nicole/Polley probiert praktisch für tot geglaubte Kleidungsstücke
der dahingeschlichenen Herzdame seitens Billy an, weder sie noch er
sind sich gänzlich bewusst, was das alles bedeuten mag. Der Vater
von Nicole nun ins Reich der Sünde eindringend, sie dorthin
geleitend, wo sie in ihrer Rolle als Tochter nicht stehen sollte.
Schauspielerisch brillanter Austausch der Blicke, Kontakt nur
physisch spürbar, nicht jedoch in den Innenwelten unserer Herzen. Im
Heue die Kerzen der die Psyche vernichtenden Schauerromantik in ihrer
seelenlosesten, unreinsten, unfreiwilligsten aller Formen.
Unmissverständliche Andeutungen und doch im Buche sowie im Filme
kaum als solche wahrgenommen werdend, wohl auch weil direkt in dem
Anschlusse wieder die Landschaftspracht zu bewundern ist, wir wollen
es nicht wahrhaben und schweigen es in der Stille zu Tode, das
Geschehen als der direkte Kontrast zu den atemberaubenden Orten.
Bildgewaltige Fernaufnahmen im Weitwinkel, jede Kameraeinstellung ein
Werk Gottes und all dies mit vergleichsweise geringem Budget. Wenn
ich mich recht entsinne, schrieb ich einstmals sinngemäß, der Film
sei in bestimmten Hinsichten weniger zeitversetzt, eher geradliniger
als Exotica, das Gegenteil ist im Grunde genommen der Fall, doch die
beiden Meisterwerke nehmen sich nicht sonderlich viel, sondern
ergänzen sich vielmehr, der Zeitwechsel ist ALLGEGENWÄRTIG!
Abermals die ausdrucksstarke Zoe als Kind in die Kamera blickend,
verwundert und fasziniert zugleich, worin läge auch der Unterschied?
Der Gesichtsausdruck so nachdenklich, was genau ist uns das Kind
mitzuteilen gewillt? Greenwood's Figur mag etwas hart und grob
erscheinen, aber ehrlich stünde sie stets zu ihren Gefühlen und
Ansichten, ...Affäre mit Mrs. Walker unter den ihrerseits
vorhandenen Ängsten leidend, Nicole's weitergetragenes Erbe von
Billy's verstorbener Gemahlin, habe in ihren Augen gewissermaßen
Einfluss auf den Unfall gehabt, verzweifelt suchen alle Beteiligten
nach einer Erklärung für diese Tragödie. Die (Stief?-)Mutter
begrüßt die überlebt habende Nicole fast unverschämt-zynisch mit
den merkwürdig betonten Worten: „You are so lucky!“, genau
genommen mag man sich eher fragen, ob ihr Überlebthaben überhaupt
ein Segen ist, allenfalls hilft es ihr dabei, von Sam nicht mehr
allzu sehr begehrt zu werden und falls doch, so zwingt sich dieser
nur zur Zurückhaltung, da er nun auf sie angewiesen ist, ihr
Zeugenwort als finales Hilfsurteil. „Courage“ wird sie nicht nur
benötigen, sondern auch gesanglich wiedergeben, die Gesangsthematik
passt perfekt zur Grundbotschaft des hiermit rezensierten Films. Ihr
neues Prinzessinnen-Zimmer macht, so hofft es wohl aus Sam, aus ihr
wieder eine Art Kind, doch allzu leicht lässt sich eine Nicole nicht
beeinflussen, denn die Erinnerung sie lebt. Sam kann sich seiner
nicht mehr allzu sicher sein, denn anwaltlich betrachtet, benötigt
er auf juristischer Ebene des Töchterleins Hilfsbereitschaft zur
Aussage, bemerkenswert auch wie Stephens Sam ruhigstellt, erst hier
beginnt Nicole, den Anwalt überhaupt ansatzweise zu akzeptieren, es
muss ihr imponiert haben, zu sehen wie Vater der Mund verboten wird.
Nicole erweist sich in zahllosen Zusammenhängen als der Weisheit ihr
Träger, schauspielerisch fast so brillant portraitiert, wie Vanessa
Paradis in „Elisa“, mindestens gleichwertig mit Jordana Brewster
in „Invisible Circus“ und M. Barton in „Lost and Delirious“.
Sam und die Dame an seiner Seite, tauschen im Zuge des Gespräches
mit dem Anwalt, der nur sehr unklar andeutet, wann das Geld denn
käme..., etwas hinterhältig die Blicke aus, ginge es um Nicole oder
doch eher um eine des Geldes wegen entstehende Klage? Alsbald eine so
temperamentvolle nächtliche Begegnung zwischen Stephens und Billy,
selbige muss man höchstpersönlich erlebt haben, auch äußerst
kraftvoll synchronisiert von Oliver Stritzel. Wie Sie sicher
bemerken, sehe ich mich genötigt recht häufig zwischen den Zeiten
und Charakteren hin- und her zu wechseln, das resultiert wohl aus
meinem Bestreben, mich dem Filme ein Stück weit anzupassen, um
dessen stimmungsvolle Atmosphäre zu betonen und zu unterstreichen,
diese lebt nämlich in vielerlei Hinsicht von genau diesen
Zeitverschiebungen im Inneren der Geschichte. Dem Zorne eines Billy
kann Stephens keine Stimme im Gerichtssaale geben, in ihm keinen
zusätzlichen (Zwangs-)Zeugen gewinnen, auch nicht mithilfe seiner
eigenen Tochter, deren erneuten und nicht letzten Anruf er doch
tatsächlich dazu missbraucht, seinem Plädoyer mehr theatralische
Kraft zu verleihen, um doch noch, es gelänge aber nicht, zu Billy
durchzudringen. Das fast schon von Natur aus überfüllte Fass, droht
endgültig überzulaufen, als die Tochter trauerbedingt und
vermutlich der Wahrheit entsprechend hinzufügt, sie sei beim Arzte
gewesen und man habe die Todesbotschaft bezüglich Aids, HIV-positiv,
verkündet. Ob er ihr Glauben schenkt? Wenn nicht, so handelt es sich
hierbei um einen weiteren massiven Schlag, welchem die Tochter
hilflos ausgeliefert ist, ferner auch darunter leidend, dass er
oftmals glaubt, ihr gewissermaßen voraus zu sein. „Welcome to hard
times, daddy“, heißt es nun jedenfalls – und abermals wiederholt
sich das Bild der Baby-Zoe, auch hier erweist sich der Film in seinem
stets zum richtigen Zeitpunkt eingreifenden Feingefühl fast als zu
perfekt und makellos, geradezu erschreckend, wie sich Egoyan bei
diesem seinem gefühlsintensivsten Film keinerlei Fehler gestattet,
nicht einen einzigen scheint er sich zu erlauben.

Vor Dolores wird Stephens nun direkter,
läuft auf sie zu und sie wird infolgedessen von ihrem ebenfalls
einer Minderheit angehörenden, von Stephens zuvor offenbar nicht im
ausreichenden Maße ernstgenommenen Manne beschützt, nur sie ist in
der Lage, ihm ganz und gar folgen zu können, das Netz von Vertrauen
und Verständnis wurde Jahrzehnte über gewoben. Die Räumlichkeit
der Zeugenaussagen so groß, so lang, so leer. Ein Saal einstmals
unbeschwert gewesener Tage, Mitchell von Dolores' Aussage sichtlich
unberührt, oder lässt er lediglich keine Emotionen zu? Unklar nun,
wann Nicole die für sie und die Gemeinde so wichtige und bedeutsame
Entscheidung drastischer Art trifft, ob während des Zuhörens, wie
es Spannungen zwischen Billy und Sam zu beobachten gäbe, oder doch
erst, als sie dem Vater kurz darauf, in der Nacht vor dem Tage der
Tage, eine Entschuldigungschance einräumt? Sam sagt in dreistem
Mangel an Wissen, er wüsste genau, wie Billy sich fühle, „Wie?!“,
entgegnet dieser dem klar im Worte, „ziemlich deprimierend und so“,
antwortet Sam recht halbherzig und ohne jeglichen psychologischen
Verstand. „Du hattest nichts mit dem Unfall zu tun“, sagt die
Stiefmutter dem seine beiden Kinder verloren habenden und hinter dem
Bus her gefahrenen Manne doch tatsächlich, sie ist mir im gesamten
Film vermutlich mit am unangenehmsten. Billy ist noch so gütig und
hilfsbereit, nach alledem seinen finanziellen Anteil anzubieten,
erinnert an die Gemeinschaft die füreinander da war, doch Sam
erweist sich abermals als undankbar. Nicole's Spiel in diesen und
weiteren späteren Szenen ist von unsagbarer Intensität, die
ihresgleichen sucht. Zumeist dann noch aussagekräftiger, wenn sie
nur des traurigen Blickes stille Worte verliert, ohne aber konkret
ein solches in den Mund zu nehmen. Der finale Spruch von Sam Billy
gegenüber, ist endgültig zu viel des Schlechten, ich wäre an
Billy's Stelle unter Umständen wohl noch einmal zu Sam
zurückgekehrt..., tut mir leid...

„The stage … nothing but candles“
- Sam versteht jede auch noch so kryptisch anmutend formulierte
Anspielung seiner Tochter, jedes Wort so unmissverständlich klar,
doch er nimmt die Chance nicht aktiv wahr. „Warum ich log, wusst'
er allein“, hiermit könnte sowohl ihr Vater, als auch Gott gemeint
sein. Die Tränen deuten sich nur an, langsam fließen sie hinunter,
vergossen gar, jedoch ohne inneres Eis der angeschlagenen Seele
schmelzen zu lassen, einen ähnlich winterlichen Tiefgang erlebte ich
bislang nur in „D2“ von Kenji Eno, der geheimnisvolle Score
erschafft ein übriges und bedroht etwas in uns. Sarah Polley schenkt
uns hier nun die vollständige, vollendete Kunst ihres göttlichen
Schauspiels, das Werk nahezu am Ende angelangt und die Heilung doch
erst an ihrem hoffnungslosen Anfangspunkte. „...frozen as a winter
moon“, die Worte bleiben haften.

Dolores gegenüber mag das Ende recht
grenzwertig erscheinen, doch ungerecht hin oder her, war es in dieser
schwierigen, Konsequenzen habenden Lage nur noch eine Frage des
Abwägens zwischen dem Für und dem von Dolores einmal abgesehen kaum
vorhandenen Wider – dennoch kontrovers....


...und Vater musste sich nun die Frage
stellen, WESHALB die junge Lotusblüte log, die Antwort sie dürfte
ihm geläufig sein, ihre baldige Frage bezüglich des Rechners von
Stephens, stellt dabei eine der seltenen Pointen dar. Die Fallakten
nunmehr geschlossen, auch der Flug im Herbste des J. 1997, scheint
sein nur scheinbar gesundes Ende genommen zu haben, denn alles ist
passé, doch die Narbe bleibt erhalten. Die nachträgliche Begegnung
mit Dolores stellt einen letzten Kontakt zwischen zwei Welten her,
die Szene wechselt in Bälde wieder zu Sarah, wie sie das Märchenbuch
nun endgültig schließt, um dem Schicksal des metaphorischen
Weiterlesens entronnen zu sein, fortan von Erinnerung zu leben, denn
die Erzählung nimmt an ebendiesem Punkt ihr wohlverdientes Ende.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld."
Bond '89 - Robert Davi

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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862

Samstag, 15. April 2017, 18:05

Pauline à la plage

Und die Tage sie verstreichen,
Urlaubsbrise weht so sehr, Erwachsene wie sie Pauline nicht zu Ehre
gereichen, selten war das Leben fair


„Wer zu viel redet, verliert sich
selbst“ - so besagt es jenes Sprichwort, welches diesem
rohmer'schen Meisterwerke aus dem 35 Jahre zurückliegenden Jahre
1982 zugrunde läge, lag, liegt, künftighin liegen wird, ein Film
wie dieser ist wahrlich allgegenwärtig für all jene, die dem Werk
des Papstes der nouvelle vague, Eric Rohmer sein Name, nicht
abgeneigt sind!


Das Gartentor der bereits hier, im
Standbilde der von zwitschernden Vögelgesängen untermalten
Anfangssequenz, spürbaren Idylle sich öffnend – sich gegen Ende
gar wieder schließend, tatsächlich gleichen Amanda Langlet's 91
Minuten im Aufbau durchaus einer Art Theateraufführung.

Pauline und ihre scheinbare Tante,
welche sich jedoch als Cousine wird herausstellen dürfen, eröffnen
nunmehr die Welten ihres ersten gemeinsamen Dialoges, ähnlich wie 12
Jahre zuvor in der Konstellation Béatrice Romand und der Diplomat,
wird auch die Kombination Pauline und Marion (elegant wie eh und je,
aber bisweilen etwas schläfrig synchronisiert: Arielle Dombasle)
unter Beweis stellen, dass die betagtere Person nicht zwangsläufig
auch an Reife reicher ist.

Die Küste des Atlantiks singt ihr Lied
der Meeresbrise, Arielle fühlt sich, so offenbart sie sich ihrer
Jungcousine, als sei sie niemals verheiratet gewesen, vielmehr habe
die Verbindung sie so wenig verspüren lassen.

Lediglich auf körperlicher Ebene
stellt sie eine Art Ideal des Makellosen dar, die inneren Werte
bezeichnet sie zwar hingegen durchaus als wichtig und bedeutsam,
widerspräche aber in manch' Taktlosigkeit ein Stück weit ihrem
persönlichen Ehrenkodex.

Pierre (Pascal Greggory) wird zu Beginn
überwiegend als Sympathieträger porträtiert, eher weniger diesem
Bilde entspräche Henri, ein Ethnologe, worin sich eine Parallele zu
den Filmen „Sommer“ (1996, ebenfalls mit Lady Langlet) sowie
„Vier Abenteuer von Reinette und Mirabelle“ (1986) widerspiegelt,
letzterer Herr hielte eine Bindung für etwas Längeres als eine
Beziehung, in solchen Kontexten wiederum wären wir bereits beim
baldigen „Liebesquartett“, bestehend aus den beiden Cousinen
sowie besagten zwei Herren der Schöpfung angelangt, ein
philosophisches Gespräch zur Abendstund', möglicherweise gar als
seelischer Höhepunkt des Films inszeniert.

„Alleinsein als Zustand der
Erwartung“ - zu warten, wäre somit Marions gegenwärtige Aufgabe
vorübergehender Zurückhaltung, doch es dauert mitnichten sonderlich
lange, bis alsbald gefühlt der ganze Strand auf die beiden
Lotusblüten von Cousinen aufmerksam wird, das verwirrende
Wer-mit-wem-Spiel im Zuge der Frage nach dem allgegenwärtigen und
ganze Welten umfassenden Warum, prägt den Kern eines jeden echten
Rohmer-Filmdramas.

„Ich werde nicht mehr für Liebe
halten, was keine Liebe ist“, so sprach es aus ihr.

Im nächsten Moment sagt Marion
hingegen so (un-)wohlklingend, sie irre sich im nächsten Moment
womöglich wieder.

Sie entfache Gefühle, doch diese,
höret auf Pierre, sollten nicht zu schnell entfachen und entflammen,
denn sonst brenne das zwischenmenschliche Feuer in unseren Seelen und
Lenden nicht lange.

Wartend von der Hoffnung lebend,
lediglich Pauline gibt sich zunächst ausschließlich der Kunst des
Zuhörens hin, sie wird gefragt, ob sie „noch“ warte, das dürfte
im Alter von 15 Jahren doch wohl selbstverständlich sein.

Sie erfasst die Tiefe der Seelen jedes
Wesens fast ausschließlich aus der Perspektive einer stillen
Beobachterin, selbige Beobachtungen umfassen bedauerlicherweise auch,
wie Arielle etwa dazu neigt, Pierre abzuweisen und dies zeitweise
wahrlich zu drastisch, denn Ehrlichkeit in allen Ehren, liegt sie
geradezu vor seinen Augen in den Armen von Henri...

Marion redet im Rahmen ihrer
rhetorischen und textlichen Darbietungen viel über die Liebe im
Allgemeinen und drückt sich wahrhaftig hübsch aus, ist aber wie
bereits zur Erwähnung gebracht taktlos genug, um Pierre vor dessen
Augen zu quälen, somit „verkörpert“ sie besagtes Ideal
lediglich, lebt es jedoch nicht, ähnlich wie auch Henri, welcher
sich erschreckend wenig aus ihr macht, andererseits aber auch
teilweise zu seiner Haltung stünde, unangenehme Seiten an den Tag
legt, selbigen Egoismus aber wie gesagt wenigstens nicht gänzlich zu
seinem persönlichen Geheimnis werden lässt.

Immer wieder und wieder, etwa sogleich
bei Arielle und Pierre, sitzt Pauline leiser Gedankenwelten im
Hintergrunde und erblickt, wie die anderen nicht bemerken, was sie
dem sich seelisch entwickelnden Mädchen zuweilen antun.

Pierre möchte Arielle, so suggeriert
sie es uns und seiner Wenigkeit, möglichst loswerden, allenfalls
auf platonischer Ebene sei er ihr willkommen, so rät sie ihm, er
möge doch bitte Pauline (!) den Hof machen, mit welcher er auf ein-
und derselben Wellenlänge schwebe und schwimme, selbst in den 70er
und 80er Jahren dürfte dieser Vorschlag ihrerseits so manchem
Zuschauer Spanisch vorgekommen sein, doch Pierre wird mitnichten
gänzlich aufgeben.

Henri erwirbt alsbald eine Musikplatte,
wie wir sie rein klanglich betrachtet aus dem so melodisch
eindringlichen Trailer kannten (ein weiterer Trailer auf der DVD, ist
u.a. „Fanfan et Alexandre“, ein Meisterwerk!), die Grenzen
zwischen Fiktion und Realität verschwimmen, wenn der langsamen
Lieder (ohne Text) wegen getanzt wird, alles auf Romantik ausgelegt
ist und die Welt nur noch schwebt und schweigt, sich alles zum Traume
verzweigt.

Hier spielt Musik in einem Rohmer-Film
eine in Ansätzen als tragend zu bezeichnende Rolle, da sie
gewissermaßen einen Teil des Kennenlernens zwischen Pauline und
ihrem Freunde darstellt, stünde sie in keinem klaren Kontext, hätte
Rohmer vermutlich gänzlich auf sie verzichtet, sie bildet somit
einen Teil der Handlung.

Henri erweist sich auch hier, d.h. in
seiner Rolle als Gastgeber, in Bälde als recht feige, so ist
„Pauline à la plage“ nicht zuletzt auch ein Film über das
Erwachsenwerden, aber oftmals weniger jenes der Adoleszenz, sondern
(mindestens) gleichsam das der vermeintlichen Erwachsenen, siehe
Henri's kleine Lüge – und solch einem Lustmolch wird Pauline
anvertraut, andererseits hat er sich, wie ich schon sagte, auch nie
als etwas anderes bezeichnet, selbst seiner Tochter scheint er nicht
allzu viel vorzumachen.

Pierre sei ihr, Marion
höchstpersönlich, ähnlich – das glaubt Arielle/Marion
tatsächlich, vielmehr suche sie aber jemandes Anwesenheit, der sie
zu ergänzen vermag (dabei scheint ihr Henri ähnlicher zu sein, als
Pierre es ist, oder was irrt mich da?)

Die Blüte der Liebe sich mitnichten
entfaltend, ein Verwirrspiel über unzählige Ecken, wie es in dieser
Form nur im Oeuvre eines Éric Rohmer denkbar ist, etwa wie Pauline's
jungem Begleiter teils Unrecht getan wird, wodurch selbst zwischen
ihr und Pierre (!) gewisse Unannehmlichkeiten leicht unschön
anmutender Missverständnisse entstehen, sich auszubreiten drohen.

Mit niemandes Diskretion ist zu
rechnen, jeder erzählt jedem etwas für die Situation
Unvorteilhaftes, Konversation als Manipulation und umgekehrt, Betrug
als Kunstform, das gibt es in dieser oder auch nur in einer
vergleichbaren Form bei keinem anderen Regisseur, darauf gebe ich
Ihnen Brief und Siegel, doch sehet selbst...


Wie ein Detektiv „verhört“ Pierre
die Verkäuferin, welche dem nur köstlich Grobes zu entgegnen
hätte...

Interessant in nicht allzu ferner Bälde
die Unterhaltung zwischen Silvain (dem jungen Freund) und Henri,
letzterer sagt doch allen Ernstes, er selbst sei „zu nett“, ich
nehme alles zurück, was ich in Bezug darauf sagte, ihn seiner
Einsicht wegen in Schutz zu nehmen..., merkwürdige
Selbstwahrnehmungen par excellence, DAS wird nur noch übertroffen
von Isabelle Huppert's „Das haben wir gut gemacht“ in „Biester“.

Marion will verständlicherweise nur
ungern wahrhaben, welch zeitlich begrenzte Liaison Henri für ihre
Wenigkeit wird sein..., gar personifizieren müssen, Pauline
durchschaut derweil abermals manch geradezu absurden Widerspruch und
sieht sich stets im Auge des Sturms gefangen.

Wie auch in „Sommer“, beherrscht es
Amanda Langlet mit magischer Brillanz und Bravour, das nachdenkliche,
die Welt zu beobachten imstande seiende Mädchen zu spielen, herrlich
auch Pierres baldige „anmaßende“ Bemerkung („du hälst dich
nicht zufällig für den Mittelpunkt der Welt“, weiß sie dem zu
entgegnen!), nichts bleibt ihrerseits gänzlich unbemerkt, am Ende
gewann gar niemand, Wille oh Wille, du vermochtest mit der Versuchung
zu sterben...
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld."
Bond '89 - Robert Davi

Martin

Brosnans Last Line of Defense

  • »Martin« ist männlich

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863

Montag, 8. Mai 2017, 02:44

Ronin (John Frankenheimer, 1998 )
Agententhriller mit einer der berühmtesten Verfolgungsjagden, unter anderen durch den Pariser Tunnel, in dem Lady Di vor fast genau 20 Jahren starb. Thriller-Spezialist Frankenheimer (Botschafter der Angst, Grand Prix, Schwarzer Sonntag) liefert hier wieder einen technisch perfekten Film ab, bei dem die Bilder ähnlich wie bei Grand Prix letztlich mehr Spaß machen als die Geschichte. In dieser visuellen Brillanz und Virtuosität ist Frankenheimer meiner Meinung nach vergleichbar mit Brian De Palma, nur mit dem großen Unterschied, dass er viel mehr Wert auf Realismus legte.

Hier vereinte er mit Sean Bean, Michael Lonsdale und Jonathan Pryce gleich drei Bondgegner, was wohl ein recht eindeutiger Wink in Richtung des Franchises ist. Auch wenn er als Amerikaner wohl keine Chance hatte, hätte ich einen Bondfilm von Frankenheimer sehr gern gesehen. Mit Ronin ist ihm nach dem DNA-Deaster noch einmal ein sehr spannender und hochkarätig besetzter Agententhriller gelungen. Schauspielerisch ist hier jeder in Topform. Nur am Ende fehlt für mich nach der genialen Action noch mal ein klarer Höhepunkt. Die Thematik - was machen Agenten nach dem Kalten Krieg - die in den 90ern sehr beliebt war und sich ja auch bei Bond oder Mission Impossible findet, finde ich hier trotzdem mit am intelligentesten umgesetzt. Im Prinzip geht es um Loyalität. Am Ende überleben nur die, die sich und anderen treu geblieben sind.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Samstag, 13. Mai 2017, 13:15

Ein Text von vor einigen Monaten, ich führte mir den Film nun noch einmal zu Gemüte und er fühlt sich fast so an, als befände sich der Zuschauer direkt vor Ort:
Vier Abenteuer von Reinette und Mirabelle

Mir wird die Ehre zuteil, Sie willkommen heißen zu dürfen in der Welt eines kleinen Kunstfilms französischen Zaubers, Gestalt annehmend außerhalb der drei regulären Rohmer-Zyklen, es handelt sich hierbei um den herzerwärmenden Episodenfilm "...Reinette und Mirabelle".

Empfangen werden wir wahrlich in recht überraschender Form, sind doch 80er Jahre Soundtracks bei Rohmer recht unüblich, obgleich zumindest "Vollmondnächte" (eher aber visuell) in diese Richtung ging.
Auch im Trailer des hiermit rezensierten Films verzichtete der Meister mitnichten darauf, die 80er Jahre gebührend zu zelebrieren.
Wir befinden uns zunächst auf dem Lande, Wälder und Felder, Wunder und Gefilde traumhafter Schönheit, so zart jeder einzelne Moment...
Mithilfe einer recht spontanen Begegnung zweier Mädchen, wie sie sich noch fremd sind, entsteht das freudengeschwängerte Lebensereignis eines Kennenlernprozesses, so doch die werte Mirabelle einen Fahrradplatten zu beklagen hätte und eine gewisse Reinette vermag ihr zur Hilfe zu eilen.
Während die jungen Damen den Defekt beseitigen, bemerken wir abermals das Zwitschern der Vögel, diese allgegenwärtigen Wunder der Natur.
Herzergreifend heitere Idylle im Grünen, uns umschmiegende Bilder blumiger Erscheinungspracht, Bäume ausgeschmückt mit Blättern so leicht wie eine Feder und so grün als wollten sie das ganze Jahr über wie die Blüten blühen, warme Schönheit sanfter Poesie.
Erneut erleben wir, wie auch zehn Jahre darauf in "Sommer" (1996), eine Ethnologiestudentin, wie sie durchaus die Fähigkeit an den Tag legt zuhören zu können (Mirabelle, links auf dem Cover zu sehen).
Ferner erleben wir - genau genommen hauptsächlich da überaus gesprächig - Reinette (rechts auf dem Cover sichtbar), eine künstlerisch aufblühende Malerin magischer Kreativität, welche sich jedoch in anderen Hinsichten als etwas schwierig erweist, insbesondere im O-Ton... - nicht dass ich es ihr vorwerfen würde, das ganz bestimmt nicht.
Ihre erschaffenen Bildwunder werden gar einzeln analysiert und diskutiert, der Dialogzauber entfaltet sich in einer sich Zeit lassenden Weise der Verlangsamung, eine Entschleunigung ergreifender Art, wie sie vom Kino nur sehr selten zugelassen wird.
Ein wiederkehrend auftauchendes Thema ist das Phänomen der Stille, ..."die Stille gäbe es nicht in der Natur", Stille mache einem Angst, verweilend zwischen Leben und Tode.
Vom Weltuntergang könne nur dann die Rede sein, wenn "die Natur zu atmen aufhöre", überhaupt misst Reinette, die im Gegensatz zu Mirabelle vom Lande kommt, der Natur ein einerseits sympathisch hohes, andererseits schon gar überlebensgroßes Maß an Bedeutung bei.
Wenig typisch für Rohmer, folgen in Bälde auch einige wenige Kurzszenen in fast vollkommener Dunkelheit, die brunette Reinette wirkt im Zauber der Nacht fast fanatisch frustriert, als das von ihr zuvor erzählerisch hervorgehobene Naturwunder nicht so recht entstehen wollte...
Alles gleicht einem Bauernhof, ebensolchen sehen wir auch alsbald direkt vor unseren Augen, oh welch gigantomanisch großes Grundstück und die entsprechend naturnahen Szenen erweisen sich - wohlgemerkt positiv gemeint! - selbst für Rohmer-Verhältnisse als fantastisch langsam, so schwerelos und leicht - und doch solch Fülle an Inhalt offenbarend.
Kurz darauf kritisiert Reinette (hier pflichte ich ihr wahrhaftig bei) das Bildungssystem, etwa dass des Stundenplanes wegen alle 45 Minuten ein anderes "Fach" auf einen warte, kritische Stimmen gegenüber der verfehlten Bildungspolitik offenbarte und erhob Rohmer erwähnenswerterweise etwa auch in "Frühlingserzählung" (1989).
In gewisser Weise ist sie des Zeichnens wegen geboren, ..."wenn ich zeichne, so weiß ich wann es falsch ist, ich weiß nur nicht WARUM es falsch ist" - natürlich weißt du letzteres nicht, denn das Zeichnen ist keineswegs falsch, sondern genau richtig!
Bei anderen Tätigkeiten hingegen fühle es sich jedoch IMMER falsch an, ein intolerabler Zustand, der da Seelen quält...
Viel Vertrauen bringt sie Mirabelle entgegen, die so zuvorkommend ist sich jede Geschichte von A bis Z anzuhören, nur bezüglich der bildschönen Mirabelle erfahren wir stellenweise reichlich wenig - womöglich ändert sich das ja in Episode 2, die sogleich zu beginnen gelobt, Episode 1 vollendet.

Die zweite Episode versetzt uns in das einstmals zeitgenössisch gewesene Paris der 80er Jahre, die 80er erlebten wir zwar soeben auch auf dem Lande, doch nur in der Stadt werden selbige auch sichtbar.
Unter Fußgängern, wie sie Reinette (nunmehr bei Mirabelle wohnend, welch schnelle Lebensentscheidung...) hätten behilflich sein sollen, entwickelt sich eine köstliche Diskussion, wie sie genauso gut real sein könnte.
Sagte ich soeben Diskussion?
Oh welch perfekt passendes Stichwort, denn ebendieses Phänomen der nicht vorhandenen Einigkeit, herrscht in Bälde innerhalb eines idyllischen Pariser Cafés, Diskussionen Gestalt annehmend zwischen Reinette und einem partout nicht locker zu lassen gewillt seienden Kellner, köstlich jeder Augenblick, herrlich jeder einzelne Dialog!
Die Situation mit den 200 franc, bei Mirabelles baldiger Anwesenheit sind es gar 500, ist an Komik und Charakter nahezu unmöglich zu überbieten, Rohmer gibt sich dem Widerspiegeln des menschlichen Alltages in solch unvergleichlicher Weise hin, dass ich mitnichten imstande bin den Zauber in Worte zu fassen.
Im Nachhinein, die Flucht vollendet, sagt Reinette so ärgerlich:
"Ich habe genau das getan, was er mir prophezeit hat, ich bin einfach gegangen", das Thema scheint sie zu verfolgen und die Art wie - wenn auch teils überspitzte - Realvorkommnisse im Rohmer-Universum platznehmen, so echt erscheinen, beflügelt und betört mich immer wieder auf's Neue.
Aufhören solle man wenn es am schönsten ist, drum dürfte die 2. Episode nun passé sein, vielmehr geben wir uns fortan zunächst der Dritten hin...

Episode 3 beginnt und offenbart zunächst eine sympathisch-spendable Reinette, später jedoch verhält es sich eher umgekehrt, zu Beginn stellt sich zwischen unseren Mädchen aber erst einmal die deutlich komplexer als anfangs anzunehmen sei seiende Frage, ob man nur "netten" Menschen etwas geben sollte, oder aber auch jenen die einem eher weniger wie ein Sympath erscheinen?
Nur jenen etwas geben, die bei uns den Eindruck erwecken, sie bräuchten die Unterstützung wirklich, oder tue man damit nicht all jenen unrecht, denen es gut täte etwas zu erhalten, welche aber weswegen auch immer nicht diese ehrliche Wirkung nach außen tragen?
In welchem Verhältnis zum eigenen, selbstverständlich ebenfalls alles andere als unbegrenzten Finanzstand, soll die Gabe wohl genau stehen?
In einem Lebensmittelgeschäft, einstmals noch frei von Videoüberwachung, entscheidet Mirabelle doch glatt, sie helfe einer Dame, die etwas zu stehlen beabsichtigt, gar damit durchzukommen gedenkt, nicht wissend dass sie entdeckt worden ist, womöglich nicht nur von besagter Mirabelle, die nun bereit ist ein Hilfsrisiko der Mittäterschaft auf sich zu nehmen.
Sobald sie im Hause eintrifft, Reinette hat ironischerweise auch noch Geburtstag, so ihr die "Geschenke" gerade recht sind, äußert Mira Reinette gegenüber:
"Du hast das nicht mir zu verdanken."
Reinette wird bestürzt sein, so schockiert wie verblüfft, so überrascht wie fassungslos, denn Mirabelle's Geschichte löst wahrlich eine ergreifend komplizierte Diskussion zwischen den beiden Lady's aus.
"Du bist lasterhaft geworden", sagt Reinette doch tatsächlich zu dieser ihrer besten Freundin, unser Moralapostel spricht von drohenden Konsequenzen, laut Mirabelle müsse man aber hingegen eher die URSACHE der Armut erkennen und erforschen, gar ergründen, nur so ließe sich dergleichen bekämpfen, ich teile Mirabelle's Meinung, dass der erste Schritt Verständnis sein sollte, bevor voreilige Schlüsse gezogen werden.
Und kommt das Helfen einer Heilung gleich?
Auch diese Frage stellt sich, denn laut Aussage von Reinette würde Mirabelle die Taten dieser Art nur fördern.
"Wir alle sind doch Richter", das hat Reinette allen Ernstes hinzugefügt, glaubend an Selbstdisziplin, woraufhin Mirabelle gekonnt antwortet:
"Wenn du an die Selbstdisziplin glaubst, so schenkst du 'ihm' Vertrauen", bezogen auf ein anderes Beispiel, Mirabelle's Antwort richtete sich auf eine weitere Geschichte von Reinette, herrlich verworren wissen die Dinge zu erscheinen, hier noch Logik zu erzeugen, ist rohmer'sche Kunst.
"Sie kennen meine Lebensgeschichte nicht!", sagt eine von Rohmer-Stammschauspielerin Marie Rivière dargestellte Nebenprotagonistin in ihrer Rolle als ärmliche Fremde zu Reinette, nachdem letztere mehrfach Vorträge über Vertrauensmissbrauch hielt, gar zum Überreagieren neigte...
Da es nahezu unmöglich ist, die Dynamik, aber gleichsam auch die Tiefe dieser Episode zu beschreiben, gehen wir nun zu Episode 4 über.

In der finalen Episode dieses wundervollen Rohmer-Meisterwerkes, erleben wir erstmals eine Reinette, wie sie nach all ihren Predigten SELBST eine persönliche Finanzproblematik des Knapp-bei-Kasse-seins erlebt, so lässt sie gezwungenermaßen auch eine unschöne Erfahrung bei der teils vergeblichen Jobsuche über sich ergehen, nachdem sie zuvor aber noch jemanden verurteilt hat, der einen ebensolchen Job nicht fand...
In gewisser Weise hat es Reinette im sozialen Miteinander recht schwer, war sie doch nie auf einer Schule mit anderen Kindern, gleichwohl sie dennoch ihren Abschluss hat absolvieren können.
Ihre Vergangenheit auf dem idyllischen Lande ließ sie oftmals frei von Besuch allein sein, ihre Kunstwerke sind ihr Fenster zur Welt:
"Wenn ich nicht male, habe ich das Gefühl Zeit zu verschwenden", hier offenbart sich die Künstlerseele, die niemals vernachlässigt werden sollte, auch ihr Erbe der bedauerlicherweise verstorbenen Großmutter wird ihr karrieretechnisch noch nicht allzu viele Türen öffnen.
Ihre Berufung lebt von innen heraus, nur durch die Kunst des Schweigens habe Reinette laut eigener Aussage die Möglichkeit, sich ihrer Vorstellung entsprechend auszudrücken, auch rede sie sehr ungern - obgleich sie eigentlich die ganze Zeit über kaum etwas anderes tut, in genau diesen Widersprüchen sind Rohmer-Filme meist am stärksten, EXAKT das macht diese Filme so über alle Maßen menschlich.
Jawohl, Widersprüche en masse und ich zelebriere jeden einzelnen davon!
Alles wiederholt sie so wunderbar spontan, als fiele es ihr just in diesem Moment zum ersten Male ein, am morgigen Tage folgt einer belustigenden Wette wegen ihr Dasein in vollkommener Stille, stumm und leise begeben sie sich auf die Reise...
Die baldigen Szenen in der Galerie sind so grandios-genial, so rohmertypisch wie nur irgend möglich inszeniert - denn der Meister des Dialoges lässt selbst dialoglose Szenen zum Dialog werden...
Der Fremde antwortet gewissermaßen für Reinette auf die von ihm (!) gestellten Fragen, ihrerseits existiert ausschließlich Körpersprache.
Er erklärt ihr ihr Bild sowie dessen Aussage und Botschaft, bedenkt man dass sie (!) die Werke erschuf, ist die Situation geradezu absurd.
Drastische Worte (im wahrsten Sinne des Wortes hinter ihrem Rücken) des Mannes, führen zu Mirabelle's Eingreifen in die Situation, gekonnt bringt sie sich fortan ein.
Erneut kommt sozusagen das Schweigen zur Sprache, selten waren Worthülsen und einzelne Laute so überflüssig und notwendig zugleich, zauberhaft jede einzelne Szene, ein Regisseur wie ein Komponist, denn jeder seiner Dialoge ist Musik in meinen Ohren!

Wie die Enden der Enden im Leben so spielen, gestattet es sich der Geschäftsmann gegen Ende, die Mädchen wissen nichts davon, den doppelten Preis für das Kunstwerk zu verlangen, kühl und berechnend entlässt uns diese unschöne Momentaufnahme nach 95 tiefgründigen Minuten in den Abspann, welcher abermals den Musikstil der 80er Jahre widerspiegelt.
"Vier Abenteuer von Reinette und Mirabelle" ist mit kaum einem anderen Film vergleichbar und in dieser so urfranzösischen Form einzigartig und brillant, drum seied' gespannt!
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld."
Bond '89 - Robert Davi

Martin

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865

Sonntag, 4. Juni 2017, 03:08

Im Kino:

Alien - Covenant
Hat mich leider nicht so sehr überzeugt. Ich liebe den originalen Alien und auch Camerons Aliens, bin aber nicht wirklich 'Fan' des gesamten Franchise. Dafür ist mir Alien3 viel zu schlecht, und auch die 4 und die Begegnungen mit dem Predator interessieren mich nicht so richtig.

Dafür mochte ich aber Prometheus mehr als der Großteil der Kritiker und Fans. Und genau ist das Manko von Covenant. Viele sehr interessante, offene Fragen werden nicht geklärt. Zum Teil entledigt sich Scott dem "Ballast" von Prometheus ähnlich unsympathisch wie Fincher in Teil 3. Mich hätte ein echtes Sequel zu Prometheus interessiert. Aber da hat sich Ridley Scott wohl vor der Mehrheitsmeinung gebeugt und seine ursprüngliche Vision verwässert. Das finde ich schade, denn das hätte ein Grandseigneur des Kinos wie er eigentlich absolut nicht nötig. Es gibt ein paar deftige FSK16-Szenen, aber die verpuffen meiner Meinung nach, da sich der Antagonismus des Films zu sehr auf etwas anderes verschiebt. Da hatte Prometheus für mich mehr Suspense. Zudem entsorgt Scott mal eben so nebenbei das geniale Konzept von James Camerons Fortsetzung. Während er die Action-Ideen desselbigen paradoxerweise zitiert.

Das große Versprechen der Alien-Fortsetzungen war zum einen, die Aliens auf die Erde zu bringen, oder den Heimatplaneten der Aliens zu zeigen, und Mysterien wie das des Spacejockeys zu klären. Stattdessen wurden die genialen Ideen vom ersten und auch zweiten Film leider immer mehr verwässert. Ich möchte hier mal die Tradition von Dr. MoVe aufgreifen und andere Kritiker zitieren, in diesem Fall Andreas Borcholte von Spiegel Online:

„Alien: Covenant tut sich schwer genug, die Ereignisse von Prometheus auch nur ansatzweise logisch zu verarbeiten. In der Mythologie der Reihe werden hier mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet, manches erscheint nachgerade unsinnig. Zudem schleppt der auf physische Alien-Action getrimmte Film schwer an seinem metaphysischen Ballast. Originalität und Spannung bleiben dabei auf der Strecke.“

Dr. moVe

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866

Montag, 5. Juni 2017, 16:01

Bezüglich Alien : Covenant:

Generelle Spoiler-Warnung für mein ganzes folgendes Statement: Kann mich deiner Ernüchterung leider nur anschließen, geschätzter Martin. Wobei ich 'Prometheus' bis heute ebenfalls nicht besonderes mag, was aber keineswegs an dessen inhaltlichen Innovationen liegt - allen voran die prä-astronautischen Schöpfungsmotive und die herausragende Optik, sondern die nervige Aneinanderreihung hinreichend ausgetretener Franchise-Klischees und die geradezu publikumsbeleidigende dumpfe Doofheit diverser Filmprotagonisten. Vom Sequel erhoffte ich mir daher vorallem: Mehr Tiefgang, mehr Antworten und bitte, bitte, endlich weniger Endlos-Recyceltum des 'Einer nach dem anderen... entfernst du dich von der Truppe, wirst du sofort zerschnetzelt'-Prinzips, das mich bereits erst kürzlich, in dem imho äußerst schwachen Genre-Werk 'Life' extrem langweilte.
Hocherfreut war ich daher von der herausragenden 'Alien : Covenant'-Main Title-Szene mit David und Weyland, die genau die Klasse und Qualität ausstrahlte, die ich mir vom ganzen Film wünschte.
Umso ernüchterter wirkte auf mich, der sich direkt anschließende Selbst-Zitate-Schub Scott's, bei dem ich zeitweise das Gefühl bekam als hätten wir es nicht mit einem Prequel sondern einem simplen Remake zu tun.
Pausiert dieser (wie immer bei Scott) sehr stylisch servierte, doch imho nichts destotrotz doch irgendwie franchise-aushöhlend anmutende und an die Schwächen von 'Star Wars: The Force Awakens' erinnernde 'Fan-Movie'-Aspekt mal zwischendurch, folgen dann allerdings direkt Passagen die mich unterm Strich noch ratloser zurücklaßen. Die von Dir, Martin, bereits erwähnten zahllosen Zugeständnisse an die puristische Alien-Fanbasis, gehen auf Kosten der Detailintensität beim Ausbau der Prometheus-Story. Auch wird generell etwas weniger Zeit auf Einstellung zum szenischen Verweilen verwendet. Schade auch, dass es das Zusatzmaterial der Promotion-Kampagne nicht in den Film geschafft hat.
Das letzte Drittel wirkte dann mehr und mehr un-innovativer auf mich. Und der finale ähhh 'Überraschungs-Clou' ist imho dermaßen vorhersehbar, das ich von einer erneuten, echten Publikumsbeleidigung sprechen möchte. Für wie doof hält man uns denn bitteschön ? Wie die ganze Evolutionsstory der Xenomorph-Rasse logisch mit Cameron's Aliens-Königin und dessen Nachfolgerinnen verknünft sein soll, ist mir allerdings bisher auch nicht aufgegangen - oder soll etwa Elizabeth Shaw zu einer Art Ur-Alien-Queen mutiert sein ? :think:

Wohlwollendes Gesamtfazit: Durchwachsen. Die erste Szene ist herausragend, die folgenden Abschnitte leider etwas lieblos abgespielt. Die Quintessenz des Films ist ja erstaunlich Technologie-Feindlich. Vielleicht ist es auch so zu erklären, dass Scott die Wissenschaftler und Techniker, also die Spezialisten, als so dumm darstellt. Sie stolpern blindlings in Situationen, die ihren Tod bedeuten, so wie die Menschheit Technologien entwickelt oder entwickeln wird, die zu ihrem eigenen Untergang führen. Den Einsatz des Ur-Aliens fand ich auch nicht besonders gelungen und den Kampf, erst mit Kran, dann mit schwerem Lastwagen auch dementsprechend. Fortgeschrittenen Technologien begegnet man am besten mit brachialen, mechanischen Ideen. Diese Technik lässt sich noch beherrschen, alles andere ist zu gefährlich, weil schon (für viele) nicht mehr verständlich. Dieses Narrativ hat Scott allerdings konsequent durchgehalten, die Schöpfer werden von ihren Kreationen getötet, so wie der Mensch letztendlich von seinen. Die Piloten aus Prometheus und Covenant ragen heraus, Analyse dazu noch nicht abgeschlossen...

Martin

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867

Montag, 5. Juni 2017, 23:58

Ich sag auch mal Spoiler.


Wie die ganze Evolutionsstory der Xenomorph-Rasse logisch mit Cameron's Aliens-Königin und dessen Nachfolgerinnen verknünft sein soll, ist mir allerdings bisher auch nicht aufgegangen - oder soll etwa Elizabeth Shaw zu einer Art Ur-Alien-Queen mutiert sein ? :think:


Genau das empfand ich als ziemlich dicken Stinkefinger in Richtung Cameron. Dass man alles nach Teil 2 ignoriert, kann ich ja verstehen, aber gerade Aliens hat das ganze Konzept doch respektvoll und gelungen erweitert.

Den Schlussgag fand ich auch ziemlich vorhersehbar. Kennt man nicht zuletzt als Star-Trek-Next-Generation-Fan schon zur Genüge. :)

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868

Freitag, 16. Juni 2017, 12:46

Diva von 1981:

Es gäbe wohl kaum etwas Vergleichbares – und auch außerhalb der Diva-Welten ist die Filmographie von Beineix nahezu einzigartig, etwa im Rahmen der gelungenen Frankreich/Japan-Kombination in „Otaku“, oder aber den 80er Werken Roselyne, Betty und Mond in der Gosse.

Tauchet nun ein in die frühen 80er Jahre, ein grelles Frankreichparadies und ungemein reizvolle filmische Wunder.


Wir erleben eine Grundgeschichte, wie sie mit etwas Phantasie Parallelen zu „Blow Out“ aus eben demselben Jahr aufbaut, zumindest ob der Brisanz des aufgezeichneten Materials, ein Aspekt, auf welchem praktisch der gesamte Film fußt und aufbaut.

Die zuweilen etwas aufgesetzte „Coolness“ des Films, wird glücklicherweise von der einen oder anderen Träne der Melancholie ausgeglichen.

Eine Sonnenbrille sogleich als Spiegel fungierend, die Diva höchstpersönlich betritt die Bildfläche und unsere breite
Aufmerksamkeitsspanne, richtet sich ungeteilt auf das Geschehen, die musikalischen Klänge derweil ein klein wenig ähnlich wie jene im
DVD-Menü von „Der Leichenverbrenner“.

Die Stimme des zunächst etwas kleinlauten Protagonisten, klingt anfangs fast ein wenig wie jene von Trelkowsky aus „Der Mieter“, doch
konnte ich mich dieses Eindruckes zu Beginn nicht erwehren, merkte ich kurz darauf umso klarer, dass ich mich dieser Beobachtung sofort wieder entledigen kann, denn die Stimme ist völlig anders (Sven Hasper).

„Diva“ ist im wahrsten Sinne des Wortes äußerst opernhaft inszeniert und bedient sich somit einer gewissen Göttlichkeit, getränkt in
spürbare Wunder eines klangvollen Saales der musikalischen Kunst.

Nicht nur der Film ließ sich dabei stets Zeit, auch das Kino bedurfte einer gewissen Geduld und ließ dieses Kultdrama doch tatsächlich
ein Jahr (!) lang in den Lichtspielhäusern laufen.

Folget voller Detektivgeist den Schritten nun, Spannung sie möge erwachen, ein Film somit, der wie ich hoffe nicht nur und ausschließlich auf seinen Kultstatus reduziert wird, sondern wie ich glaube zahllose weitere Akzente zu setzen vermag.

Farblich recht aufdringlich anmutende 80er Jahre Klischees, betören des Menschen Sinne maßgeblich und erschaffen eine Atmosphäre, wie sie zwar einerseits in ihrer Ära festsitzt, andererseits aber auch gerade am heutigen Tage wieder Wohlbefinden hervorriefe.

Erblicket nun ein Mädchen leicht asiatischer, absolut atemberaubender Erhabenheit , eine Darstellerin wie aus einem Wunderreich entflohen, doch auch der Rest der Bestbesetzung des Films ist weitestgehend hochkarätig, belustigenderweise u.a. auch ein Darsteller aus der schwarzen Komödie „Delicatessen“.

Jules' bereits angesprochene neue Freundin (ehe die Diva „in sein Leben tritt“), ist fürwahr als die Verführung in Person zu bezeichnen.

Auch sie wird nun zur Zeugin der Schönheit des Tonbandes des Todes, Jules weist sie in seine musikalische Liebe ein und schämt sich nicht der Gefühle für die Diva, die ihn bewegen.

All dies gedreht vor malerischer 80er Jahre Kulisse , wie sie jede Tapete zu einem Aktbildnis des Farbenspiels werden lässt und auch die
Nächte zum leuchten brächte, in ihrer Liebe zur Palmenpracht sogar fast ein Stück weit an „Scarface“ erinnernd...

Ein gekonntes kinematographisches Spiel mit Silhouetten und Schatten, erotisiert und mystifiziert den Charakter von so manch magischer Szene...

Der Blickkontakte aufbauende Bezug zum Idole nun ins Leben gerufen, doch die Diva nunmehr mit rechtlichen Konsequenzen drohend, ehe sie realisiert, dass er nicht der sie zu verfolgen drohende Standardfan ist.

So beruhigt sie sich nun, sein Fandasein berührt die Diva sichtlich und nur selten hörte ihr jemand so schön zu, vollkommen gleich ob beim Musizieren oder ob nun im Rahmen einer Konversation.

Die Welt weiß zu erstrahlen in der seelischen Nähe zum Neonlichte, jede visuelle Pracht spiegelt sich im Sinne der Beleuchtung wider und doch verlöre sich die Situation zugleich in Angst - „es gibt kein unschuldiges Vergnügen“, sprach es aus jemandes Munde und stets
sei die Gefahr so spürbar wie nur irgend möglich, so unsanft wie nur denkbar...

Die Klischeegangster wirken in ihrer forschen Fahrweise, den Sonnenbrillen und den grimmigen Gesichtern nicht sonderlich „subtil“,
von Zurückhaltung und Unauffälligkeit kann offensichtlich nicht allzu sehr die Rede sein...

Die Soundeffekte werden bisweilen verzerrter, die Bilder entwickeln sich in eine dunklere Richtung und was diventechnisch anfangs noch in unerreichbarer Ferne lag, nämlich die Nähe und Kontaktaufnahme, läge nunmehr in einem uns wohlgesonnen seienden Bereiche, wie er uns der „Königin der Nacht“, der titelgebenden Diva eben, beiwohnen ließe, unendliche Weiten der Sehnsucht fänden ihre Erfüllung und die unterschiedlich in der Gesellschaft positionierten Menschen, ja zwischen ihnen scheinen keinerlei Welten und Trennwände mehr zu liegen...

Das Instrument spielt kongenial auf seiner Klaviatur und besingt uns mit seiner Kombination aus Klagelied und Freud', zudem wird der
Eiffelturm zu erblicken sein und erhabenen Glanzes bewundern wir eine Welt der zwitschernden Vögel, liebsamen Nachtaktivitäten und
unerwünschten Mordängste.

„Die Geduld des Büffels ist unermesslich, doch seine Gewalt auch“ - so die Drohung der „Gegenpartei“.

In der Zwischenzeit wächst und gedeiht das Vertrauensverhältnis zwischen der Diva und Jules, er ist der ihr zugetan seiende Zuhörer
und sie ihm mitnichten mehr abgeneigt, doch die Freude der liebreizenden Idylle, wird wahrhaftig von kurzer Dauer sein...

Sogleich erblicken wir , das Fanherz schlägt höher, denn Beineix und Becker scheinen in den 80er Jahren überhaupt recht ähnliche Ambitionen gehabt zu haben, einen Darsteller aus Élisa (1995, „deine Klamotten...“), immer wieder erkenne ich in französischen Filmen bekannte Gesichter aus einigen meiner Lieblingsfilme, die Kleinkunstwelt des dortigen Kinos ist nämlich deutlich angenehmer
„aufgeräumt“ und überschaubarer, weniger überlaufen, als die Blockbuster-Kultur in den United States.

Die divabedingte Lage und Situation sich fortan unschöner zuspitzend denn je, Jules weiß wohl mitnichten um seiner Gefahren, d.h. doch, nur eben nicht, inwieweit er sich ihr diesbezüglich öffnen kann, ob schon gänzlich, nur ein wenig oder gar überhaupt nicht...

In fast schon surreal zu erscheinen vermögenden Kameraeinstellungen, führt uns der Weg nun hinab, der Film weiß uns buchstäblich in die Tiefe zu jagen und dies einerseits mit Tempo und Elan, andererseits doch irgendwo im Kelche der Erinnerung und Kraft des Schwermütigen.

„Er hat mir gesagt, dass niemand ohne seine Erlaubnis stirbt“, Sätze wie diese prägen die schmunzelnd augenzwinkernden Bezüge zum
Gangsterfilm - die Wege führen uns aber auch in ernstere Bereiche, so nun in einen Pariser Prostitutionsring, handelnd mit Mädchen von
anderswo .

Das Werk lässt seine Wellen gewaltiger Furcht stilvoll und dennoch brutal und brachial auf uns einwirken, selbige schlagen fest zu und
entzögen sich nur selten des Unbehagens.

„Das Meer ist verschwunden“, philosophiert das bildschöne, nahezu perfekt synchronisierte und somit stimmlich unvergessliche Mädchen, „...der Strand wird einsam und verlassen sein, das Meer kehrt zurück … und wir haben Angst...“

Der Pfad führt unsereins zu einem (weitere Parallelen zu Elisa nebst Depardieu-Stimme eines bestimmten Nebenprotagonisten) Leuchtturme sowie zu einem Kamine des Feuers.

„Ich werde mich umbringen lassen“, der 'Humor' (sich umbringen zu lassen, anstatt es selbst zu erledigen, entspräche somit der
Luxusversion des menschlichen Ablebens?) ist zwar weniger schwarz als in „Betty – 37,2 Grad am Morgen“, aber dennoch durchaus
spürbar.

Der Film vereint zumeist Kontraste aller Art und dies sowohl auf musikalischer, als aber auch auf inszenatorischer Ebene, verbindet
Vergangenheit und Moderne auf kongeniale Weise und wird dabei niemals Gefahr laufen, sich in den sich selbst zelebrierenden Übertreibungen lächerlich zu machen, denn der Zauber bliebe stets erhalten.

Wir reisen nicht nur (um der Liebe willen und ob des Postkartencharakters?) durch Paris, sondern betreten, ähnlich wie
auch in „Mes nuits sont plus belles que vos jours“, obendrein auch gänzlich andere Gebiete , wie sie im gleichen Maße das
französische Kino repräsentieren.

Aus einem Fahrzeugradio hören wir in alsbaldiger Kürze einer „Geschichte“ zu, schenken ihr Aufmerksamkeit...

„Gute Fahrt“, fügt der Sprecher hinzu, doch allzu wohl kann uns gegenwärtig in keinster Weise zumute sein, oder ?

Angekommen nun in einer Lagerhalle der Kälte, wie sie trübseliger und farbloser ist als jene aus „Resevoir Dogs“, trüge sich sogleich
recht Unschönes zu...

Die musikalischen Darbietungen der Diva höchstselbst , sind zuweilen ähnlich brillant in den Film eingebettet, wie etwa die der jungen
Flötistin in „Exotica“ von The-sweet-hereafter-Regisseur Atom Egoyan, ebenfalls ein Meisterwerk mit einem ähnlich einfallsreichen
und magischen Filmcover wie „Diva“.

Abermals im Saale des Opernhauses angelangt, die Wahrheit ans Licht sie komme, doch mitnichten käme sie gleichsam einer Erlösung gleich – oder hoffentlich doch noch?

Fürwahr das Ende in Kitsch nun getränkt und gemessen am Reste des Films wenig einfallsreich, doch kann man es einem so hochattraktiven Film wie diesem verdenken...?


Diva ein Werk wie es französischer kaum ist möglich,

die Wunder zart die Liebe hart mit Ängsten gepaart,

ein Film zu uns zwar visuell sehr höflich,

doch hat er uns Unfrohes nicht gänzlich erspart...

Verweilen wir in seinem Schoße,

so weiblich der Zauber dieser faszinierenden Pracht,

ein Film bei welchem ich nicht erbose,

zu süßlich sein Grinsen mit welchem er lacht.

Die Stellungnahme nun vollendet,

fünf Sterne klar das Resultat,

ein Film er uns Signale sendet,

die Mädchen magisch und im Herzen zart.


Hab mir mal erlaubt, das Ganze aus Gründen der Lesbarkeit zu editieren. Ist immer schwierig bei reinkopierten Texten. Martin
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld."
Bond '89 - Robert Davi

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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869

Mittwoch, 28. Juni 2017, 18:35

Lasset
euch willkommen heißen, betretet den Seelentempel eines erhabenen,
ergreifenden, erschreckenden Films:


Samaritan
Girl von Kim Ki-duk.



Das
Werk beginnt in seiner ersten Einstellung zunächst einmal damit,
sich auf einem PC-Bildschirm abzuspielen, ehe wir in die eigentliche
kinematographische Hauptperspektive übergehen, uns in die Welt der
Charaktere geleiten lassen.


Die
Musik erweist sich beinahe als stumm, so leise legt sie ihren
Schleier der Zurückhaltung über unser Gehör.


Ein
Märchen, freilich jedoch ein Morbides, Erdrückendes, Entsetzliches,
vermag zu beginnen und Gestalt anzunehmen, erlebet eine Welt der
Rache, der Verletzlichkeit, doch zunächst betrachten wir das Leben
zweier Damen bildschönen Jungseins, engelsgleich fürwahr.


Beide
nur leider mangels finanzieller Zahlungskraft ein Geschäft ins Leben
rufend, um dessen Schattenseiten sie noch nicht wissen, von dessen
bedauerlicher Nebenwirkung sie offensichtlich noch nicht im
ausreichenden Maße unterrichtet zu sein scheinen … , aus Theorie
werde Praxis, eine von ihnen „zumindest „ ziert sich nicht, die
andere sieht sich erst später gezwungen, im wahrsten Sinne des
Wortes einzuspringen …


Wir
spüren ein Zittern, andererseits aber auch so poesievoll das
Schweben der sich bewegenden Blätter, bewundern eine Jahreszeit des
Windes und der Kälteentwicklung , wissen uns betören zu lassen,
...“beobachtet“ wird ein Teil der vorherigen Freundschaft dabei
nicht nur von uns, sondern auch von den Statuen im Parke.


Eines
der Mädchen wächst noch recht behütet und angenehm auf, allerdings
ausschließlich in der Obhut ihres Vaters, denn Mutter verstarb vor
langer Zeit, zudem wird sich die liebevolle Tochter von dieser
sanften Bindung zu ihrem Vater, beeinflusst von der sexuell bereits
sehr offenen Freundin, in Bälde ein Stück weit lösen, der
Teufelskreislauf begänne genau hier...


Ja
hier, wenn sich eine bestimmte (besagte) Geschäftsidee zu etwas
Unerträglichem zu verzweigen, falsch zu entwickeln beginnt
(gleichwohl es anfangs womöglich noch nicht so wirkt, so erscheinen
mag).


Etwa
eines (unvermeidbaren/fluchtbedingten) Suizidversuches wegen, gäbe
und gälte es auch weitere bedeutende und ernstzunehmende
Schwierigkeiten und Qualen zu erdulden, dies bezöge sich in gewisser
Weise auf beide Seiten, allesamt haben die Menschen Martyrien zu
bewältigen....


All
dies führt bezüglich des Prostitutionsringes nur noch mehr Gründe
zur Trauer herbei, riefe Angst, Bange, Ungewissheit hervor, werden
die drastischen Dienstleistungen doch nunmehr von der überlebt
habenden Lady, dieser Zartblüte , verlangt und infolgedessen auch
erbracht, jenem Mädchen also, dessen Vater alsbald die Ehre seiner
Tochter zu verteidigen gewillt ist...


Das
Lachen will dem dahingeschlichenen Leichname von so geringem und
niedrig gelegenen Alter zwar nicht vergehen, doch unsere Yeo, das
überlebt habende Geschöpf von Zaubergestalt, legt nun
verständlicherweise umso mehr Melancholie an den Tag, nachträglich
werden sozusagen die Rechnungen zahlloser Kunden beglichen und um
nicht weinend in zu vergießenden Tränen auszubrechen, obgleich die
Gründe sind vorhanden stets so sehr, wird ihrerseits nun gelacht, so
als sei die Welt von Heiterkeit geprägt, als habe niemand Grund
genug, genüsslich im Tode zu versinken.


Das
triste und von Hoffnungslosigkeit durchtränkte Blutbad, beschert uns
Unglück, die Welt singt ihr Lied des Bedauerns, jede Begegnung
bedarf des Sich-Zusammennehmens, um nicht völlig zusammenzubrechen ,
dergleichen toleriert unsere kühle Hochleistungsgesellschaft
schließlich nicht ansatzweise..., dort womöglich noch weniger...


Alles
wird nun etwas ganz und gar Persönliches sein, amüsant ist in
diesem tieftraurigen Film nahezu nichts, höchstens sind es die
vielen koreanischen Fahrzeuge, wie sie oftmals und immer wieder auf's
Neue recht dreist das design und Erscheinungsbild hiesiger Fahrzeuge
kopieren, ansonsten aber handelt es sich durch und durch um ein
erschütterndes, mitnichten zum Schmunzeln anregendes Drama,
vielleicht gar um ein Meisterwerk, wie es uns, so dachte und sprach
es aus mir, nachdenken, sinnieren, geistig agieren, auf einer jeden
Ebene erstarren ließe!


Aber
auch in Rage versetzt es uns ob der dunklen Tragik unserer
katastrophal kühlen, düst'ren Welt der Abneigungen und verlorenen
Träume.


Mehrere
potentielle Kunden, so frei seiend, für ihr liebes und doch so
seelenloses Geld entsprechende „Gegenleistungen“ in Anspruch zu
nehmen, sind nunmehr die zahlende Gemeinschaft von des Mannes
Töchterlein, die Schönheit selbigen Halbkindes scheint vom
Schicksale verwundet worden zu sein, darüber hinaus gar vergiftet
von den unliebsamen Stößen der Fremden, erste Ehre beschmutzt von
fehlender gegenseitiger Zuneigung und Einvernehmlichkeit, der Mangel
an Freud' allgegenwärtig – fairerweise sei gesagt, dass ich sah,
dass nicht jeder der Kunden sämtlicher Sympathien entbehrt, etwas
Nettes MUSS es irgendwo geben, um hier mal Egoyans „Chloe“ zu
zitieren.


Ein
Werk, wie es uns bezüglich der Begierden unserer selbst kritisch
werden lässt, ganze Welten umfasst und diese hinterfragt, ohne aber
zu sehr den mitnichten sonderlich empfehlenswerten moralischen
Zeigefinger zu bemühen.


Ein
Filmwunder, welches uns für Schmerz empfänglich sein, werden,
BLEIBEN lässt, auch beim nächsten Sprunge in die Ewigkeit, zeigt
ki-duk nie direkt auf den Kern des Geschehens, sondern besinnt sich
auf den Versuch, dafür Sorge zu tragen, dass sich unser geistiges
Auge geradezu totarbeitet vor lauter bitt'rem Schmerze, krümmt vor
Leid …


Besagtes
Blutbad inneren wie äußeren Angegriffenseins, ist nun zunehmend
wörtlich zu nehmen, der Trieb der Vergeltungsgelüste, ließ sich in
keinster Weise mehr auch nur im Geringsten ausbremsen, aufhalten,
entkräften.


Die
blättrige, bald blutgetränkte Pracht des Herbstes , geleitet uns in
den letztverbliebenen Erinnerungskelch der Offenbarung eines
Wintermärchens, das Horrortheater misst, bildlich gesprochen, den
Tränengewässern , dem Wasserfall dessen, was aus unserem Inneren
strömt, ähnlich viel Bedeutung bei, wie es auch das
Jahreszeiten-Drama „Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und
Frühling“ des selben Regisseurs für sich wird verbuchen können –
als Stärke , versteht sich.


War
es nun begrüßenswerte Befreiung, mehr noch, eine Form von
Vollendung für den Vater , oder bildet die erfolgte Eskalation doch
eher das, was anders ausgedrückt dem Untergange gleichkäme ?


Die
Situation sich zuspitzend seiner einzigen Tochter wegen und auch
Mutter, seine Gattin und Gemahlin, schlich schon vor langer Zeit
dahin, allerdings nicht im Sinne der Würde, sondern hinsichtlich der
rein körperlichen Verwesungsprozesse .


An
einem Orte gänzlich unberührter Natur, sind wir der Verstorbenen
nun nahe, stünden ihr näher als zuvor und auch anschließend,
künftighin wird der Ursprung allen Seins auch unserer Gepeinigten
wieder verbunden sein und auch dem verständlicherweise reichlich
ratlosen Vater, sind wir trotz seiner Ausbrüche irgendwo noch
wohlgesonnen, er ist nicht schuldfähig.


Doch
ist eine Versöhnung mit dem drastischen Schicksale überhaupt noch
im Entferntesten denkbar:


Nein,
genau genommen ist die Herbeiführung des Friedens vollkommen
ausgeschlossen!, Frieden untereinander durchaus, Friede sei aber nur
mit der Person, mit dem Leben selbst dagegen herrscht fortan Krieg.


Ein
Filmkunstwerk für die ganz und gar Sensiblen unter uns, schämet
euch nicht eurer Verletzlichkeit, so sehr uns die Gesellschaft auch
suggerieren mag, die Vermeidung dieser sei vonnöten – fürwahr,
all dies ist leichter gesagt als getan, mich in diesem Zusammenhange
hinter einer Rezension zu verstecken, ergäbe also keinen Sinn, nur
dann stiftet es einen, wenn mehr Menschen diese Meinung teilen, doch
aufgezwungen sei sie niemandes Wesen.


Ich
sehe etwas, das ich nicht verstehe und mache einen Film darüber, um
es zu begreifen“, beschreibt der auf dem Regiestuhle sitzende
Meister seine Intention hinter Werken wie diesen, Zartbitterfilmen
zwischen Zuneigung und Hass.


Rauschhaft
in alsbaldig naher Zukunft die letzten Bilder der Erkenntnis, dieser
Zauber, wenn sie des Alleinseins Trägerin wird sein …


Glockenschlag
des Abschieds endgültig erklungen, doch für den letzten Schritt des
Vaters, brächten wir beim besten Willen nicht mehr sonderlich viel
Verständnis auf, oder bildeten wir uns das soeben nur ein ?


Zum
Glücke, denn einige wenige warme Momente, so solle dem sein, werden
doch noch ins Leben gerufen, ehe der Vater sich gezwungen sähe,
unauffällig im Nebeldunste zu entschwinden, während die zarte Blüte
zum ersten Male aus ihrer Welt entkommt, gleichwohl sie auch diesmal
nicht gänzlich wird davonfahren können...



Halbe
Kinder halbe Damen,


Weg
des Armseins führt hinunter,


intim
nun fortan viele Dramen,


die
Welt sie wird wahrhaftig nicht bunter.



Allein
sogleich die Seel' zerrüttet,


in
Schutt und Asche des Lebens Wunder,


von
Zement und Hagel das Leben überschüttet,


der
Pfad des Daseins er ist kein Gesunder ...




Letzte
Strophe sie sei erhoben,


angestimmt
gesungen zudem erklungen,


der
Weg des Todes führe nach oben,


das
Schicksal sie zum Ende gezwungen.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld."
Bond '89 - Robert Davi

bonddd

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870

Dienstag, 4. Juli 2017, 15:37

How to get away with murder von Shonda Rhimes
Sie hat hochkarätige Serien wie "Grey's Anatomy" erfunden.
Mit ihrem neuen Serien-Hit "How to Get Away With Murder" übertrifft sich die mächtigste Frau im US-Fernsehen nun selbst und schenkt uns eine grandiose Antiheldin: sexy, clever, kantig.
Staffel 1 und 2 kann man in Deutschland bereits bei Netflix streamen. Staffel 3 leider noch nicht- ich weiß auch nicht wann es soweit ist, dass man sie hier legal anschauen kann.